Sikhi - Der Sikh Weg des Lebens
Sikh Glaube| Sikhismus | Sikh Religion |

Kernaussagen des Sikh Glaubens
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  • Der Sikh Glaube ist bekannt als Sikhi, Sikh Weg des Lebens, Sikhismus und Sikh Religion.
  • Die Sikhs glauben an Einen universellen Schöpfergott - Ik Oankar (monotheistische Religion).
  • Der Sikh Glaube lehrt, daß Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Geschlecht vor den Augen Gottes alle gleich sind. Sie alle sind die Manifestation des Einen transzendentalen omnipotenten Schöpfergottes.
  • Frauen und Männer sind laut der Sikhi gleichberechtigt.
  • Sikhs respektieren alle Religionen und Glaubensgemeinschaften.
  • Der Sikh Glaube lehrt das Recht auf Selbstbestimmung und Religionsfreiheit. Alle Menschen haben das Potenzial Gott selbst zu erfahren und ihren eigenen gewählten Weg zu Gott zu verfolgen, ohne dabei andere zu verletzen, zu verurteilen oder unter Zwang zu konvertieren.
  • Der Sikh Glaube betont die tägliche Hingabe an die Verinnerlichung Gottes. Ein Sikh sollte bei allem was er/sie tut, sich stets an den allmächtigen Schöpfergott in Form von Naam Japo/Naam Simran erinnern, der Rezitation und Meditation auf die Identität Gottes mit dem Gur Mantar Waheguru.
  • Ein Sikh sollte moralisch-ethische Verantwortung und Rechtschaffenheit präsentieren und ein wahrheitsgemässes, auf Gott ausgerichtetes Leben führen. Von den Sikhs wird erwartet, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Sikhs beten für das Wohlergehen und den Wohlstand aller Menschen (Sarbat da Bhala).
  • Der Sikh Glaube lehrt den selbstlosen Dienst in der Gemeinschaft - Seva. Die primäre Aufgabe im Leben eines Sikhs sollte es sein, den Notleidenden, Schwachen und Unterdrückten zu helfen. Sikhs sind dazu angeleitet, der Schöpfung Gottes bestmöglich zu dienen, der eigenen Gemeinde als auch der globalen Gesellschaft.
  • Polytheismus, Götter und Planetenanbetung und Verehrung, Fasten, leere Rituale, Aberglauben und das Kastensystem lehnt der Sikh Glaube ab.
  • Das Wort Sikh bedeutet im Punjabi "Schüler". Sikhs sind die Schüler Gurus/Gottes, die dem heiligen Wort (Gurbani) des Einen universellen Schöpfers folgen. Die Sikh Gurus haben von Akaal Purakh Waheguru (Gott) das heilige Wort direkt empfangen und es im Siri Guru Granth Sahib für die Menschheit offenbart. Ein Sikh glaubt an die Schriften, Lehren und Anweisungen der zehn Sikh Gurus.
  • Der Sikh Glaube lehnt den Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen ab. Die grosse Mehrheit der Sikhs sind Vegetarier. Getaufte Sikhs (Amritdharis), die dem Khalsa Panth angehören, ernähren sich vegetarisch.
  • Satguru Nanak Dev mit Bhai Mardana und Bhai Bala Ji
    Die 3 Grundprinzipien des Sikh Glaubens

    Satguru Nanak Dev lehrte drei Grundlagen:

    • KIRAT KARO - Arbeite hart und aufrichtig für deinen Lebensunterhalt.
    • NAAM JAPO/NAAM SIMRAN - Erinnere Dich bei allem, was Du tust an Gott. Ein Sikh soll seinen Geist auf die göttliche Substanz, auf die Existenz und Realität Gottes (Naam) richten. Dies geschieht in Form von Naam Japo (Rezitation/Chanten) und Naam Simran (Meditation) auf die Identität Gottes mit dem Gur Mantar Waheguru. Waheguru ist die Terminologie für Gott in der Sikh Religion und das Gur Mantar.
    • WAND CHAKKO - Teile das, was du hast, mit anderen und den weniger Begünstigten in der Gesellschaft.

Was ist Sikhi ?

Sikhi ist ein universeller Lebensweg zur Vereinigung mit Gott, der von Satguru Nanak Dev gelehrt wurde. Satguru Nanak Dev bot der Menschheit diesen Weg an, um das Leben durch Gyan - Wissen über Gott und seine Naturgesetze zu verstehen und um die Vereinigung mit dem universellen Schöpfer durch das Praktizieren von Naam Simran - und Seva (selbstlosen Dienst) zu realisieren.

WAHEGURU bedeutet:

Wunderbarer Erleuchter und Schöpfer, jenseits aller Erklärungen, der die Dunkelheit von Ignoranz und Unwissenheit zerstört und das Licht von Wahrheit, Wissen und Erkenntnis offenbart.

NAAM beschreibt das

dynamisch, kreative Prinzip, die Grundlage göttlicher Substanz, die Realität und Existenz Gottes. Naam wird im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Gebeten ebenfalls als der Eine Name des Herrn beschrieben (Waheguru Naam).

Naam Simran im Willen Gottes zu praktizieren, beschreibt Satguru Nanak Dev im Sri Japji Sahib in Pauri 25 "Band Khalasi Bhane Hoe". Das göttliche Licht von Akaal Purakh/Waheguru hat sich in Form von Satguru Nanak Dev auf Erden manifestiert. Dieses Eine göttliche Licht (Divine Light/Spirit) wurde auf alle Sikh Gurus und den Siri Guru Granth Sahib übertragen. Die Offenbarungen und Weisheiten des Siri Guru Granth Sahib sind universell, ewig-gültig, offen und zugängig für jeden Menschen. Die Gurbani inspiriert und transformiert die Menschenseelen. Für Sikhs stellt der Siri Guru Granth Sahib die höchste religiöse, spirituelle Führung dar. Die Sikhi hat sich zur fünftgrössten Weltreligion entwickelt. Sikhi ist ein Glaube, der vereint und nicht trennt und die Dogmen von Religionen und Exklusivität vollständig transzendiert. Sikhi verbindet die Menschen direkt mit der Quelle allen Ursprungs. Die Terminologie "Sikhi" wird im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Schriften für den Sikh Glauben benutzt, wohingegen die Begrifflichkeit des Sikhismus und Sikh Religion von westlichen Gelehrten und Historikern, wie den Engländern eingeführt worden sind. Heute werden alle drei Begriffe eingesetzt, um den Sikh Glauben zu definieren, zu erklären und vorzustellen.

Wie entstand der Sikh Glaube ?
Sri Nankana Sahib
Sri Nankana Sahib

Die Grundlagen der Sikhi sind von Satguru Nanak Dev und den neun nachfolgenden Sikh Gurus festgelegt worden. Bevor Guru Gobind Singh, der letzte Sikh Guru, 1708 diese Welt verliess, ordnete Er an, daß der Siri Guru Granth Sahib von nun an der Ewig-lebende Guru, die höchste religiöse-spirituelle Autorität der Sikhs, sein wird. In der Sikhi verweist das Wort Guru auf Gott. Guru und Gott werden synonym im Siri Guru Granth Sahib beschrieben. Die GURBANI ist das Wort Gottes/Gurus, dass Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus in ihrem göttlich verankerten Bewusstsein von Waheguru (Gott) empfangen und der Menschheit offenbart haben - manifest im Ewigen Shabad Guru. Der Siri Guru Granth Sahib ist JAAGDI JOT, das ewig existierende Licht Gottes/Gurus, welches die Schöpfung und das menschliche Bewusstsein anhebt, befreit und erleuchtet. Der Sikh Glaube hat sich zu einer der großen Weltreligionen entwickelt, zur fünftgrößten, mit derzeit über 27 Mio. Anhängern. Die Sikhi ist ein monotheistischer Glaube, der auf dem indischen Subkontinent in der nordwestlichen Region des Punjab im 15. Jahrhundert entstand.

Der Siri Guru Granth Sahib ist die einzige Heilige Schrift in der Welt, die zu Lebzeiten der Sikh Gurus (Verfasser) offenbart, niedergeschrieben und zusammengestellt worden ist.

Die fundamentalen Glaubensvorstellungen des Sikh Glaubens, sind im Siri Guru Granth Sahib, den Sikh Schriften und Anweisungen der Sikh Gurus artikuliert. Sie beinhalten unerschütterliches Vertrauen und Glauben in Guru und Gott zu haben (Bhavana/Bharosa/Shardha), Waheguru Naam Meditation auf den Einen transzendenten, alles durchdringenden allmächtigen Schöpfer, die Ausübung der Banis (Gebete), das Singen und Musizieren der Heiligen Hymnen (Shabad Kirtan), die Gemeinschaft aller Menschen, selbstloser Dienst (Seva), das Streben nach sozialer Gerechtigkeit zum Wohle und Wohlstand aller (Sarbat da Bhala), Teilen mit der Gemeinschaft, aufrichtiges Verhalten sowie das Bestreiten des Lebensunterhalts aus eigener Kraft. Die Sikh Gurus betonten stets die Wichtigkeit des Saadh Sangat, die Heilige Versammlung im Gurudwara.

Die Sikhi entstand als Satguru Nanak Dev gemäss den traditionellen Sikh Quellen im Monat Katak (Okt./Nov) 1469 in Talwandi, heute als Sri Nankana Sahib (Pakistan) bekannt, auf Erden erschien.
Zu dieser Zeit herrschten die Pathana, eine islamistische Kaste über die Region, später die Mogulen. Es war eine Zeit der politischen, sozialen und religiösen Unruhen. Zwei der Sikh Gurus, der fünfte Sikh Guru, Guru Arjan Dev und der neunte Sikh Guru, Guru Tegh Bahadur, wurden von den Mogul Herrschern gefoltert und hingerichtet, nachdem Sie es ablehnten zum Islam zu konvertieren. Die beiden jüngsten Söhne des zehnten Sikh Gurus, Baba Zorawar Singh und Baba Fateh Singh wurden in einem zarten Alter bei lebendigem Leibe eingemauert, als auch sie es ablehnten, die Religion des Islams anzunehmen. Die islamische Ära der Hinrichtung von Sikhs, Hindus und anderen Glaubensrichtungen auf dem indischen Subkontinent, der Verlust von Freiheit, Selbstbestimmung und Rechtschaffenheit, erforderten Massnahmen. Die praktische und höchst vorbildliche Lebensweise der Sikh Gurus, sowie die Offenbarung der Gurbani, deckten alle Aspekte der Vollkommenheit ab, sodass der zehnte Sikh Guru, Guru Gobind Singh, an Vaisakhi 1699 den Khalsa Panth im Willen Gottes (Hukam) gründete und die Aufgaben an den Khalsa Panth, die Bruderschaft der Reinen und Souveränen, übergab. Der Khalsa Panth steht im Einsatz für die Aufrechterhaltung von Wahrheit (Sat) und Rechtschaffenheit (Dharam) auf Erden. Der Khalsa Panth bewahrt das Wertesystem des Sikh Glaubens.

