Die Sikh Gebete und die Meditation auf Naam mit dem Gurmantra Waheguru

Japji Sahib | Jaap Sahib | Tav-Prasad Savaiye | Chaupai Sahib | Anand Sahib | Rehras Sahib | Kirtan Sohila | Ardas Gebet | Sukhmani Sahib | Asa di Vaar | Dukh Banjani

Nitnem

Nit-Nem setzt sich zusammen aus Nit (täglich/immer/regulär) und Nem (welches Gesetz, Übung, Praxis bedeutet, abgeleitet von der Punjabi Form Neelam). Nitnem bedeutet tägliche Ausübung. Es ist eine Zusammensetzung aus verschiedenen Banis (Gebeten), die dazu bestimmt sind, von den Sikhs täglich gelesen zu werden. Die Nitnem Banis beinhalten in der Regel die Panj Bania, die 5 Morgengebete.

Das offizielle Sikh Rehat Maryada (SRM) wurde nicht mehr mit der Änderung von 1985 aktualisiert (Das SRM führt 3 Morgengebete für Sikhs auf: Japji Sahib, Jaap Sahib und Tav Prasad Swayaie). Dies wurde korrigiert, die gesamten ursprünglichen 5 Morgengebete zu inkludieren: Jaapji Sahib, Jaap Sahib, Tav Prasad Swayaie, Chaupai Sahib, Anand Sahib (siehe Kopie des Original Dokuments).

Für getaufte Sikhs, die dem Khalsa Panth angehören, gilt seit 1699 die 5 Morgengebete, eine Meditation auf das Mool Mantra und eine Meditation mit dem Gurmantra Waheguru auszuüben. Dies ist für getaufte Sikhs (Amritdharis) bindend und verpflichtend.

Für ungetaufte Sikhs ist das Nitnem mit 3 Morgengebeten, das Abend und Nachtgebet und eine Meditation auf Naam mit dem Gurmantra Waheguru im offizielen Sikh Rehat Maryada als Richt, bzw. Mindestmass angegeben und beschrieben.

Ein Sikh sollte versuchen, das Nitnem in seinen Tagesablauf zu integrieren und sich Zeit nehmen, um auf Naam mit dem Gurmantra Waheguru zu meditieren (Naam Simran).

Die fünf Morgengebete, die jeden Tag von den Sikhs gelesen werden, sind dieselben Gebete, die die Panj Pyare (die fünf Geliebten) 1699 rezitierten, um das Taufwasser für die Amrittaufe (Amrit Sanchaar/Khande di Pahul) herzustellen. Es ist die Aufnahme in den Khalsa Panth, in die Bruderschaft der Reinen und Souveränen. Dies ist seit 1699 unter der Vorgabe des zehnten Sikhgurus, Guru Gobind Singh Ji Maharaj, festgelegt.

Das Nitnem beinhaltet für (getaufte) Sikhs:

Die Fünf Morgengebete:
  • Japji Sahib
  • Jaap Sahib
  • Tav Prasad Swayaie
  • Chaupai Sahib
  • Anand Sahib (getaufte Sikhs lesen alle 40 Verse)
  • Meditation auf das Mool Mantra
  • Meditation auf Naam mit dem Gurmantra Waheguru

Abendgebet:
Rehras Sahib

Nachtgebet:
Kirtan Sohila

Das Ardaas Gebet ist ein wichtiger Bestandteil der Sikhgebete, es wird u.a. nach dem Morgen- und Abendgebet gesprochen. Nähere Erläuterung zum Ardaas finden sie in der Auflistung der Sikhgebete.

Die fünf Morgengebete, die Meditation auf das Mool Mantra und das Gurmantra Waheguru sollten zwischen 3 und 6 Uhr morgens vor dem Sonnenaufgang durchgeführt werden. Diese Zeitspanne wird als Amrit Vela, die Stunde des unsterblichen Nektars, bezeichnet. Es ist die segensreichste Zeit für die Morgengebete und das Meditieren auf das Mool Mantra und auf Naam mit dem Gurmantra Waheguru. Naam beschreibt das dynamische, kreative Prinzip, die göttliche Substanz, die Grundlage des Universums - die Realität und Existenz Gottes - Naam wird ebenfalls als der Name im Siri Guru Granth Sahib beschrieben.

