1978 - Kanpur Massaker

Nach dem Vaisakhi Massaker von 1978, starteten die Sikhs erneut eine friedliche Bewegung gegen die Nirankaris. Wo auch immer sie ihre Treffen abhielten, protestierten die Gursikhs dagegen. Daher war Gurbachan Singh (Führer der Nirankaris) nicht im Stande, seine Versammlungen in Varanasi, Azamgarh und Allahbad ohne Störung abzuhalten. Am 25. September 1978 erreichte Gurbachan Singh Kanpur um 21:30 Uhr, flankiert von Polizisten, die zu seinem Schutze abgeordert waren. Die Nirankaris haben sich gegen die Sikh-Lehre der Sikh Gurus gestellt, sie akzeptierten den Guru Granth Sahib nicht als ihren ewigen zeitlosen spirituellen Führer. Sie beleidigten und entwürdigten die Heilige Schrift bei jeder Gelegenheit. Gurbachan Singh hat sich selbst zum Guru ernannt und bestand darauf, dass es einen persönlichen Guru geben muss.

Die Nirankaris waren eine eigene Sekte, die die Unterstützung von verschiedenen politischen Parteien im Punjab und der Indischen Zentralregierung genossen hat. Die Gründung verschiedener "Sikh" Sekten, die den Grundlagen und Richtlinien der Gurmat Lehre von Satguru Nanak Dev und den nachfolgenden neun Sikh Gurus widersprachen, sind gerade in dieser Zeit - und danach mit einem erkennenden, sich immer wiederholenden System und Muster entstanden.

Die Sikhs begannen einen friedvollen Protestmarsch vom Gurudwara Gobindpur Sahib aus, welcher drei Kilometer vom Nirankari Bhawan in Kanpur entfernt war. Sikh Frauen und Kinder waren ebenfalls unter den Demonstranten. Der Nirankari Führer hatte bereits Vorbereitungen für diese Sikhs getroffen.

Als die Sikh Demonstranten den Nirankari Bhawan erreichten, attackierten die Nirankaris sie mit Backsteinen und Schrotflinten. Ein bewaffneter Freiwilliger der Nirankaris attackierte Jathedar Kishan Singh mit einem Speer und stach ihm in den Bauch. Die Sikhs wurden von den Nirankaris angegriffen und ein Kampf folgte. Zu dem Zeitpunkt begann die Polizei nur auf die Sikh Demonstranten zu schießen, aber nicht auf die Attackierer und Angreifer, den Nirankaris.

Dieser Vorfall verstärkte die Diskrepanz der Sikhs gegen die Nirankaris und der Indischen Regierung. Am 28. September wurden die Körper der in Kanpur Getöteten in einer großen Prozession getragen. Einen Tag zuvor konnte man einen eintägigen Proteststreik der Sikhs in Amritsar, Delhi, Bombay, Lucknow, Kanpur und an vielen weiteren Orten beobachten.

Die Namen einiger dieser Shaheeds sind:

  • Bibi Darshan Kaur
  • Bhai Jagjit Singh
  • Bhai Harcharan Singh
  • Jathedar Karam Singh
  • Jathedar Kishan Singh
  • Baba Kashmira Singh
  • Bhai Manmohan Singh
  • Bhai Gurbir Singh
  • Bhai Balwant Singh
  • Bhai Gurjit Singh

Die Punjab Regierung erließ daraufhin ein Einreiseverbot gegenüber den Nirankari Führer für sechs Monate, um weitere Zwischenfälle zu vermeiden. Gurbachan Singh ging gegen dieses Urteil in Berufung und das Verbot wurde wieder aufgehoben.

Am 30. Dezember 1978 organisierten die Sikhs aus Delhi einen friedvollen Protestmarsch und legten der Indischen Regierung ein Memorandum vor, welches darum bat, dass alle Nirankari Smagams (Treffen/Versammlung) verboten werden sollten, damit die öffentliche Terrorisierung und Beleidigung gegenüber der Heiligen Schrift der Sikhs, dem Siri Guru Granth Sahib, dem ewigen Führer der Sikhs, aufhört. Am 4. November 1978 sandten die Nirankaris eine Prozession in Delhi aus, um ihre jährliche Konferenz bekannt zu machen. Die Sikhs reagierten mit einem Gegenprotestmarsch, der in einem Blutbad endete. Der Präsident des Delhi Akali Dal, Avtar Singh Kohli, wurde am Kopf von einer Tränengas-Patrone, die ein Polizist abgefeuert hatte, getroffen und getötet. Bhai Darshan Singh und der 13-jährige Maninder Singh wurden ebenfalls getötet. Weitere Sikhs erhielten schwere Verletzungen.