Satguru Nanak Dev etablierte das System einer kostenlosen Gemeinschaftsküche, bekannt als Guru Ka Langar, um die Wichtigkeit des Teilens und soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu demonstrieren. Das Guru Ka Langar steht für ein friedvolles, gerechtes Miteinander, unabhängig von Kaste, sozialem Status, Herkunft, Bildung, Geschlecht oder Glaubenszugehörigkeit. Die Institutionalisierung einer solchen Gemeinschaftsküche, die das Kastensystem transzendiert, war zu jener Zeit sozial-gesellschaftlich, religiös und politisch revolutionär. Das Guru Ka Langar symbolisiert auf metaphysischer Ebene, dass jeder Mensch ein manifestierter Ausdruck des Einen transzendenten, alles durchdringenden, omnipräsenten Schöpfergottes ist.
Der sechste Sikh Guru, Guru Hargobind Sahib, etablierte das System von Miri - Piri, welches gleichwertig auf politisch/temporärer Ebene Miri und auf religiös/spiritueller Ebene Piri ko-existiert. Guru Hargobind Sahib hat aus der Notwendigkeit heraus auf Anweisung seines Vaters, Guru Arjan Dev, eine Verteidigungsarmee aufgebaut, um die Menschen vor Unterdrückung, Tyrannei und Zwangskonvertierung zu beschützen. Die zukünftigen Krieger sollten über die Qualitäten eines Sant (Heiligen) verfügen und die Qualitäten eines rechtschaffenen Kriegers (Sipahi) in sich vereinen.

Der Begriff des Sant-Sipahi entstand in diesem Zusammenhang. Sant verweist auf eine weise und rechtschaffene Person. Eine Person, die Wissen und Erfahrung über Gott und seine Schöpfung besitzt. Ein Sant ist stets mit Guru/Gott durch Waheguru Naam und Gurbani verbunden. Ein Sant vergisst nie den Namen Gottes (Waheguru). Er lebt in Gottesfurcht und Hingabe. Der Sant handelt im Einklang und nach dem Willen Gottes. Sipahi bedeutet Krieger, bereit zu sein, sein Leben für einen rechtschaffenen Zweck einzusetzen. Ein Sant-Sipahi setzt sich für Wahrheit, Frieden, Freiheit und Rechtschaffenheit aller ein. Er hat die Aufgabe, die Schwachen und Unterdrückten zu beschützen und das Dharam, die Rechtschaffenheit auf Erden, zu bewahren.

Die Sikhi sieht Gerechtigkeit als höchstes Gut der moralischen Ordnung an. Das Wort im Punjabi, welches dies verdeutlicht, ist Niau, Gerechtigkeit. Das Wort Dharam, Rechtschaffenheit wird auch benutzt, um Gerechtigkeit zu vermitteln im Sinne einer moralischen Ordnung. Ein Angriff auf die Rechtschaffenheit (Dharam) bedeutet ein Angriff auf die Gerechtigkeit und somit auf die moralische Ordnung.

Grundlagen des Sikh Glaubens

Satguru Nanak Dev betonte Kirat Karō: ein Sikh sollte aufrichtig seinen Lebensunterhalt verdienen und einen Ausgleich zwischen Arbeit, Anbetung und Nächstenliebe herstellen und die Menschenrechte aller verteidigen. Sikhs werden ermutigt stets ein Chardi Kala, eine optimistische Sichtweise im Leben, zu bewahren. Der Sikh Glaube verweist auf Naam Japo/Naam Simran, der Rezitation und Meditation auf die Identität Gottes mit dem Gur Mantar Waheguru, die Lobpreisung Gottes durch Shabad Kirtan, dem Singen der Heiligen Hymnen, dem Lesen und Rezitieren der Gurbani und die Ausübung des Nitnem, der täglichen Sikh Gebete. Ebenfalls zu den Grundlagen der Sikhi gehört das Prinzip des Teilens, Waṇḍ Chakko, mit dem Angebot einer Freiküche, in der das freie Gemeinschaftsessen Guru ka Langar angeboten wird. Das Spenden für wohltätige Zwecke ist im Sikh Glauben als Daswandh bekannt. Die Saadh Sangat, die Versammlung der Heiligen im Gottesdienst, hat im Sikh Glauben einen besonders hohen Stellenwert. Die Sikh Gurus etablierten dieses System, um die Anwesenheit Gottes zu spüren, um sich mit Akaal Purakh Waheguru zu verbinden und dabei die Einflüsse der Maya, die temporäre Scheinwelt und Illusionen, die fünf Feinde Kaam/Lust, Krodh/Zorn, Lobh/Gier, Moh/emotionale und materielle Anhaftung, Hankaar/Ego, zu transformieren.

Satguru Nanak Dev lehrte

Die Sikh Religion betont das Prinzip der Gleichstellung aller Menschen und lehnt Diskriminierung auf Basis von Kaste, Herkunft, Beruf, Religion und Geschlecht ab. Die Sikh Prinzipien ermutigen zu einem Leben als Haushälter (Grisht) - Menschen, die im Leben stehen, ihren familiären und beruflichen Pflichten nachgehen und dabei ein auf Gott ausgerichtetes Leben führen.

Ein aktives, kreatives und bodenständiges Leben voller Aufrichtigkeit, Treue, Selbstbeherrschung und Reinheit zu führen, das über der metaphysischen Wahrheit steht. Der ideale Mensch sei derjenige, der die Vereinigung mit Gott erreicht, den Willen Gottes erkennt, ihn ausführt und im Willen Gottes lebt.

Es gibt nur Einen Schöpfergott - IK OANKAR

Nirgun und Sargun Aspekt

Die Sikh Religion weist darauf hin, daß es Einen universellen Schöpfergott - Ik Oankar gibt, der omnipräsent, omnipotent, allmächtig, alles erschaffend, das Universum und die unzähligen Schöpfungen kreierte und in allem existent ist. Diese singuläre Entität von Ik Oankar ist in zwei Kategorien unterteilt: dem Nirgun Aspekt und dem Sargun Aspekt.

Die Schöpferseele im Nirgun Aspekt ist ohne Attribute, unmanifest, abstrakt, formlos (Nirankar) nicht sichtbar, alles durchdringend - der ewige, zeitlose, transzendentale Aspekt der göttlichen Realität und Wahrheit.

Der Schöpfer wird im Nirgun Aspekt mit folgenden Terminologien beschrieben:

  • WAHEGURU
    Wahe: wundervoller Schöpfer/Erleuchter, der jenseits aller Erklärungen ist.
    Guru: Gu bedeutet Dunkelheit - Ru, der die Dunkelheit zerstört und das göttliche Licht von Wahrheit, Wissen und Erkenntnis schenkt.
  • AKAAL PURAKH: der ewige, zeitlose und unsterbliche Schöpfer, der jenseits von Zeit und Raum ist.
  • SATGURU: der wahre Aspekt und Ausdruck der göttlichen Wahrhaftigkeit. Der Satguru ist ohne Dualität. Satguru Nanak Dev ist die manifeste Sargun Form von Akaal Purakh Waheguru auf Erden - Ik roop hai.
  • SAT NAM: Sein Name ist Wahrheit.

Im Sargun Aspekt manifestiert sich die Schöpferseele in zahlreiche Formen und Leben, ausgestattet mit Attributen, Qualitäten und Eigenschaften. Im Sargun Aspekt ist Gott in allen manifestierten Formen anwesend. Alles was existiert, trägt das Licht und die Energie des Schöpfers in sich. Die Heiligen Hymnen und Verse im Siri Guru Granth Sahib, sind das direkte manifeste Wort Gottes. Der Ewige Guru der Sikhs, ist die Verkörperung der zehn Satgurus, die Ausdruck der göttlichen Wahrhaftigkeit auf Erden sind.

In der Sikhi verweist das Konzept Gottes auf WAHEGURU. Waheguru ist der Schöpfer und die Basis des gesamten Universums. Gott ist gestaltlos, zeitlos und unsichtbar Niraṅkār, Akaal und Alakh. Am Anfang des ersten Textes im Siri Guru Granth Sahib steht geschrieben, daß Gott omnipräsent mit unendlicher Kraft über Allem steht und dies durch den Begriff von Ik Oankar - Es gibt nur einen universellen Schöpfergott verdeutlicht wird. Die Sikhs glauben, daß vor jeder Schöpfung nur Gott und Shabad (Wort) existierte und das durch Gottes Wille (Hukam), der gesamte Kosmos und die Schöpfungen erschaffen wurden.

Das Konzept Gottes wird auch als Akaal Purakh, der zeitlose ewige Schöpfer, der niemals stirbt, sich jenseits von Zeit und Raum befindet und Niraṅkār formlos beschrieben. Satguru Nanak Dev hat desweiteren erklärt, daß das Verständnis von Akaal  jenseits der menschlichen Wahrnehmung liegt, doch zur selben Zeit nicht völlig unverständlich oder nicht zugängig sei. Akaal Purakh ist omnipräsent Sarav Viāpak in allen Schöpfungen und für die Weisen und spirituell Erwachten überall wahrnehmbar. Satguru Nanak Dev betonte, daß Gott durch das Innere Auge oder das Herz eines Menschen, das sich Gott öffnet, mit Seiner Gnade wahrgenommen werden kann. Satguru Nanak Dev hat hierzu den Kanal des Gottes Namen für die Menschheit in Form des Gur Mantar Waheguru offenbart. NAAM, die Existenz und Realität Gottes und die Gurbani, das Wort Gottes/Gurus, haben einen kosmischen Klang. Dieser wird in der Sikh Lehre als Naad bezeichnet. Die kosmische Klangschwingung des Universums. Durch das Praktizieren von Waheguru Naam Meditation und dem sich Verbinden mit Gurbani, wird diese kosmische Klangschwingung schrittweise im menschlichen Bewußtsein belebt und manifestiert sich schrittweise.

Singe für immer die glorreichen Lobeshymnen des makellosen wahren Schöpfers, und der makellose Klangstrom des Naad wird im Inneren vibrieren.
Sing the Glorious Praises of the Immaculate True Lord forever, and the Immaculate Sound-current of the Naad shall vibrate within. (SGGS, Ang 121)
Der Guru sagt uns: Durch die Wiederholung von Naam erklingt der Klangstrom des Naad.
The Guru tells us: Repeating the Naam, the Unstruck Sound-current of the Naad resounds.
(SGGS, Ang 1144)

Die Essenz der Sikh Lehre ist von Satguru Nanak Dev in diesen Worten zusammengefasst:

Realisierung der Wahrheit ist höher als alles andere. Noch höher ist ein wahrhaftiges Leben.

Die transzendente Schöpferseele

Die kosmische All-Seele des Schöpfers ist geschlechtsunspezifisch, transzendent allumfassend, bedingungslose reine Liebe, Stille, ewige Glückseligkeit, Frieden, Unbegrenztheit, unsterblich, ungebunden und zeitlos. Gott war, ist und wird für immer die höchste, allmächtige ewig-existierende Wahrheit und Realität sein.

