1914 - Das Komagata Maru Massaker

Aus einer Volkszählung des Jahres 1900 geht hervor, dass es 2050 Menschen indischer Herkunft in Nordamerika gab. Der Großteil dieser Menschen waren Punjabis, die sich mit der Hoffnung Arbeit zu finden, in Kanada niedergelassen hatten, um ihre finanzielle Situation zu verbessern. Die Kanadier wollten, dass die braune Invasion aufhörte. Sie waren besorgt, dass die wachsende Anzahl der Inder Ihre Arbeitsplätze in den Fabriken, Mühlen und Holzfällereien wegnehmen würden. Eben diese Unsicherheiten führten dazu, dass British Kolumbien ein striktes Gesetz erließ, welches den Indern eine Immigration nach Kanada erschweren sollte. Ein Inder musste mindestens 200 Dollar bei sich haben, um einreisen zu dürfen und er musste auf direktem Wege von Indien eingereist sein. Dies waren sehr unangemessene Gesetze, da ein Inder durchschnittlich nur 10 Cents pro Tag verdiente. Die kanadische Regierung übte ebenfalls Druck auf die Dampfschiffahrts-Reedereien aus, keine weiteren Fahrkarten an Inder zu verkaufen. 1907 wurde ein Gesetz erlassen, welches allen Indern das Wahlrecht verweigerte. Ihnen wurde nicht erlaubt ein öffentliches Amt anzustreben, als Jurymitglied zu dienen, noch wurde ihnen erlaubt als Bankangestellter, Anwalt oder Apotheker zu arbeiten. All dies wurde unternommen, um die braune Invasion zu stoppen. Zur gleichen Zeit wanderten Japaner und Chinesen "en mass" ein.

Im Jahr 1914 war die Komagata Maru eine absolute Herausforderung dieser ausschließenden Gesetze. Die Komagata Maru war ein japanisches Dampfschiff, umbenannt auf Guru Nanak Jahaz, welches von Hong Kong aus unter der Organisation von Baba Gurdit Singh (1860-1954), einem abenteuerlichen Sikh Geschäftsmann, startete, um eine Gruppe indischer Immigranten nach Kanada zu befördern. Das Schiff legte in Hong Kong ab, stoppte in Japan und steuerte dann auf Kanada zu. Unter den Passagieren waren 376 Inder davon waren 340 Sikhs, 12 Hindus und 24 Muslime (alle aus dem Punjab stammend). In Vancouver musste das Schiff umkehren, da das Anlegen verweigert wurde, und beendete seine Reise schließlich in Kalkutta.

Bhai Gurdit Singh, Bhai Daljit Singh und sein Freund Bhai Vir Singh aus Ferozepur übernachteten (1914) in einem Gurudwara in Hong Kong. Die Geschichte von Chief Justice Hunter's Gerichtsentscheid in Victoria, B.C., über die Freisetzung von 39 Asiaten/Indern war in aller Munde. Die Immigranten waren überglücklich. Bhai Daljit Singh fing an Fahrkarten für die Überfahrt nach Kanada zu verkaufen. Gleichzeitig beobachtete die britische Regierung in Hong Kong diese Aktivitäten von Bhai Gurdit Singh, da die Zulassung der Komagata Maru in seinem Namen geschah. Zwei Tage bevor das Schiff ablegen sollte, wurde Bhai Gurdit Singh von der Hong Kong Polizei festgenommen und angeklagt, mit dem Vorwurf, illegal Fahrkarten für eine illigale Reise verkauft zu haben. Das Schiff wurde unter Polizeischutz gestellt. Die Sikh-Polizisten aus Hong Kong wurden oft dazu benutzt angehende Immigranten zu terrorisieren.

Laut Aufzeichnungen waren alle 500 Unterkünfte gebucht, nachdem bekanntgegeben wurde, dass das Schiff nach Kanada aufbrechen würde. Als Gurdit Singh jedoch inhaftiert wurde, entschieden sich fast zwei Drittel der Passagiere abzusagen.

Gurdit Singh wurde nach drei Tagen Haft entlassen und das Schiff begann seine Reise von Hong Kong am 4. April 1914 mit einigen Unterbrechungen in Shanghai, Moji und Yokohoma, um weitere Passagiere aufzunehmen. Als die Komagata Maru am 23. Mai 1914 in Vancouver ankam, waren 376 Inder auf dem Schiff, von denen alle, bis auf 36, Sikhs waren.