Meditiere auf Naam, den Namen des Herrn - Meditate on Naam, the Name of the Lord.

Das Abendgebet, Rehras Sahib wird nach Sonnenuntergang um ca. 18 Uhr gelesen, in der Winterzeit früher. Das Nachtgebet, Kirtan Sohila wird vor dem Schlafengehen rezitiert.

Die Sikhgurus haben ihren Sikhs ein tiefgründiges System von Gebeten hinterlassen, um Ihnen den Weg zur Vereinigung mit Gott aufzuzeigen. Alle Sikh-Gebete wurden von den Sikhgurus zu ihren Lebzeiten selbst verfasst. Sowohl das Nitnem als auch die Meditation auf das Mool Mantra und das Meditieren mit dem Gurmantra Waheguru, haben eine spezifische Bedeutung und Funktion.

Die Sikh-Gebete des Nitnems vermitteln dem Sikh:

  • das Wissen über Gott und seine Schöpfung (Brahm Gyan)
  • die Lobpreisung und Allmacht Gottes
  • die Überwindung und Loslösung aus der Herrschaft der Fünf Diebe/Fünf Feinde (Pānj Chor)
  • die Befreiung aus dem Zyklus von Geburt und Tod (der Reinkarnation)
  • das Wissen über die weltliche und emotionale Anhaftung und wie sich der Mensch aus dieser Bindung herauszulösen kann
  • sich vor falschen Praktiken und negativen Einflüssen zu schützen
  • die Vereinigung mit Gott

Die Existenz dieser Gebete geben dem Sikh die Möglichkeit den Weg von der individuellen Bewusstseinsebene bis hin zur Vereinigung mit Gott zu gehen. Sie sind ein Geschenk der Sikhgurus an Ihre Sikhs, um sich der Existenz Gottes täglich bewusst zu sein. Sie beleben die positiven Eigenschaften, um einen Ausgleich im Zeitalter des Kaliyugas (dem dunklen Zeitalter) zu erreichen. Die Sikhgurus haben ihren Sikhs damit ein System der Gebete hinterlassen, dass dem Sikh aufzeigt, wie er die Maya erkennt und die Bindung an sie überwinden kann, um mit Waheguru eins zu werden.

Weitere Sikh Gebete und deren Bedeutung werden vorgestellt:

  • Ardaas-Gebet - dieses Gebet hat einen besonderen Stellenwert im Leben eines Sikhs. Das Leben eines Gursikhs beginnt und endet mit einem Ardaas. Das Ardaas ist ein Bitt- und Abschlussgebet der Sikhs.
  • Sukmani Sahib - ist das Gebet für Frieden des Geistes, es wird jeden Sonntag in den Gurudwaras weltweit vorgetragen.
  • Asa di Vaar - Asa heisst Hoffnung, Vaar Stunde. Es ist das Gebet in der Stunde der Hoffnung.
  • Dukh Banjani - wird gelesen oder gehört bei Krankheiten.

Anmerkung:
Die Nihangs (Verteidiger der Sikhwerte) praktizieren neben dem täglichen Nitnem, eine Meditation auf das Mool Mantra, eine Meditation auf das Gurmantra Waheguru. Hinzukommt hier noch das Chandi di Vaar, welches aus dem Sri Dasam Granth stammt, sowie Verse aus dem Akal Ustat. (Der Autor beider Werke ist Guru Gobind Singh, der zehnte Sikhguru).

Das Nitnem beinhaltet die folgenden 5 Morgengebete:

1. Japji Sahib
  • Verfasser: Sri Guru Nanak Dev Ji
  • Bedeutung: Das Japji Sahib wird gelesen, um Brahm Gyan (Wissen über Gott) zu erlangen. Dieses Gebet, ist die erste Heilige Komposition im Siri Guru Granth Sahib. Sie ist eine berühmte und präzise Zusammenfassung der Sikh Philosophie, die von Guru Nanak Dev Ji zusammengefasst wurde. Das Werk besteht aus dem Mool Mantra, einem Eröffnungsvers oder Salok, einer Sammlung von 38 Pauris und einem abschließenden Salok. Das Wort Jap bedeutet rezitieren/chanten. Ji ist ein Wort, das benutzt wird um Respekt auszudrücken, genauso wie das Wort Sahib, Respekt ausdrückt und wörtlich übersetzt Meister bedeutet.
2. Jaap Sahib
  • Verfasser: Sri Guru Gobind Singh Ji
  • Bedeutung: Das Jaap Sahib ist eine Lobpreisung und Anrede an den Einen, ewigen, zeitlosen Herrn (Akaal Purakh/Waheguru). Es beschreibt die Qualitäten des universellen, omnipräsenten transzendenten Schöpfergottes. Das Jaap Sahib lobpreist die unendliche Grösse, Schönheit und Allmacht Gottes, dabei erfährt der gläubige Leser immer wieder die Qualitäten und Eigenschaften, die Gott ausmachen. Es ist das zweite Bani (Gebet) der fünf Morgengebete eines Sikhs. Das Jaap Sahib besteht aus 199 Versen und ist das erste Bani aus dem Sri Dasam Granth Sahib. Die Sprache des Jaap beinhaltet Wörter und Wortverbindungen aus dem Gurmukhi, Sanskrit, Brij Bhasha, dem Arabischen und Persischen.
3. Tav-Prasad Savaiye
  • Verfasser: Sri Guru Gobind Singh Ji
  • Bedeutung: Durch das Lesen von Tav-Prasad Savaiye wird der Sikh darauf aufmerksam gemacht, wie er Gott anbeten und realisieren kann. Das Lesen von Tav Prasad Savaiye löst den gläubigen Sikh aus der Verblendung und Anhaftung an die Maya und schützt ihn vor falschen Praktiken. Das Tav-Prasad Savaiye wurde von Sri Guru Gobind Singh verfasst. Dieses Bani erscheint ebenfalls im Sri Dasam Granth Sahib. Historischen Überlieferungen zufolge ist dieses Bani für Raja Bhim Chand geschrieben worden, als Sri Guru Gobind Singh in Paunta Sahib war, um Raja Bhim Chand zu verdeutlichen, das mit tausenden von Streitkräften, unendlich vielen Königreichen oder den grössten Schätzen dieser Welt Gott nicht erreicht werden kann.
4. Chaupai Sahib
  • Verfasser: Sri Guru Gobind Singh Ji
  • Bedeutung: Das Chaupai Sahib auch als Benti Chaupai bekannt, wurde von Sri Guru Gobind Singh komponiert. Es steht im Sri Dasam Granth Sahib und enthält 29 Verse in numerischer Folge. Dieses Gebet gibt Schutz und Sicherheit. Sikhs, die dieses Bani täglich rezitieren, erlangen spirituelles Vertrauen und Sicherheit sowie Schutz vor äußeren und inneren Feinden. Sorgen und Gebrechen können besser transformiert werden. Der Gurmukhi Text ist wie ein Gedicht verfasst und verfügt über viel Kraft, Ausdruck und Stärke. Das Gebet verleiht ein Gefühl von Zuverlässigkeit und stets Vertrauen auf Gott zu haben. Wenn eine Person negative Gedanken/Gefühle, einen Mangel an Vertrauen in die Zukunft hat oder Schutz benötigt, sollte sie dieses Gebet lesen oder hören, um den unmittelbaren positiven Effekt dieses Gebetes zu erfahren.

    Das Svaya und Dohra werden abschließend rezitiert, um das Chaupai Sahib zu vervollständigen.
5. Anand Sahib
  • Verfasser: Sri Guru Amar Das
  • Bedeutung: Das Anand Sahib wird gelesen, um die Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod sowie Anand (die wahre Freude/Glückseligkeit, die nicht vergänglich ist), zu erlangen. Alle 40 Verse sollten gelesen werden. Das Anand Sahib wurde von Sri Guru Amar Das, dem dritten Sikhguru verfasst und erscheint im Siri Guru Granth Sahib. Die Person, die dieses heilige Gebet täglich voller Hingabe, Aufmerksamkeit und Verständnis rezitiert, wird den Zustand wahrer Freude erkennen, indem sie das Göttliche im eigenen Bewusstsein wahrnimmt und mit Gott dem Schöpfer zu einer Einheit - durch seine Gnade - verschmelzt.