Der Schöpfer ist kosmisch unbegrenzte Liebe und Freude, er liebt seine Schöpfungen und Manifestationen bedingungslos. (SGGS, Ang 784, M. 5)

Im Siri Guru Granth Sahib wird Gott als Ehemann (Husband Lord), als bester Freund, Vater, Mutter und Geliebter beschrieben. Die Individual Seele wird als die Seelen-Braut (Soul-bride) bezeichnet. Die Seelen-Braut steht hier synonym für beide Geschlechter, weiblich als auch männlich. Die Seele hofft und wartet nach langer Trennung auf den Tag der Wiedervereinigung mit Ihrem geliebten wahren Ehemann, dem Ursprung allen Seins. Diese Analogie beschreibt die Vereinigung der Individual Seele mit der All-Seele Gottes. Die Individual Seele hat ihren Ursprung, ihr wahres Zuhause in der allmächtigen kosmischen All-Seele des Schöpfers. Der Tod bedeutet im Sikh Glauben nicht automatisch das Einswerden mit Gott. Die Seele, manifest im menschlichen Körper, unterliegt dem sich wiederholenden Prozess von Kommen und Gehen, dem Zyklus von Geburt und Sterben, gemäss dem Karma des Einzelnen, bis Akaal Purakh/Waheguru (Gott) in seiner Liebe, Güte und Gnade die Individual Seele mit Ihrem Ursprung, mit der transzendentalen, ewig-existierenden kosmischen All-Seele Gottes vereint. Diese Wiedervereinigung mit der Schöpfungsquelle ist mit unbeschreiblicher Freude, Stille, Ruhe und Frieden beschrieben. In diesem Moment erreicht die Individual Seele die Einheit mit Waheguru (Gott) und der Zyklus von Geburt und Tod ist beendet und damit die Anhaftung an den relativen Bereich des Lebens. Die Befreiung der Seele kann zu Lebzeiten passieren. Diese Person wird im Siri Guru Granth Sahib als Jivan Mukti - ein zu Lebzeiten Befreiter beschrieben, als auch in der Transmigrationsphase, wenn die Seele das Körperkleid verlässt. Die verschiedenen Raags, die den Siri Guru Granth Sahib strukturieren (31 Haupt Raags, 31 Mishrat Raags in 17 Taala), befassen sich mit der Thematik der Trennung, Schmerz, Sehnsucht, Traurigkeit, Schönheit, Freude und Erfüllung. Jede dieser Raag beschreibt und korrespondiert mit einer spezifischen Gefühlsstimmung.

Das Ik Oankar Symbol
Ik - eins
Oan - bedeutet, die alles erschaffende, organisierende und auslöschende Kraft Gottes
Kar - beschreibt den Schöpfer, der sich in der gesamten Schöpfung manifestiert
Ik Oankar = Es gibt nur Einen universellen Schöpfergott.

Das Khanda Symbol im Sikh Glauben: Das Khanda Zeichen ist nach dem Ik Oankar Symbol ein weiteres wichtiges Symbol in der Sikh Religion. Die Sikh Flagge- Nishan Sahib, beinhaltet das Khanda Zeichen. Die Flagge der Sikhs wurde erstmals 1606 über den Sri Akaal Takht, dem höchsten Sitz der temporalen Sikh Autorität, installiert. Die Nishan Sahib wird auch als "Akal Dhuja - die unsterbliche Flagge" und "Satguru ka Nishan - Das Zeichen des wahren Gurus" bezeichnet. Das Khanda Zeichen beinhaltet eine Kollektion von vier Waffen. Im Zentrum steht das zweischneidige Schwert, das die kreative Kraft Gottes, das gesamte Universum und das Schicksal des Universums repräsentiert. Das Khanda steht für göttliches Wissen, seine Klingen trennen die Wahrheit von der Falschheit. Die Bedeutung der zwei Krummschwerter: das erste Schwert steht für die politisch/weltliche Führung (Miri) und das zweite Schwert symbolisiert die spirituelle Kraft und Führung (Piri). Im Inneren der zwei Schwerter um das Khanda, befindet sich ein Kreis, der Chakkar genannt wird. Zwischen beiden, Miri und Piri - muss ein Gleichgewicht bestehen, dies wird durch den inneren Kreis symbolisiert. Er umfasst die gesamte göttliche Manifestation und stellt die Anfangs- und Endlosigkeit als auch die Perfektion Gottes und seiner Zeitlosigkeit dar.

                        

Mool Mantar / Mool Mantra

Das Mool Mantar (Mool Mantra) beschreibt den universellen omnipräsenten Schöpfergott und fasst zugleich das gesamte Konzept Gottes im Sikh Glauben zusammen. Das Mool Mantar ist traditionell so, wie es am Eingang des Sri Harmandir Komplex steht, von Ik Oankar bis Nanak hosee bhee sach. Das Mool Mantar von "Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach", erhält der getaufte Sikh (Amritdhari) seit Vaisakhi 1699 in der originalen Amrit Sanchaar Taufzeremonie in den Khalsa Panth.

Der zehnte Sikh Guru, Guru Gobind Singh hat die Grundlagen seit 1699 festgelegt, dazu gehören die Panj Bania, die 5 Morgengebete, eine Meditation mit dem Mool Mantar und eine Meditation mit dem Gur Mantar Waheguru. Am Abend folgt das Rehras Sahib (Abendgebet) und vor dem Schlafengehen das Kirtan Sohila (Nachtgebet).

Einige neu entstandene Gruppierungen des 20. Jahrhunderts, wie SGPC, Sikh Missionaries, AKJ, Sikhnet u.a.*, definieren und rezitieren das Mool Mantar bis "Gurprasad". Sie sind in den Jahren 1925/1945 und 1961/1973/1990 entstanden. Sie vertreten die Meinung, dass es "zwei Schulen der Lehre" gibt. Eingeführt wurde die Neu-Definierung des Mool Mantar bis Gurprasad durch die SGPC, deren beauftragte Gelehrte und Vertreter verschiedener Sikh Gruppen. In der traditionellen Gurmat Lehre geht das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach. Die SGPC (Shiromani Gurdwara Parbandhak Committee) wurde 1920 etabliert. Die SGPC wurde beauftragt, die historischen Gurudwaras zu verwalten, dies trat mit dem Gurudwara Act von 1925 in Kraft. Im Laufe der Zeit hat die SGPC, die direkt unter politischer Führung steht, jedoch auch in inhaltliche Grundlagen des Sikh Glaubens eingegriffen.

*Anmerkung: Sikhnet/Sikhiwiki (Yogi Bhajan) veröffentlicht das Mool Mantar auf ihren Seiten bis Gurprasad, wohingegen 3H0 Sikhdharma, ebenfalls Yogi Bhajan, das Mool Mantar auf Ihrer Webseite und in ihren Kursen von "Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach" lehren.

Es gibt Grundlagen der traditionellen Gurmat Lehre, die von Satguru Nanak Dev, den Sikh Gurus und von Guru Gobind Singh, als er 1699 den Khalsa Panth initiierte, definiert und festgelegt wurden. Von dieser Grundlage haben sich, wie in jedem Glauben, verschiedene Gruppen und Sekten mit unterschiedlichen Sichtweisen abgespalten.

Die originalen Grundlagen der Sikh Lehre (Gurmat), werden durch die alten traditionellen Taksals, wie von Taksal Bhai Mani Singh, Damdami Taksal, den Nihang Sampardais, die über 300-450 Jahre alt sind und direkt mit den Sikh Gurus verbunden waren, von Generation zu Generation bewahrt, gelehrt und weitergegeben. Zahlreiche bekannte Gurudwaras, Gursikhs und Sikh Institutionen, wie die Nanaksar Sampardai, Bucho Sahib, Rampur Khera, Sampardai Rarewaleh, Hoti Mardan Sampardai, Mata Kaulan Ji Bhalaayee Kendar u.v.a., lehren gemäss der traditionellen Gurmat Lehre das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

Folgende bekannte Taksals und Sampardais rezitieren das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

  • Der Taksal von Bhai Mani Singh befindet sich in Sato Wali Ghali. Der zehnte Sikh Guru, Guru Gobind Singh diktierte Bhai Mani Singh den gesamten Siri Guru Granth Sahib in Damdama Sahib - Sabo Ki Talwandi auswendig. Bhai Mani Singh war Granthi und Jathedar vom Sri Harmandir Sahib in Amritsar. Er war ein berühmter Sikh Gelehrter und Sikh Märtyrer (Shaheed). Bhai Mani Singh wurde von den Mogulen lebendig zerhackt, als er die gewünschte Summe, die die Mogulen von ihm verlangten, nicht erbringen konnte. Der Taksal von Bhai Mani Singh, wurde auf direkte Anweisung von Guru Gobind Singh gegründet. Seit seiner Entstehung wird das Mool Mantar traditionell von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach gelehrt.
  • Baba Deep Singh war erster Jathedar von Damdami Taksal, der höchsten Schule des Lernens für Santhiya, Gurbani und Sikh Itihaas. Er kam in jungen Jahren in Kontakt mit Guru Gobind Singh. Baba Deep Singh diente sein ganzes Leben loyal dem Guru Haus. Baba Deep Singh kämpfte an der Seite von Banda Singh Bahadur in den Schlachten von 1708-1715 und war Führer der Misl Shaheedan Tarna Dal. Baba Deep Singh zählt zu den berühmtesten Sikh Märtyrern in der Sikh Geschichte. Im Kampf um die Verteidigung des Sri Harmandir Sahib kämpfte Baba Deep Singh mit Pathan Jahan Khan. Während dieses Kampfes, schlugen sich beide gleichzeitig ihre Köpfe mit den Schwertern ab. Baba Deep Singh, noch lebend, trug seinen Kopf in der linken Hand und kämpfte mit seinem Schwert in der rechten Hand auf dem Weg in den Parkama des Sri Harmandir Sahib weiter, wo er dann seinen Kopf hinlegte und in Sach Khand, in die höchste Ebene der Wahrheit, in das Reich Gottes, einging. Baba Deep Singh wurde vom zehnten Sikh Guru, Guru Gobind Singh beauftragt, den Taksal in Damdama Sahib zu gründen und dort die Bedeutung von Gurbani und Santhiya, der korrekten Aussprache von Gurbani zu lehren. Seit Entstehung von Damdami Taksal und ihrem ersten berühmten Führer Baba Deep Singh, wird das Mool Mantar traditionell von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach gelehrt.
  • Nirmalas, diese Sampardai ist bekannt als Bhai Daya Singh Sampardai, sie geht auf Bhai Daya Singh zurück, einem der originalen fünf Geliebten (Panj Pyare), die sich 1699 an Vaisakhi von Guru Gobind Singh taufen liessen. Oft von westlichen Gelehrten unzureichend oder fehlerhaft interpretiert, sind die Nirmalas wichtige führende intellektuelle und philosophische Gelehrte in der Interpretation von Gurbani. Zu ihnen zählen: Sant Baba Atta Singh Mastuanwaleh, Sant Baba Nand Singh (Nanaksarwaleh), Sant Baba Aya Singh Hoti Mardanwaleh, Sant Baba Karam Singh.

    Bhai Daya Singh, direkter Panj Pyare von Guru Gobind Singh, teilte die Leitung auf zwei Personen auf:
    1. Baba Seva Singh, von der die Nanaksar Sampardai abstammt.
    2. Baba Sobha Singh, von der die Rarewaleh und die Hoti Mardan Sampardai abstammen.