Während den Tagen des 5. und 6. Novembers 1978 brachen Unruhen in Teilen von Delhi aus und eine Ausgangssperre wurde verhängt. Jan Sangh Arbeiter (BJP/RSS ultra rechter Hindu Flügel) stellten eine Schutztruppe bereit, die es den Nirankaris ermöglichte, weiterhin ihre Veranstaltungen trotz Störungen in der ganzen Stadt fortzuführen. Viele der Arya Samaj Führer, (BJP/RSS) inklusive Lala Jagat Narain, hielten unterstützende Ansprachen für die Nirankaris. Dies verlieh der Anti-Nirankari Bewegung der Sikhs eine neue Richtung. Die Sikhs fühlten sich nun verstärkt einer Mehrheit der fundamentalen Hindu Gesellschaft in Indien ausgesetzt, die Anti-Sikh Sekten, wie die Nirankaris unterstützte und sich selbst öffentlich an Anti-Sikh Aktivitäten beteiligten.

Nachdem alle friedlichen Mittel versagt hatten, und auch die Regierung die Anti Sikh Aktivitäten im ganzen Land zugelassen hat, haben sich Bhai Ranjit Singh, Mitglied der Akhand Kirtani Jatha, (AKJ) und zwei weitere Sikhs dazu entschlossen, den Nirankari Führer am 24. April 1980 umzubringen. Bhai Ranjit Singh hatte es geschafft eine Anstellung in dem Nirankari Hauptquartier in Delhi zu erhalten, indem er sich als Zimmermann ausgab. Später am Abend wartete er mit einem automatischen Gewehr in einem Zimmer des Gästehauses. Eines der Fenster verschaffte einen Überblick von der Einfahrt. Um ca. 23:00 Uhr erschoß er Gurbachan Singh von seiner Position aus, als dieser gerade von einer öffentlichen Veranstaltung zurück kam. Bhai Ranjit Singh gelang die Flucht, indem er auf eine naheliegende Mauer sprang. Später stellte er sich und erhielt eine Gefängnisstrafe von 13 Jahren.

Bhai Sukhdev Singh Babbar, Jathedar der Babbar Khalsa, war ein Bekannter von Bhai Fauja Singh (AKJ), der am 13. April 1978 im Amritsar Massaker ermordet wurde. Er hörte die Neuigkeiten von Bhai Fauja Singh's Märtyrertod während seiner Anand Karaj (Sikh Heirat) und verließ die Hochzeit und fuhr nach Amritsar. Später ging er in den Untergrund, von wo aus er das sogenannte Khalistan Movement 14 Jahre lang anführte, bevor er am 9. August 1992 verstarb. Es war derselbe Sukhdev Singh Babbar, der einen Gelddisput und Konflikt mit Jarnail Singh Bhindranwale kreierte. Sukhdev Singh Babbar stand mit Harchand Singh Longowal als auch mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Badal in engen freundschaftlichen Kontakt. Parkash Badal besuchte die Beerdigung von Sukdev Singh Babbar. Babbar Khalsa spaltete sich wiederum in zwei Gruppen auf, die von Sukhdev Singh Babbar und den Anhängern von Talwinder Singh.

Jarnail Singh Bhindranwale stieg nach dem Amritsar Massaker als eine zentrale Figur auf, indem er die Antwort der Sikhs auf die Indische Regierung Indira Gandhi's anführte. Die Situation verschlechterte sich zunehmend, als die Regierung ihre Politik der Unterdrückung und Diskriminierung gegenüber den Sikhs weiterhin fortsetzte.

Die Sikh Massen versuchten vergeblich ihre sozialen, ökonomischen, kulturellen und religiösen Strukturen gegenüber der Indischen Regierung, den Anti-Sikh Gruppen und den Medien zu verteidigen. Lala Jagat Narain, der die Sikhs bewusst ständig falsch darstellte, sie öffentlich immer wieder beleidigte, schürte mit seinen Reden bewusst Hass und Spalt in der Gesellschaft. Jarnail Singh's Popularität wurde zu einer zunehmenden Bedrohung für die damalige Zentralregierung, die die Bitten und Forderungen der Sikhs, wie in Anandpur Resolution artikuliert wurde, mit immer mehr Gewalt und Unterdrückung beantwortet. Auch die Führer der Akali Dal, die bekannt waren "Doppelrollen" zu spielen, sahen eine Konkurrenz und ernstzunehmende Gefahr in Jarnail Singh Bhindranwale. Nachdem Jarnail Singh Bhindranwale seine Reden hielt, liessen sich 40.000 und mehr Sikhs in einer kurzen Zeitspanne in den Khalsa Panth initiieren. Die Regierung hatte bereits nach der Grünen Revolution der Bauern einen Plan im Jahr 1982 ausgearbeitet, um den Darbar Sahib Complex, in Amritsar anzugreifen. Zu diesem Zeitpunkt (1982) befand sich Jarnail Singh Bhindranwale und seine Anhänger noch nicht im Sri Darbar Sahib Komplex.