    Abschliessend nach dem Morgengebet wird das Ardaas Gebet als Bitt- und Abschlussgebet im Stehen mit gefalteten Händen gesprochen.

Rehras Sahib - Abendgebet
  • Verfasser: Sri Guru Nanak Dev Ji, Sri Guru Amar Das, Sri Guru Ram Das, Sri Guru Arjan Dev und Sri Guru Gobind Singh
  • Bedeutung: Das Rehras Sahib ist das Abendgebet der Sikhs. Es beschreibt die Großartigkeit Wahegurus (Terminologie für Gott) und wird gelesen, um das Sach Khand, (die höchste spirituelle Ebene) nicht zu verlassen. Wie im Siri Guru Granth Sahib vermerkt, beinhaltet es die Hymnen von fünf verschieden Sikhgurus (Guru Nanak Dev Ji, Guru Amar Das, Guru Ram Das, Guru Arjan Dev und Guru Gobind Singh). Jeder Teil des Gebets wirft Licht auf einen weiteren Aspekt Gottes. Das Gebet wird zum Abschluss eines Tages gelesen, wenn die Arbeit und die Verpflichtungen des Tages abgeschlossen sind. Es fügt sowohl dem Körper als auch dem Geist Energie zu, wodurch es einem erlaubt, den Tag erfolgreich abzuschließen und dem Allmächtigen für alles zu danken.

Kirtan Sohila - Nachtgebet
  • Verfasser: Sri Guru Nanak Dev, Sri Guru Ram Das, Sri Guru Arjan Dev
  • Bedeutung: Bevor das Kirtan Sohila gelesen wird, muss das (Panj Ishnaan/Waschen der Hände, Füsse, Gesicht und Mund) vor dem Zubettgehen vorgenommen werden. Danach sitzt man auf seinem Bett mit gekreuzten Beinen in Richtung Kopfkisssen, um das Gebet zu lesen. Die ersten drei Shabads wurden von Guru Nanak Dev Ji verfasst, der vierte Shabad von Guru Ram Das und der fünfte Shabad von Guru Arjan Dev. Dieses Bani (Gebet) beschreibt den Schmerz der Trennung von Gott und zelebriert die Freude der Wiedervereinigung. Gott ist in jeder Zeit mit uns und beschützt seine Sikhs. Wenn ein Sikh unerwartet während seines Schlafes sterben sollte wird er keine niedere Lebensform annehmen, wenn er das Kirtan Sohila liest. Negative Gedanken oder Träume treten in der Nacht nicht auf, wenn das Kirtan Sohila regelmässig vor dem Zubettgehen rezitiert wird.

Ardaas Gebet
  • Verfasser: Die ersten neun Zeilen wurden vom zehnten Sikhguru, Sri Guru Gobind Singh verfasst, der Rest wurde vervollständigt, um sich der ereignisreichen Geschichte der Sikhs zu erinnern, all die Opfer, die sie erbrachten, um den reinen Shabad Guru, Ihren Glauben und Ihre Kultur zu bewahren. Das Ardaas reflektiert die Geschichte, was die Sikhs alles dafür auf sich nahmen, aber auch Ihre mutigen Errungenschaften sowie Ihre Gefühle, Ihre Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott auszudrücken. Das Ardaas ist inhaltlich festgelegt.
  • Bedeutung: Das Wort Ardaas stammt vom persischen Wort Arazdashat ab und bedeutet, eine Bitte, ein Gebet, eine Petition. Das Ardaas ist das Bitt- und Abschlussgebet der Sikhs, welches im Stehen u.a. nach dem Morgen und Abendgebet mit gefalteten Händen gesprochen wird, um die Unterstützung, Hilfe und den Segen Gottes zu erhalten.

    Die grundlegende Basis dieses Gebetes ist es, Segen, Schutz und Führung Wahegurus (Terminologie für Gott) zu erhalten. Es ist ein Plädoyer an Gott für das Wohlergehen und Wohlstand aller Menschen auf der Welt zu beten und gleichzeitig Gott für alles zu danken. Ein Sikh sollte sich vor dem Willen Gottes (Hukam) verneigen und um Stärke, Führung und Chardikala bitten, dass er ein auf Gott ausgerichtets Leben führt. Im Sangat (der Kongreation der Sikhs - dem Gottesdienst) wird das Ardaas von dem Granthi (Vorleser und Hüter des Siri Guru Granths) im Stehen Richtung Siri Guru Granth Sahib vorgetragen, die Gemeinde steht ebenfalls mit gefalteten Händen und verneigt sich am Schluss mit dem Kopf auf dem Boden.