  • Die Nihangs, standen direkt unter der Anleitung der Sikh Gurus. Sie rezitieren das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach. Die Nihangs sind Beschützer und Verteidiger des Sikh Glaubens und dessen grundlegendem Wertesystem. Dazu zählt der Nihang Panth Tarna Dal, der Nihang Panth Budha Dal, der Nihang Panth Baba Bidhi Chand Dal und weitere Nihang Gruppen.

  • Sampardai Bhai Khanhaiya. Bhai Khanhaiya war ein berühmter Gursikh, der dem Feind auf dem Schlachtfeld Wasser gab. Als die Khalsa Armee das sah, beschwerte sie sich bei Guru Gobind Singh über das Verhalten von Bhai Khanhaiya. Daraufhin befragte Guru Gobind Singh Bhai Khanaiya, warum er dies tat. Bhai Khanaiya erwiderte: Überall, wo ich hinschaue, sehe ich nur Dich mein Herr. Ich sehe überall das Eine Licht Gottes in allen existent - Ik Noor. Guru Gobind Singh erteilte Bhai Khanaiya die Anweisung, nicht nur Wasser dem Feind auf dem Schlachtfeld zu geben, sondern auch die Wunden mit Salben und Verbände zu versorgen. Die Sampardai Bhai Khanaiya ist heute gleichbedeutend mit dem Roten Kreuz. Diese Sampardai rezitiert das Mool Mantar gemäss der originalen Gurmat Tradition von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

  • Der Udasi Orden wurde von Baba Sri Chand, dem Sohn von Satguru Nanak Dev gegründet. Der Orden rezitiert seit seiner Entstehung bis heute, traditionell das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.
  • Der Bedi Clan sind direkte Nachkommen von Satguru Nanak Dev. Sie residieren in Una Sahib. Während der Zeit des zehnten Sikh Gurus wurde Baba Kaladhar Ji persönlich von Guru Gobind Singh mit Khande di Pahul (Amrit Taufe) als Khalsa getauft. Baba Kaladhar Ji war der Führer des Bedi Clans. Der Bedi Clan rezitiert seither in Una Sahib das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach, so wie es Baba Kaladhar von Guru Gobind Singh in der originalen Amrit Taufe erhielt.

Eine Diskussion und Argumentation über die Länge des Mool Mantar ist daher unnötig, da diejenigen, die der traditionellen Gurmat Lehre folgen, weiterhin von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach rezitieren und die relativ jungen, neu entstandenen Gruppierungen des 20. Jahrhunderts, bis Gurprasad rezitieren.

Nach der traditionellen Gurmat Lehre gibt es 5 Haupt Mantar

Bhai Jagraj Singh (Basics of Sikhi)
über die 5 Haupt Mantar -
Mool Mantar Ik Oankar-Nanak hosee bhee sach
  • 1. Beej Mantar - Ik Oankar
  • 2. Maha Mantar - Ik Oankar bis Gurprasad
  • 3. Mool Mantar - Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach
  • 4. Mala Mantar - Sri Japji Sahib
  • 5. Gur Mantar - Waheguru
Mool Mantar
Lesen und Hören
Gurmukhi - Transliteration
Mool Mantar
historische Erklärung
Veechar - Gurmat Studien
Mool Mantar
Gurbani Paath Darpan
historische Erklärung

Bhai Gurdas diente insgesamt vier Sikh Gurus. In Vaar 39, Pauri 1 beschreibt und erklärt Bhai Gurdas gemäss der Gurmat Lehre das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

ਏਕੰਕਾਰੁ ਇਕਾਂਗ ਲਿਖਿ ਊੜਾ ਓਅੰਕਾਰੁ ਲਿਖਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੧

ਸਤਿਨਾਮ ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ ਨਿਰਭਉ ਹੁਇ ਨਿਰਵੈਰੁ ਸਦਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੨

ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ ਪਰਤਖਿ ਸੋਇ ਨਾਉ ਅਜੂਨੀ ਸੈਭੰ ਭਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੩

ਗੁਰ ਪਰਸਾਦਿ ਸੁ ਆਦਿ ਸਚੁ ਜੁਗਹ ਜੁਗੰਤਰੁ ਹੋਂਦਾ ਆਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੪

ਹੈਭੀ ਹੋਸੀ ਸਚੁ ਨਾਉ ਸਚੁ ਦਰਸਣ ਸਤਿਗੁਰੂ ਦਿਖਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੫

ਸਬਦੁ ਸੁਰਤਿ ਲਿਵਲੀਣੁ ਹੁਇ ਗੁਰੁ ਚੇਲਾ ਪਰਚਾ ਪਰਚਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੬

ਗੁਰੁ ਚੇਲਾ ਰਹਰਾਸਿ ਕਰਿ ਵੀਹ ਇਕੀਹ ਚੜ੍ਹਾਉ ਚੜ੍ਹਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੭

ਗੁਰਮੁਖਿ ਸੁਖ ਫਲੁ ਅਲਖ ਲਖਾਇਆ ॥੧॥ ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੮

One Oankar, the primal energy, realized through the grace of divine preceptor Pauri 1 (Invocation) That homogenous supreme reality (God) first was written as numeral one in Mool Mantar - the credal formula and then He was inscribed as Ura syllabe of Gurmukhi, further pronounced as Oankar. Then He was called Satnam, the Truth by Name, Karta purakh, the creator Lord, nirbhau, the fearless one, and nirvair withour rancour. Then emerging as the timeless Akal Moorat to be called as unborn and self-existent. Realized through the grace of Guru the divine preceptor, the current of this primeval Truth (God) has continously been moving since before the beginning and throughout the Ages. He is verily the Truth and will continue to be the Truth for ever. The true Guru has made available (for me) the glimpse of this Truth. One who merging his conciousness in the Word establishes a relationship of Guru and disciple, only that disciple devoting himself to the Guru and progressing from worldliness attunes his conciousness in and with the Lord. The Gurmukhs have had the glimpse of imperceptible Lord who is the fruit of delights.
ੴ ਸਤਿਨਾਮੁ ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ ਨਿਰਭਉ ਨਿਰਵੈਰੁ ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ ਅਜੂਨੀ ਸੈਭੰ ਗੁਰਪ੍ਰਸਾਦਿ ॥ ਜਪੁ ॥ ਆਦਿਸਚੁ ਜੁਗਾਦਿਸਚੁ॥ ਹੈਭੀਸਚੁ ਨਾਨਕ ਹੋਸੀਭੀਸਚੁ॥੧॥

Es gibt nur Einen universellen Schöpfer. Ik Oankar
ਸਤਿਨਾਮੁ Sein Name ist Wahrheit. Seine Existenz ist wahr. Satnam
ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ Schöpfer aller Manifestationen, alldurchdringend. Karta Purakh
ਨਿਰਭਉ Ohne Furcht. Nirbhao
ਨਿਰਵੈਰੁ Ohne Feindschaft. Nirvair
ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ Der Schöpfer ist unsterblich. Akaal Murat
ਅਜੂਨੀ Jenseits von Geburt. Ajuni
ਸੈਭੰ Selbstexistierend - selbsterleuchtend. Saibhang
ਗੁਰਪ੍ਰਸਾਦਿ Realisiert durch die Gnade des wahren Gurus. Gur prasad
॥ ਜਪੁ ॥ Rezitiere/Chante. ॥ Jap ॥
ਆਦਿਸਚੁ Der Schöpfer existierte von Anbeginn. Aadh sach
ਜੁਗਾਦਿਸਚੁ Er existierte vor Seiner Schöpfung und in allen vier Zeitaltern. Jugaadh sach
ਹੈਭੀਸਚੁ Gott ist hier und jetzt allgegenwärtig. Hai bhee Sach
ਨਾਨਕ ਹੋਸੀਭੀਸਚੁ॥੧॥ Guru Nanak Dev sagt, Gott wird für immer und ewig existent und wahr sein. Nanak hosee bhee Sach ॥1॥

Links: Das runde Thaal von Guru Gobind Singh, befindet sich in Sri Hazoor Sahib, Nanded (Maharashtra). Es zeigt das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

Rechts: Auf dem Brustschild von Guru Gobind Singh ist das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach eingraviert. Das Schild ist heute im Moti Bag Museum zu besichtigen.

Am Bein Fluß, wo Akaal Purakh/Waheguru (Gott) Satguru Nanak Dev das Mool Mantar offenbarte, steht der historische Gurudwara Sant Ghat.

Hier ist das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach über dem Eingang des Gurudwaras eingemeißelt.

Gur Mantar Waheguru (Gurmantra)

Wa-he: ist der wundervolle Erleuchter und Schöpfer, in Worte nicht zu fassen, jenseits aller Erklärungen, absolute-ewige Glückseligkeit, Liebe, Stille, Frieden, Unbegrenztheit, unsterblich, zeitlos, der Ausdruck der höchsten ewigen transzendentalen Wahrheit.
Gu-ru: Gu bedeutet Dunkelheit, Unwissenheit, Ignoranz, Überschattung, Anhaftung an den relativen Bereich des Lebens (Maya) -
Ru ist das göttliche Licht von Wahrheit, Wissen und Erkenntnis, welches die Dunkelheit, Ignoranz und Unwissenheit im Bewusstsein vertreibt und die Seele mit dem göttlichen Licht segnet.

Naam Japo/Naam Simran zu praktizieren, bildet laut Satguru Nanak Dev und den Sikh Gurus, eine der Hauptgrundlagen im Sikh Glauben.

Naam ist die Existenz und Realität Gottes, die Grundlage allen Seins. Naam wird im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Schriften ebenfalls als der Name des Herrn beschrieben. Naam ist durchtränkt vom kosmischen Klang (Naad), der sich allen Sikh Gurus und gesegneten Gursikhs in Form des "Gur Mantar Waheguru" in ihrem eigenen Bewusstsein - durch die Gnade des wahren Gurus (Gottes) offenbarte.

Gursikhs wurden und werden mit Waheguru Naam gesegnet. Dieser Vorgang ist ein Prozess der persönlichen, inneren Erfahrung.
Bei der Amrit Taufe in den Khalsa Panth, werden die getauften Sikhs (Amritdharis) gemeinsam von den fünf Geliebten, den Panj Pyare, in das Gur Mantar Waheguru initiiert.