In den Zeitungen von Britisch Kolumbien wurde die Entwicklung der Komagata Maru als eine ansteigende orientalische Invasion berichtet. Als das Schiff in kanadische Gewässer einlief, wurde ihm die Einfaht versperrt und nur 22 Männern, die einen kanadischen Wohnsitz nachweisen konnten, wurde die Einreise gestattet. Gurdit Singh wurde unter Druck gesetzt, wenn er die Zulassungsgebühren nicht sofort zahlen würde, müßte das Schiff in Gewahrsam genommen werden. Gurdit Singh protestierte, dass er das Geld erst zahlen könne, nachdem er seinen Vertrag mit den Passagieren erfüllt hätte, indem er sie nach Kanada befördere. Seine Proteste wurden jedoch ignoriert.

Sikhs in Kanada sammelten $22.000, um die Gebühren zu zahlen. Sie appellierten an die kanadische Bevölkerung und die Regierung für Gerechtigkeit, schickten Telegramme an den König (Duke of Connaught), den Vize-König und an indische Führer in Indien und England. Es wurden öffentliche Versammlungen in mehreren Städten Punjab's abgehalten, um Sympathie mit den Passagieren der Komagata Maru zu bekunden. Das Shore Committee der Vancouver Sikhs ging schließlich mit dem Fall der Komagata vor Gericht. Ein vollbesetztes Plenum des Obersten Gerichts entschied, dass die neuen Beschlüsse des Rates eine Einmischung der Gerichtshöfe bei Entscheidungen des Ministeriums für Einwanderung verbieten würden. Nach zwei Monaten wurde nur 24 Passagieren die legale Aufenthaltserlaubnis in Kanada erteilt. Am 23. Juli 1914 wurde die Komagat Maru dazu veranlasst, den Hafen von Victoria zu verlassen und zurück nach Hong Kong zu segeln.

Als sich die Komagata Maru am 26. September 1914 Kalkutta näherte, signalisierte ihr ein europäisches Kanonenboot anzuhalten. Das Schiff wurde unter Aufsicht gestellt und die Passagiere als Gefangene eingestuft.

Die Komagata Maru wurde zu einem Ort namens Budge Budge gebracht, ungefähr 17 Meilen abseits ihres ursprünglichen Ziels Kalkutta. Die Passagiere der Komagata Maru wurden von diesen neuen Ereignissen völlig übermannt.

Als sich Baba Gurdit Singh wegen der Kursänderung erkundigte, teilte ihm ein Beamter mit, dass die Passagiere mit einem speziellen Zug nach Punjab geschickt würden. Viele der Passagiere wollten nicht in den Punjab. Sie mussten sich um ihre Geschäfte in Kalkutta kümmern, einige wollten dort nach Arbeit suchen. Am wichtigsten war den Passagieren jedoch, den Guru Granth Sahib, den sie auf ihre Reise mitgenommen hatten, in den Gurudwara nach Kalkutta zu bringen.

Den britischen Beamten waren nicht interessiert daran, was die Passagiere wollten. Sie würden in einen Zug nach Punjab gesteckt, und das wäre das Ende der Sache. Aber die Passagiere waren unnachgiebig darin, nach Kalkutta gehen zu wollen. Sie waren die rechtmäßigen Besitzer des Schiffes und die britischen Beamten hatten keinen Grund sie auf dem Schiff festzuhalten oder sie in den Punjab zu schicken. Sie glaubten, es wäre an der Zeit zu handeln, also entschieden sie nach Kalkutta zu marschieren.

Ihr Hauptgrund Kalkutta zu erreichen bestand darin, den Guru Granth Sahib zu übergeben und den Gouverneur aufzusuchen. Die Reise dorthin war lang und nach etlichen Angriffen der Polizei blieb ihnen keine andere Wahl, als nach Budge Budge zurückzukehren. In Budge Budge angekommen, befahl man ihnen das Schiff wieder zu betreten. Die Passagiere, angeführt von Gurdit Singh, weigerten sich. Ein Polizist attackierte Baba Gurdit Singh mit seinem Schlagstock, wurde jedoch von einem weiteren Passagier gestoppt. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde das Feuer eröffnet. Baba Gurdit Singh wurde in Sicherheit gebracht. Nicht alle Passagiere hatten so viel Glück. 29 der Passagiere wurden Opfer von den Kugeln der britischen Beamten und 20 starben.

Ein weiteres sinnloses Massaker von unschuldigen Sikhs durch die Briten. Dies war das tragische Ende der Passagiere der Komagata Maru. Die heldenhaften Taten der Besatzung der Komagata Maru und ihrer vergeblichen Versuche erweckten Bewunderung, aber auch tiefe Taurigkeit und Mitgefühl der gesamten Nation.