Nanak sagt: Das Gur Mantar ist in mir eingegeben worden. Dieser Name allein befindet sich in meinem Herzen.
(SGGS, Ang 188)
Meditiere auf den makellosen Herrn und durchtränke deinen Geist mit ihm... Oh Geist, es gibt nur eine Medizin, ein Mantra und eine Heilung – fokussiere dein ganzes Bewusstsein fest auf den Einen Herrn.
(SGGS, Ang 156)
Diejenigen, die mit Deiner Gnade gesegnet werden, erhalten den Juwel von Naam, den Namen des Herrn.
(SGGS, Ang 12)
Ich habe den Namen des Herrn erworben, seine Süße, sein Wert sind unbeschreiblich.
(SGGS, Ang 436)
Der Eine Name ist der wahre Schatz, der wahre Reichtum, O Pandit höre auf diese wahren Lehren.
(SGGS, Ang 492, M. 3)
Der perfekte Guru hat den Namen des Herrn in mir implementiert; es hat meine Zweifel von innen zerstreut... Ich bleibe liebevoll auf den Einen Herrn eingestimmt. Naam, der Name des Herrn verweilt in mir.
(SGGS, Ang 1424 M. 4)
Wo es keine Mutter, Vater, Kinder, Freunde oder Geschwister gibt, Oh mein Geist, wird der Name des Herrn bei Dir sein und dir Hilfe und Unterstützung geben. Wo der große und schreckliche Bote des Todes versuchen wird, dich zu vernichten, da wird nur Naam mit dir gehen. Wo Schwierigkeiten und Hindernisse unerträglich schwer sind, wird der Name des Herrn dich in einem Augenblick retten. Mit der Durchführung unzähliger religiöser Rituale wirst du nicht gerettet werden. Der Name des Herrn wäscht Millionen von Sünden ab. Als Gurmukh, rezitiere den Naam, Oh mein Geist. O Nanak, Du wirst unzählige Freuden erhalten.
(Gauri Sukhmani, M. 5)
Die vielen religiösen Rituale, gute Taten des Karmas und die dharmische Anbetung - über alledem steht Naam, der Name des Herrn.
The many religious rituals, good deeds of karma and dharmic worship - above all of these is the Naam, the Name of the Lord.
(SGGS, Ang 405)

Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus beschreiben im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Gebeten, dass der Gottsuchende sich mit Naam, der göttlichen Existenz, der göttlichen Allmacht, in Form des Gur Mantar Waheguru verbinden sollte, um in diesem und in kommenden Leben, die Verbindung mit dem allmächtigen Schöpfer (Waheguru) zu festigen, um über den Weltozean der illusionären Scheinwelt, der Maya zu gelangen, bis die Individual Seele, die Einheit mit der kosmischen All-Seele des Schöpfers realisiert. Das Einswerden mit Gott geschieht durch Seine Liebe und durch Seine Gnade. Im Siri Guru Granth Sahib wird der Schöpfer mit verschiedenen Namen aufgeführt, aber nur der Eine Name Waheguru ist im Sikh Glauben zugleich auch das Gur Mantar.

Satguru Nanak Dev lehrt in Siri Raag, SGGS Ang 72:

Eyk Naam Hukam hai - Nanak Satgur diya bujhaa-ey Jio

Der Eine Name ist das Gebot, die Anweisung des Herrn.
Oh Nanak, der Wahre Guru hat mir dieses Verständnis gegeben.

The One Name is the Lord´s Command.
O Nanak, the True Guru has given me this understanding.

Bhai Gurdas schreibt in Vārān 13, Pauri 2

WAHEGURU ist GUR MANTAR durch meditieren darauf, wird das Ego ausgelöscht.

In Vārān 24, Pauri 1 erläutert Bhai Gurdas:

Der wahre Guru Nanak Dev inspirierte die Menschen, sich an den wahren Namen des Herrn zu erinnern, dessen Form die Wahrheit ist. Er gründete Dharamsala, den Platz des Dharma in Kartarpur, dieser Platz, von der Wahrheit bewohnt, bekam der Aufenthaltsort der Heiligen Versammlung (der Sikhs). Guru Nanak segnete und übermittelte das Wort "Waheguru" (Namen Gottes) an die Menschen.

Gurbani, das Wort Gottes/Gurus, die Sikh Gebete (Nitnem Banis) und NAAM, die Existenz und Realität Gottes, Sein Mantar, Sein Name haben eine tiefe Bedeutung in der Sikh Religion. Der Aspirant wird mit Waheguru Naam und Gurbani gesegnet, sie geben ihm die Kraft, Vertrauen, Stärke und Ausdauer, die bindenden Einflüsse der Maya zu transzendieren. Das Gur Mantar Waheguru wird hier das Gefährt, um sich mit Waheguru - Gott direkt zu verbinden.

Der Name Waheguru wird das Instrument um Gott, den Herrn zu realisieren. In Raag Bhairon betont Guru Arjan Dev, dass der Name dieselbe Intensität von Wahrheit und Qualität in sich trägt, wie die Realität Gottes, die göttliche Substanz Naam selbst. Um die Beziehung der menschlichen Seele mit Ihrem Schöpfer herzustellen, haben die Sikh Gurus den Kanal des göttlichen Namens in Form des Gur Mantar, der Menschheit zu Verfügung gestellt. Der Suchende, der diesen göttlichen Namen adoptiert, oder mit Naam durch den wahren Guru gesegnet wird, kann sich mit der universellen All-Seele des Schöpfers verbinden.

Innere Erkenntnis, das Leben in Demut, Mitgefühl, Gottesfurcht, Liebe, Aufrichtigkeit, Natürlichkeit, Hilfsbereitschaft, Stärke, Mut, Brüderlichkeit und Vergebung zu leben, ist die Aufgabe eines jeden Sikhs. Alle Tugenden kommen wie Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus immer wieder im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Gebeten stets betonen, aus NAAM, aus dem göttlichen Ursprung allen Seins, aus den Qualitäten Gottes, aus seinem Einen Namen.

Ein moral-ethisch auf Gott ausgerichtetes Leben in der Sikh Religion, wächst demnach aus dem sich konstanten Verbinden mit Guru/Gott durch WAHEGURU NAAM Rezitation/Meditation, durch das Lesen, Rezitieren, Beten und Singen der GURBANI, dem Heiligen Wort Gottes/Gurus und NISHKAM SEVA, dem selbstlosen Dienen.

Für mehr Informationen über das Gur Mantar Waheguru - Waheguru Naam Meditation können Sie hier beim DISR unter Gur Mantar Waheguru nachlesen.

(Auszug von: www.sikh-religion.de)

Maya - temporäre Scheinwelt

Maya wird als eine temporäre Illusion, Scheinwelt und Unwirklichkeit definiert. Sie ist eine der grundlegendsten Ablenkungen bei dem Vorhaben Gott zu erreichen. Dort, wo weltliche Anziehung und Verhaftung dem Menschen temporäre Befriedigung von Freude und temporäres Leid geben, wird der Suchende im Prozess der Hingabe zu Gott aufgehalten. Satguru Nanak Dev betont, dass die Maya nicht als eine Referenz zur Unwirklichkeit der Welt anzusehen sei, sondern aufgrund ihrer Qualitäten, Eigenschaften und Einflüsse, die sie repräsentiert. Sobald der Mensch von Gott, vom Namen Gottes getrennt ist, können die starken Einflüsse der Maya, die Individual Seele noch stärker an die Scheinwelt der Illusionen binden und durch sie operieren. Folgedessen, akkumuliert die Individual Seele neues Karma und der Kreislauf von Geburt und Tod (Reinkarnation) kann nicht durchbrochen werden. Akaal Purakh/Waheguru hat die fünf Elemente - Panch Tattva kreiert. Im Siri Guru Granth Sahib auf Ang 1031 werden sie als:
Ap (Wasser), Tej (Feuer), Vaaye (Luft) Pirthmi (Erde) und Akash (Äther) bezeichnet.
Gott hat die Maya, die Scheinwelt und Illusionen erschaffen, aus ihr gehen die 3 Qualitäten (Gunas): Tamas, Rajas und Sattwa hervor. Sie wirken als materielle Natur durch den gesamten Schöpfungsmechanismus hindurch. Die Eigenschaften der Maya und die fünf Diebe (siehe Panj Chor) binden und überschatten jeden Menschen.

ਰਜ ਗੁਣ ਤਮ ਗੁਣ ਸਤ ਗੁਣ ਕਹੀਐ ਇਹ ਤੇਰੀ ਸਭ ਮਾਇਆ ॥ ਚਉਥੇ ਪਦ ਕਉ ਜੋ ਨਰੁ ਚੀਨ੍ਹ੍ਹੈ ਤਿਨ੍ਹ੍ਹ ਹੀ ਪਰਮ ਪਦੁ ਪਾਇਆ ॥੨॥:
Raj gun tam gun sat gun kaheeai ih teri sabh maya. Chauthe pad kau jo nar cheenai tin hee param pad paaiaa ||2||

Rajas, die Qualität von Energie und Aktivität, Tamas, die Qualität von Dunkelheit und Trägheit und Satva, die Qualität von Reinheit und Licht, werden alle als die Kreation der Maya beschrieben, Deine Illusion. Die Person, die den vierten Bewusstseinszustand verwirklicht - sie allein erlangt den höchsten Zustand.

Raajas, the quality of energy and activity; Taamas, the quality of darkness and inertia; and Satva, the quality of purity and light, are all called the creations of Maya, Your illusion. That man who realizes the fourth state - he alone obtains the supreme state. (SGGS, Ang 1123)

Gott selbst hat die Maya, die materielle Natur und das Spiel der Kräfte erschaffen. Im folgenden werden die Qualitäten von Gott, der absoluten ewig-existierenden Realität und der Maya, dem relativen, vergänglichen Bereich der Schöpfung gegenüber gestellt.

Maya Gott - Akaal Purakh Waheguru
Asat = ist nicht wahr Sat = Gott ist wahr
Jarh = tote Entität, vergänglich, nicht beständig Chit = Gott ist ewig existent
Dukh = Leid, Sorgen, Schmerz Anand = Gott ist ewige Glückseligkeit (Bliss), Freude, unbegrenzte Liebe, Stille und Frieden

Die vier Schichten der Persönlichkeit (Antischkarm), die Akaal Purakh/Waheguru (Gott) verdecken, sind:

Man Geist
Budh Intellekt, Wissen, Unterscheidungskraft,
Chit Speicher von Erfahrungen, Zweifel, Probleme,
Ahankar/Haumai Ego - Ich

Wenn diese vier Ebenen der individuellen Persönlichkeit transzendiert werden, ist der Zustand von Brahm Gyan und von Sehaj Avasta erreicht.

Fünf Diebe (Pānj Chor)

Im Sikh Glauben sind die Einflüsse von Lust, Zorn, Gier, emotionale/materielle Anhaftung und Ego als die Fünf Diebe (Pānj Chor) bekannt, von denen man weiss, daß sie den Weg zu Gott erschweren. Sikhs glauben, daß sich die Welt im Zyklus des Kali Yuga befindet. Das Kali Yuga ist das Zeitalter der Dunkelheit und Ignoranz, wo die Welt und das menschliche Bewusstsein durch die Liebe zur Dualität, Bindung und Anhaftung an die Maya, die Einheit mit Gott verhindert.

  • Kaam       Lust
  • Krodh      Wut/Zorn
  • Lobh        Gier
  • Moh         Emotionale/materielle Anhaftung
  • Ahankar/Haumai  Ego (auch als Haumai bekannt)

Fünf Tugenden

Die Fünf Tugenden werden durch die Verankerung im Namen Gottes Waheguru, durch Liebe und Hingabe zu Gott, dem sich stetigen Verbinden mit der Gurbani, Seva und aufrichtigem Bemühen, im menschlichen Bewusstsein belebt und enfalten sich schrittweise. Somit ist der Lebensweg der Sikhi einzigartig.




  • Sat          Wahrhaftigkeit
  • Daya       Mitgefühl
  • Santokh Zufriedenheit
  • Nimrata  Demut, Wohlwollen, Bescheidenheit
  • Pyar        Liebe zu Gott und seiner Schöpfung
Überwindung der Maya

Das Schicksal der Menschen, die den Fünf Dieben (Panj Chor), den Eigenschaften der Maya ständig ausgeliefert sind, resultiert in der Trennung zu Gott, was zu Dualität, Verlust von Seelenfrieden, Liebe, Mitgefühl, Respekt und Rechtschaffenheit führt. Handlungen, die sich gegen das göttliche Naturgesetz richten, häufen auf individueller, als auch kollektiver Ebene neues Karma an. Um den schwer zu kontrollierenden Geist zu bändigen, ihn von den Millionen von Eindrücken der Lebenszyklen zu reinigen, ihn von der Anhaftung an die Maya zu befreien, wird dem Aspiranten in der Sikh Religion der Eine Name Gottes, das Gur Mantar Waheguru als Medizin verschrieben.

Naam ist die alles heilende Medizin und Naam ist der Akt der Wiedergutmachung. Der Name des Herrn, Gott, ist die Unterstützung der Seele und der Atem des Lebens.
Naam is the all-curing medicine and Naam is the act of atonement. The Name of the Lord, God, is the Support of the soul and the breath of life.
(SGGS, Raag Gauri, Ang 184)

ਹਰਿ ਕਾ ਨਾਮੁ ਅੰਮ੍ਰਿਤੁ ਹੈ ਦਾਰੂ ਏਹੁ ਲਾਏਹੁ ॥
Har kaa naaam amrit hai daaroo eh laaehu.
Der Name des Herrn ist Amrit - Nimm diese heilende Medizin.
The Name of the Lord is Amrit - Take this healing medicine.
(SGGS, Ang 554)
ਹਰਿ ਕਾ ਨਾਮੁ ਅੰਮ੍ਰਿਤ ਜਲੁ ਨਿਰਮਲੁ ਇਹੁ ਅਉਖਧੁ ਜਗਿ ਸਾਰਾ
Hari kaa naam amrit jal niramal ihu aoukhadh jagi saaraa.
Der Amrit Name des Herrn, das makellose, unbefleckte Wasser des Gottes Namen, ist die beste Medizin in der Welt.
Amrit-Naam of the Lord, Immaculate Water of the Lord's Name, is the best medicine in the world.
(ਇਸ ਸਰੀਰਕ ਮੋਹ ਨੂੰ ਮਿਟਾਣ ਦਾ)
(SGGS, Ang 659)

Mit der liebevollen und aufmerksamen Rezitation des Gur Mantar Waheguru, beginnt der Geist eine Verbindung zur universellen Schöpfungsquelle aufzubauen. Der Geist beginnt sich zu reinigen, sich nach Gott zu sehnen. Er nimmt die Existenz und die Qualitäten des Schöpfers immer mehr im eigenen Bewusstsein auf. Die Liebe zum Schöpfer nimmt dabei stetig zu und der Transformationsprozess der Individual Seele nimmt ihren Verlauf. Der Geist hat die Aufgabe von Waheguru, die Dualität zu transzendieren und die alles zugrunde liegende Einheit in allem wahrzunehmen.

System der Sikh Gurus

Ein Leben in Hingabe an Waheguru Gott - zu leben, eine optimistische Grundeinstellung Chardi Kala zu bewahren, den Willen Gottes, sein Hukam zu akzeptieren, sich stets an Gott zu erinnern, in Form von Naam Japo/Naam Simran. Shabad Kirtan zu singen, die Ausübung der täglichen Nitnem Banis (Sikh Gebete) und das selbstlose Dienen Seva in der Gemeinde als auch in der globalen Gesellschaft, werden dem Sikh die Kraft geben, die Einflüsse der Maya, die Fünf Feinde und die vier Ebenen der Persönlichkeit zu transformieren und sie mit der Gnade Gottes eines Tages vollständig zu transzendieren, um die Einheit mit dem allmächtigen Schöpfergott zu realisieren. Die Sikh Gurus betonen stets die Wichtigkeit des Saadh Sangat. Die Transformation der Individual Seele findet in der Heiligen Versammlung, im Gottesdienst der Sikhs, im Saadh Sangat statt. Die Sikhs glauben, daß die Gemeinschaft des Saadh Sangat,  ein wichtiger Schlüssel ist, um die Einflüsse der Maya und die fünf Diebe, zu dem auch das Ego gehört, zu reduzieren, zu transformieren. Die Sikhs verbinden sich im Saadh Sangat direkt mit der Gurbani, mit Guru und Gott. Hier wird das Wort, der Name und die Existenz des Schöpfers Waheguru gelobpreist, meditiert und besungen.

Siri Guru Granth Sahib - Gurbani sagt uns:

Join the Saadh Sangat, the company of the holy; vibrate and meditate on the jewel of the Naam.
Schließe Dich der Saadh Sangat an, die Gesellschaft der Heiligen; vibriere und meditiere über den Juwelen des Namen.
Without the Saadh Sangat, the company of the holy, he will not be satisfied. Without the Name, all suffer in sorrow.
Ohne die Saadh Sangat, die Gesellschaft der Heiligen, wird er (der Mensch, sein Geist) nicht zufriedengestellt sein. Ohne den Namen erleiden alle Kummer und Sorgen.
O my dear Lord of souls, one who joins the Saadh Sangat, the true congregation, is saved.
Oh mein lieber Herr der Seelen, derjenige, der sich der Saadh Sangat anschließt, der wahren Gesellschaft ist gerettet.
In the Saadh Sangat, the company of the holy, you shall become absolutely pure, and the noose of death shall be cut away.
Im Saadh Sangat, die Gesellschaft der Heiligen, wirst du vollkommen rein werden und die Schlinge des Todes wird weggeschnitten werden.
Joining the Saadh Sangat, the Company of the Holy, I have found peace and tranquility; I shall not wander away from there again.
Seit ich mich der Gesellschaft der Heiligen angeschlossen habe, habe ich Frieden und Ruhe gefunden. Ich werde mich von dort nicht wieder entfernen.

Satguru Nanak Dev lehrt:

The true Guru is found in the Saadh Sangat, the true congregation. Day and night, praise the word of his Shabad. Der wahre Guru ist in der Saadh Sangat zu finden, der wahren Versammlung. Tag und Nacht lobe das Wort Seines Shabad.

Satguru Nanak Dev's Ideal ist das Öffnen seiner Selbst zum göttlichen Namen und die Anpassung an das Dharam, der Rechtschaffenheit. Dies ist die Göttliche Anweisung (Hukam). Satguru Nanak Dev beschrieb das Ergebnis der disziplinierten Anwendung von Naam Simran als ein

Wachsen in Richtung Gott

Die letzte Ebene ist Sach Khand, das Reich der absoluten Wahrheit und Ewigkeit, die höchste göttliche Ebene, die endgültige Vereinigung mit Gott - die Wohnstätte Gottes.

Die vier Lebensquellen der Schöpfung - Char Khani:
  • 1. Andaj: Leben geboren aus dem Ei.
  • 2. Jeraj: Leben geboren aus dem Mutterleib, Placenta, Geburtskanal.
  • 3. Setaj: Leben geboren aus (körperlichen) Absonderungen wie Schweiss, Hitze (Mikroben, Bakterien.)
  • 4. Utbhaj: Leben geboren von der Erde, Vegetation, Pflanzen etc.
ਅੰਡਜ ਜੇਰਜ ਉਤਭੁਜ ਸੇਤਜ ਤੇਰੇ ਕੀਤੇ ਜੰਤਾ ॥
The beings born of eggs, born of the womb, born of the earth and born of sweat, all are created by You.
Die Geschöpfe geboren aus Eiern, geboren vom Mutterleib, geboren aus der Erde, geboren vom Schweiß, sind alle von Dir erschaffen. (SGGS, Ang 596)
ਅੰਡਜ ਜੇਰਜ ਸੇਤਜ ਉਤਭੁਜ ਸਭਿ ਵਰਨ ਰੂਪ ਜੀਅ ਜੰਤ ਉਪਈਆ ॥
Life is born from the egg, from the womb, from sweat and from the earth; God created the beings and creatures of all colors and forms.
Leben ist geboren aus dem Ei, vom Mutterleib, aus Schweiß und von der Erde; Gott kreiierte die Geschöpfe und Wesen in allen Farben und Formen. (SGGS, Ang 835)
ਅੰਡਜ ਜੇਰਜ ਸੇਤਜ ਉਤਭੁਜ ਘਟਿ ਘਟਿ ਜੋਤਿ ਸਮਾਣੀ ॥
His Light fills all those born of eggs, born from the womb, born of sweat and born of the earth, each and every heart.
Sein Licht erfüllt jedes Herz von denen, die aus Eiern geboren sind, vom Mutterleib, aus dem Schweiß und von der Erde. (SGGS, Ang 1110)
ਅੰਡ ਬਿਨਾਸੀ ਜੇਰ ਬਿਨਾਸੀ ਉਤਭੁਜ ਸੇਤ ਬਿਨਾਧਾ ॥
Those born of eggs shall pass away, and those born of the womb shall pass away. Those born of the earth and sweat shall pass away as well.
Jene von Eiern geboren werden vergehen, jene die aus dem Mutterleib kommen, werden vergehen, jene die von der Erde und aus dem Schweiß kamen, werden vergehen. (SGGS, Ang 1206)
ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਜਿਨਿ ਸਿਰੀ ਸਭਸੈ ਦੇਇ ਅਧਾਰੁ ॥
The One who created the 8.4 million species of beings gives sustenance to all.
Der Schöpfer, der die 8.4 Millionen Arten von Geschöpfen erschuf, unterstützt und erhält sie alle. (SGGS Ang, 27)
ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਤਰਸਦੇ ਜਿਸੁ ਮੇਲੇ ਸੋ ਮਿਲੈ ਹਰਿ ਆਇ ॥
The 8.4 million species of beings all yearn for the Lord. Those whom He unites, come to be united with the Lord.
Die 8.4 Millionen Arten von Wesen sehnen sich alle nach dem Herrn. Diejenigen, die Er vereint, werden mit dem Schöpferherrn vereinigt. (SGGS, Ang 29)
ਸਚ ਖੰਡਿ ਵਸੈ ਨਿਰੰਕਾਰ ॥ ਕਰਿ ਕਰਿ ਵੇਖੈ ਨਦਰਿ ਨਿਹਾਲ ॥ In the realm of Truth, the Formless Lord abides. Having created the creation, He watches over it. By His Glance of Grace, He bestows happiness.
Im Reich der Wahrheit, befindet sich der formlose Schöpfer. Nachdem er die Schöpfung erschuf, wacht er über sie. Durch seinen barmherzigen Blick der Gnade, verleiht er das Geschenk von Freude und Glück. (SGGS, Ang 8)

Karma ਕਰਮ

Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Welche Taten und Handlungen ein Mensch auch immer vollzieht haben einen Effekt, eine Auswirkung. Das Konzept des Karmas wird von Religionen des Buddhismus, Hinduismus, Jainismus und dem Sikhismus geteilt. In der differenzierten Analyse gibt es bei den erwähnten Religionen in der Auslegung des Karmas Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

ਜੇਵੇਹੇ ਕਰਮ ਕਮਾਵਦਾ ਤੇਵੇਹੇ ਫਲਤੇ ॥
Jevehe karma kamaavadaa tevehe phalate
Man erhält die Früchte gemäss der Taten, die man tut.
One obtains fruits according to the deeds which he does.
(SGGS, Ang 317)
Der Körper ist das Feld von Karma in diesem Zeitalter, was auch immer Du säst, wirst Du ernten.
The body is the field of karma in this age, whatever you plant, you shall harvest.
(SGGS, Ang 78)
ਦੁਖੁ ਸੁਖੁ ਦੀਆ ਜੇਹਾ ਕੀਆ ਸੋ ਨਿਬਹੈ ਜੀਅ ਨਾਲੇ
Dukh sukh deeaa jehaa keeaa so nibahai jeea naale
Gott verleiht Schmerz und Freude, gemäss der Taten, die das Individuum vollzogen hat. Die Aufzeichnung all´ dieser Handlungen und Taten bleiben bei der Seele.
God bestows pain and pleasure, according to the deeds done; the record of these actions stays with the Soul.
(SGGS, Ang 581)

Im Sikh Glauben werden drei Formen von Karma beschrieben:

  • Sanchit: Karma, dass wir über viele Leben angesammelt haben.
  • Paralabdh: Karma, dass wir in dieses Leben mitbringen.
  • Kiriaman: Das gegenwärtige Karma, welches aus den neuen Handlungen entsteht.

Im Sikhismus wird das Karma durch das Konzept von Gottes Gnade Nadar, Mehar, Kirpa, Karam etc. verändert:

Nadar ਨਦਰਿ bedeutet übersetzt, in Seinem - Gottes barmherzigen Blick zu sein.  Das Wort Nadar stammt vom arabischen Wort Nazar ab und bedeutet "Blick/Gunst". Das Fundament von Nadar ist, das der allmächtige, barmherzige Schöpfergott seine Schöpfungen jederzeit beeinflussen und ändern kann, und somit auch das Karma des Individuum, wenn dies Sein Wille ist. Die Sikh Gurus akzeptierten die Lehre vom Karma nicht als ein unveränderliches Gesetz, sondern als ein System der Natur, das dem Hukam - dem Willen Gottes und Nadar, der göttliche Gnade unterworfen ist. Satguru Nanak Dev fügte diese zwei Komponenten zum Konzept der Karma Lehre hinzu. Das regulierende göttliche Gesetz von Ursache und Wirkung - Karma, kann demzufolge "nur" durch die Gnade Gottes (Nadar) "abgemildert oder ausser Kraft gesetzt" werden, wenn dies Sein Wille ist. Gurbani lehrt, dass der Mensch sein Karma, in vielen Lebenszyklen selbst erschuf und das dieses Karma abgearbeitet und ausgeglichen werden muss und dass Gott dem Menschen die Kraft dazu geben wird, es durchzustehen. Dem Konzept von Nadar liegt zugrunde, dass Akaal Purakh/Waheguru auf die tiefen und aufrichtigen Gebete seiner Menschenkinder reagiert, die ihn um seine Gnade und um Vergebung bitten. In den heiligen Hymnen des Siri Guru Granth Sahib betonen die Sikh Gurus, wie unentbehrlich Gottes Gnade in der spirituellen Suche ist und diese in Hingabe, Liebe, Meditation und Kontemplation ständig vom Aspiranten erbeten wird.

Die folgenden Begriffe, die das Konzept von Nadar (Gottes Gnade) ausdrücken sind:

  • Mehar - Liebe, Gunst, Gnade
  • Kirpa - Segen, Gnade, Zärtlichkeit (Kirpa Katakh - Blick oder Gnadengabe)
  • Karam - Gunst und Gnade
  • Bakhshish - Segen, Gabe, Geschenk, Bewilligung seiner Gnade

Satguru Nanak Dev lehrt:

Der Körper wird aufgrund von Karma geboren, aber Erlösung wird nur durch die Gnade Gottes erreicht. (SGGS, Ang 2)
ਗੁਰ ਕਾ ਸਬਦੁ ਕਾਟੈ ਕੋਟਿ ਕਰਮ ॥੩॥੧॥: Gur ka Shabad kaatai koti karam
Guru´s Shabad vernichtet Millionen von (vergangenem schlechten) Karma.
The Guru's Shabad eradicates millions of (past bad) Karma ||3||1||
(SGGS, Ang 1195)
Die vielen religiösen Rituale, gute Taten des Karmas und die dharmische Anbetung - über alledem steht Naam, der Name des Herrn.
The many religious rituals, good deeds of karma and dharmic worship - above all of these is the Naam, the Name of the Lord.
(SGGS, Ang 405)
Auf dem Gebiet der Handlungen und Karma pflanze den Namen des Herrn, diese Gelegenheit ist so schwer zu erlangen.
In the field of actions and karma, plant the Lord's Name, this opportunity is so difficult to obtain.
(SGGS, Ang 812)

Auf Gottes Namen meditieren, sich mit der Gurbani verbinden, beten, lesen, rezitieren, Seva praktizieren, gute und noble Handlungen vollziehen, baut positives Karma auf und vernichtet das negativ angesammelte Karma.

Reinkarnation und die Fünf Reiche - Panj Khand

Im Sri Japji Sahib, welches von Satguru Nanak Dev offenbart wurde, werden fünf Reiche (Ebenen) aufgeführt, die die Individual Seele in Ihrer Evolution durchläuft, um sich aus dem Rad der Reinkarnation, aus dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt herauszulösen. Die Vereinigung mit der allmächtigen Schöpfungsquelle, die Ursprung allen Seins ist, wird im Siri Guru Granth Sahib als auch in den Sikh Gebeten sehr ausführlich beschrieben. Die fünf Reiche - Panj Khand sind:

  • Dharam: Das Reich der Rechtschaffenheit als grundlegendes spirituelles Gesetz. Für die eigenen Taten die Verantwortung zu übernehmen, sich für Rechtschaffenheit, Wahrheit und aufrichtiges Handeln einzusetzen, sowie ein moral-ethisch, auf Gott ausgerichtetes Leben zu führen.
  • Gyan Khand : Das Reich des göttlichen Wissens - das Wissen über Gott, Seine Schöpfung und Naturgesetze zu erlangen.
  • Saram Khand: Das Reich der Demut und des sich Bemühens - Reinigung des Geistes durch spirituelles Bemühen.
  • Karam Khand : Das Reich der göttlichen Gnade - Selbstlosigkeit führt zu Göttlicher Gnade und Stärke des Geistes.
  • Sach Khand: Das Reich der absoluten Wahrhaftigkeit und Ewigkeit - die höchste göttliche Ebene, die Wohnstätte Gottes.

Khand, bedeutet Reich, Ort. Es gibt fünf Reiche: Dharam, Gyan, Saram, Karam und Sach. Sie verweisen auf die Ethik von der Wurzel bis hin zum Thron des Allmächtigen.

ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਭ੍ਰਮਤਿਆ ਦੁਲਭ ਜਨਮੁ ਪਾਇਓਇ ॥
Through 8.4 million incarnations you have wandered, to obtain this rare and precious human life.
Durch 8,4 Millionen Inkarnationen bist du gewandert, um dieses seltene und wertvolle menschliche Leben zu erhalten. (SGGS, Ang 50)
ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਫੇਰੁ ਪਇਆ ਬਿਨੁ ਸਬਦੈ ਮੁਕਤਿ ਨ ਪਾਏ ॥
They wander around the cycle of 8.4 million reincarnations; without the Shabad, they do not attain liberation.
Sie wandern durch den Zyklus von 8,4 Millionen Reinkarnationen; ohne den Shabad erreichen sie keine Befreiung. (SGGS, Ang 67)
Die vier Padarath

Im Sikh Glauben gibt es die vier Padarath ਚਾਰਿ ਪਦਾਰਥੁ: Padarath kann als Schatz, Reichtum und Segen übersetzt werden.

Auf der spirituellen Reise der Individual Seele, durchläuft diese verschiedene Stadien, um die Vereinigung mit dem allmächtigen Schöpfer zu realisieren. Diese vier Schätze, die Char Padarath ( ਚਾਰਿ ਪਦਾਰਥੁ) sind:

  • Janam Padarath (ਜਨਮੁ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz der spirituellen Geburt/Leben
    (Treasure of Spiritual Birth/Life)
  • Gyaan Padarath (ਗਿਆਨੁ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz des spirituellen Wissens
    (Teasure of Spiritual Knowledge)
  • Naam Padarath (ਨਾਮੁ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz des göttlichen Wissens
    (Treasure of Divine Wisdom - supreme command)
  • Mukt Padarath (ਮੁਕਤਿ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz der Erlösung/Befreiung
    (Treasure of Salvation)
Die vier Purusharthas

Im Siri Guru Granth Sahib werden die vier Purusharthas u.a. auf Ang 816, Ang 927, Ang 1201 wie folgt erwähnt:

SGGS, Ang 816

ਧਰਮ ਅਰਥ ਅਰੁ ਕਾਮ ਮੋਖ ਦੇਤੇ ਨਹੀ ਬਾਰ ॥੨॥
Ḏẖaram arath ar kām mokẖ ḏeṯe nahī bār. ||2||
Er zögert nicht, mich mit rechtschaffenen Glauben, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung zu segnen.
He does not hesitate to bless me with Dharmic faith, wealth, fulfillment of desire and liberation. ||2||
SGGS, Ang 927

ਧਰਮ ਅਰਥ ਅਰੁ ਕਾਮ ਮੋਖ ਮੁਕਤਿ ਪਦਾਰਥ ਨਾਥ ॥
Ḏẖaram arath ar kām mokẖ mukaṯ paḏārath nāth.
Rechtschaffener Glaube, Wohlstand, Wunscherfüllung und Erlösung; der Herr schenkt diese vier Segnungen. Righteous faith, wealth, fulfillment of desire and salvation; the Lord bestows these four blessings.
  • Dharam: Rechtschaffenheit - righteousness
  • Arth:       Wohlstand - prosperity/wealth
  • Kam:      Erfüllung der Wünsche
                   fulfillment of desire
  • Mokh:     Befreiung - liberation
Ethik im Sikh Glauben

Die Notwendigkeit den Geist zu kontrollieren und die fünf Diebe, zu dem auch das Ego gehört, zu unterwerfen, werden immer wieder in der Sikh Religion gelehrt. Alle Tugenden, wie Wahrheit - SAT, Zufriedenheit - SANTOKH, Liebe - PREM, Mitgefühl - DAYA, Selbstloser Dienst - SEVA, Wohltätigkeit - DHANA, Vergebung - KSANA, Demut - NIMRATA, Geduld - DHEERJH, Nicht-Anverhaftung - VAIRAGYA und Keuschheit/Enthaltsamkeit - TAIGA, bilden die ethischen Grundlagen im Sikh Glauben. In unserer heutigen Zeit, sind diese grundlegenden Werte und die Botschaft von universeller Brüderlichkeit und Menschlichkeit, die Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus lehrten, mehr denn je gefragt. Diese Werte sind für einen positiven individuellen als auch globalen Wandel in unserer gemeinsamen Welt notwendig.

Gurbani und Shabad Kirtan

Sikhs verweisen auf die Heiligen Hymnen der Sikh Gurus und Bhagats in Form der Gurbani (dem Wort Gottes/Gurus), welches Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus in Ihrem göttlich verankerten Bewusstsein von Akaal Purakh Waheguru empfangen und der Menschheit offenbart haben. Shabad Kirtan ist das Singen und Musizieren dieser Heiligen Hymnen. Die gesamten Verse des Siri Guru Granth Sahib sind in einer Form von Poesie und Reim verfasst, um in 31 Haupt Raags, 31 Mishrat Raags und in 17 Taala rezitiert zu werden. Satguru Nanak Dev begann die Shabad Kirtan Tradition. Die Sikh Gurus betonten die Wichtigkeit Shabad Kirtan zu praktizieren. Ebenso ist das Hören von Shabad Kirtan ein kraftvoller Weg, um innere Ruhe und eine meditative Haltung zu erreichen. Den Einen universellen Schöpfergott mit Hingabe zu besingen, zu lobpreisen, die Gurbani, das heilige Wort Gottes/Gurus zu rezitieren, ist ein effektiver Weg, um in Einklang mit Akaal Purakh/Waheguru - mit der Quelle allen Seins zu gelangen. Lesen Sie hier mehr über Shabad Kirtan.

Meditation und Kontemplation sind fruchtlos ohne
Dienst und Taten

Die Sikhs haben gelernt, daß neben der Meditation, selbstloser Dienst Nishkam Seva und wohltätige Arbeit  den Gläubigen dazu befähigen, die bindenden Einflüsse der Maya, die Scheinwelt und ihre Illusionen zu reduzieren. Im selbstlosen Dienen ohne weltliche Gegenleistung, opfert der Sikh dem Schöpfer die fünf Diebe (Kaam, Krodh, Lobh, Moh und Ahankar). Während Seva ausgeübt wird, unterwirft sich das Ego (Ahankar) vor der Allmacht und Liebe Gottes. Das Seva System lernt dem Sikh demütig zu werden und seine Ich-Bezogenheit (Ego) zurückzunehmen. Gott, Seiner Schöpfung, der Gemeinde sowie der globalen Weltfamilie zu dienen, ist ein Privileg. Seva zu praktizieren, segnet den Sikh mit einem Zustand innerer Freude, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit.

Im Sikh Glauben gibt es drei Formen von Dienst:

  • Tan - physischer Dienst
  • Man - mentaler Dienst
  • Dhan - materieller Dienst

Der Sinn des Lebens

Gemäß Satguru Nanak Dev ist der höchste Sinn des menschlichen Lebens, sich mit Gott - Akaal Purakh/Waheguru zu vereinigen.

Dieser menschliche Körper wurde dir gegeben. Dies ist deine Chance, Gott den Herrn des Universums zu begegnen. Nichts anderes wird funktionieren. Tritt der Saadh Sangat, der Gemeinschaft der Heiligen bei und meditiere auf den Juwelen des Namen (Waheguru).

This human body has been given to you. This is your chance to meet the Lord of the Universe. Nothing else will work. Join the Saadh Sangat, the company of the Holy, vibrate and meditate on the Jewel of the Naam (Waheguru)
(SGGS, Ang 12).

Die bindenden und überschattenden Eigenschaften der Maya und die fünf Feinde, sind die größte Hürde, um die Vereinigung mit Gott zu realisieren. Durch Praktizieren der Gurmat Lehre sich stets an Naam zu erinnern, die Realität, Existenz und Allmacht des Schöpfers in sich zu vergegenwärtigen, auf Waheguru zu meditieren, Gottes Schöpfung selbstlos zu dienen, erreicht der Gläubige einen reinen Geist, Stärke, Festigkeit und Zufriedenheit. In diesem Evolutionsprozess der Individual Seele, wird die Maya und die fünf Diebe schrittweise transzendiert, um die Einheit mit dem wundervollen Schöpfergott eines Tages, mit Seiner Gnade zu realisieren.

Satguru Nanak Dev bezeichnete das Wort Guru als die Stimme der Seele - die Quelle der Weisheit und die Führung zur Vereinigung mit Gott. So wie Ik Oankar universal immanent ist, sind Guru und Akaal Purakh eine Entität - Ik roop hai. Man verbindet sich mit Guru/Gott nur durch ständige selbstlose Suche und Liebe nach der Wahrheit.

Schließlich realisiert der Suchende, daß es das eigene innere Bewußtsein ist, welches den Ursprung in Gott hat. Der menschliche Körper ist nur ein Mittel, um die Vereinigung mit der Wahrhaftigkeit (Gott) zu realisieren. Sobald die Wahrheit (Gott) im Bewußtsein einer Person zu erstrahlen beginnt, sich der Geist vollständig in Gott ergeben hat, die Maya überwunden ist, offenbart sich die Essenz, die Schönheit und Herrlichkeit Gottes im eigenen Bewußtsein. Der Schleier, die Illusion von Dualität existiert nicht mehr.

Gurudwara, das Gebetshaus der Sikhs

Das Gebetshaus der Sikhs wird in Gurmukhi als Guru-duara bezeichnet. Der Gurudwara oder Gurdwara ausgesprochen, ist der Toreingang zu Guru/zu Gott. Die Gurudwaras weltweit dienen als Gebets- und Gemeindezentren der Sikhs. Die höchste spirituelle Sikh Autorität, der Siri Guru Granth Sahib, ist in jedem Gurudwara installiert. Im Gebetshaus der Sikhs werden aus dem Ewig-lebenden Guru der Sikhs, die Heiligen Hymnen, Verse und Gebete vorgetragen, gemeinsam gesungen, gebeten, musiziert, gelernt und gegessen. Der Granthi, der zeremonielle Vorleser und Hüter des Siri Guru Granth Sahib in einem Gurudwara, kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf während des Gottesdienstes und ist verantwortlich für die tägliche Durchführung der Sikh Gebete. Gurudwaras sind für alle Menschen offen, ungeachtet der Herkunft, Status, Geschlecht oder Religionszugehörigkeit. Hier wird das Guru ka Langar, das freie Gemeinschaftsessen an alle verteilt, die daran teilnehmen möchten. Die zwei Merkmale eines Gurudwaras sind Pangat und Sangat. Sangat stellt die Sikh Gemeinde dar und Pangat die öffentliche Gemeinschaftsküche. Das Guru ka Langar symbolisiert das Aufheben sozialer, religiöser und politischer Unterschiede. Das Guru ka Langar demonstriert die universelle Brüderlichkeit und Verbundenheit unter den Menschen. Sie alle sind die Schöpfungen und Manifestationen des Einen transzendentalen Schöpfergottes, der Vater und Mutter zugleich ist. Das Essen in einem Gurudwara ist rein vegetarisch und besteht aus Reis, Dal (Linsengericht), Gemüse, Roti (Fladenbrot) und Joghurt.

Vor dem Betreten des Gurudwaras waschen sich die Besucher die Hände (optional die Füsse) und bedecken sich den Kopf mit einem Tuch oder Dastar (Turban). Zigaretten und andere Intoxikationen dürfen nicht mit in den Gurudwara gebracht werden. Unter Gurudwara Protokoll können Sie weitere Verhaltensregeln und den Ablauf eines Gottesdienstes in der Sikh Gemeinde nachlesen. In der Sikhi gibt es kein offizielles Priesteramt. Der Granthi  ist der zeremonielle Vorleser, Hüter und Beschützer des Siri Guru Granth Sahib in den Gurudwaras. Jeder Sikh, der den Siri Guru Granth Sahib lesen kann, hat die Möglichkeit den Gottesdienst zu leiten.

Abschließend

Als Satguru Nanak Dev in die Welt hinausging, um die Botschaft und den Namen Gottes im Kali Yuga, dem dunklen Zeitalter zu verbreiten, wurde Guru Nanak Dev als Satguru, die Manifestation der göttlichen Wahrhaftigkeit auf Erden, bezeichnet. Satguru ist ohne Dualität und Eins mit Gott. Er selbst, wie alle Sikh Gurus, haben sich als Diener Gottes und der Menschheit angesehen. Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus haben ihre Einheit mit Gott im Siri Guru Granth Sahib mehrfach erwähnt. Der Ursprung des Sikh Glaubens liegt ausschliesslich in den Lehren von Satguru Nanak Dev und den Sikh Gurus. Satguru Nanak Dev lehnte bereits in jungen Jahren das Konzept des Hinduismus ab. Auch folgte er nicht der islamischen Religion. Orientalisten, Brahmanisten und westliche Gelehrte schreiben u.a., dass die Sikh Religion von der Bhakti Bewegung/Santtradition des Hinduismus abstammt oder eine Synthese aus Hinduismus und Islam sei, beides ist aus Sicht der Sikh Gurus und den Grundlagen der Sikhi nicht zutreffend und verfehlt die Darstellung des Sikhismus. In diesen Analysen und Beschreibungen (aus verschiedenen politisch-religiösen motivierten Gründen) wurden nur wenige unabhängige Sikh Gelehrte (Gyanis), Sikh Historiker und Wissenschaftler mit einbezogen, ebenso wurden die 300-450 Jahren alten Taksals und Sampardais, die die originalen Grundlagen des Sikh Glaubens seit Zeiten der Sikh Gurus bewahrt haben, nicht mit berücksichtigt. Der Sikh Glaube ist keine Synthese aus Hinduismus und Islam, noch ist er eine Untergruppierung einer anderen Religion. Auf sozio-kultureller als auch historisch-religiöser Ebene ist die Sikhi distinkt und vollständig in sich eigenständig, basierend auf den Lehren von Satguru Nanak Dev und den Sikh Gurus. Der Sikh Glaube teilt zwar Konzepte wie Karma, Reinkarnation und den Monotheismus mit anderen Welt Religionen, aber auch hier gibt es in der detaillierten Analyse diffizile Unterschiede.

Sikhs besitzen mit dem Siri Guru Granth Sahib ihre eigene göttlich offenbarte Heilige Schrift. Der Siri Guru Granth Sahib ist die Offenbarung und Manifestation der Gurbani, dem direkten Wort Gottes/Gurus. Der Reine Shabad Guru wird als der Ewig-lebende Guru der Sikhs verehrt. Alle Sikh Gebete und Sikh Zeremonien, wie die Namensgebung, Heirat, Tod, die Gründung des Khalsa Panth (Akal Fauj), die Amrit Taufe (Khande di Pahul), die 5 Glaubenssymbole (5K´s), das Konzept von Miri-Piri und dem Sant-Sipahi, das Gründen eines eigenen Alphabets - Gurmukhi, einer eigenen Schrift & Sprache, die Offenbarung des Gottesnamen Waheguru durch Satguru Nanak Dev, die Meditation mit dem Gur Mantar Waheguru, die Meditation mit dem Mool Mantar, das Singen von Shabad Kirtan sind zu Lebzeiten der Sikh Gurus offenbart, verfasst, gelehrt und etabliert worden.