    Das Ardaas wird gesprochen/rezitiert:
    - Parkash: morgens vor dem Herausholen und Öffnen des Siri Guru Granth Sahib.
    - Sukhasan: abends vor dem Zubettbringen und Schließen des Siri Guru Granth Sahib.
    - Akhand Paath: bevor, in der Mitte und am Ende der gesamten Lesung des Siri Guru Granth Sahib.
    - Hukamnama: bevor das Hukamnama des Siri Guru Granth Sahib genommen wird.
    - Naam Sanskaar: bei der Namensgebung des Kindes.
    - Amrit Sanchaar: die Panj Pyare rezitieren das Ardas bei der Taufzeremonie.
    - Anand Karaj: am Anfang und am Ende der Heiratszeremonie.
    - Zu besonderen Ereignissen/Unternehmungen: wenn der Sikh die Hilfe und Unterstützung Gottes benötigt.

    Zusammenfassend:
    Das Ardaas ist eine Petition an Gott, den barmherzigen, gütigen Schöpfer des gesamten Universum. Es verringert das Ego der Person und bringt Ruhe in den Geist. Das Ardaas lehrt Nimrata (Demut), Daya (Mitgefühl), Angstlosigkeit und unterstützt das Chardikala (High Spirit/Optimismus zu bewahren), egal wie schwer eine Situation oder das Karma auch erscheinen mag. Es erinnert den Sikh daran, dass Hingabe und Demut gegenüber Gott und seiner Schöpfung erforderlich ist, um ein besserer Mensch zu werden. Das Ardaas gibt innere Stärke und Kraft und verbindet den Geist mit den pure ones, mit den reinen Seelen der Sikhgeschichte. Es erhebt den geistigen Zustand und baut das Vertrauen auf die Führung Gottes aus. Das Ardaas verleiht ein Gefühl der Gemeinschaft und der universellen Verbundenheit.
Ardas lesen (Englisch)
Ardas lesen (Gurmukhi)

Sukhmani Sahib - Gebet für Frieden im Geist
  • Verfasser: Sri Guru Arjan Dev Ji
  • Bedeutung: Das Wort Sukh bedeutet Friede/Freude und Mani steht für (Geist/Herz/Juwel). Dieses Gebet hat eine friedvolle, beruhigende Wirkung auf den Geist des Lesers und Zuhörers. Das Sukhmani Sahib ist eines der fundamentalen Gebete der Sikhs und präsentiert das vollständige Schemata des Sikh Glaubens. Während jedes Ashtpadi (Hymne) eine neue Vision vermittelt, einen bestimmten Aspekt der Wahrheit/Gottes entfaltet, kann das ganze Werk als eine Wiederholung der grundlegenden Themen, wie Göttliche Immanenz, Fülle der Gnade, Gottes Beistand, Verdienst der Hingabe, Heilige Gesellschaft, Demut etc. wahrgenommen werden. Durch diesen Aufbau besitzt das Werk als solches eine erstaunliche Qualität und Schönheit, indem es durch seine auffallenden bildhaften Darstellungen der Stanza (Strophen) dem Suchenden die Wahrheit offenbart. Diese wird im Bewusstsein des Lesers/Zuhörers belebt und manifestiert sich.
  • Sukhmani ist der Überbringer von Friede und Freude durch Gottes Namen, er verweilt im Herzen derer die Gott lieben.

    Das Sukhmani Sahib verfügt über eine strukturelle sowie thematische Einheit. Die Komposition beinhaltet 24 Astpadis, jedes beginnt mit einem Salok, danach folgen 8 Pauris oder Stanzas (Strophen). Jede Strophe hat zehn Zeilen, die aus fünf Teilen bestehen. Neben der äusseren Struktur wird das Thema der Einheit auf mentaler, moralischer und spiritueller Ebene beschrieben.

    Der Beginn der Komposition eröffnet mit dem Shabad Guru, der die Quelle und Ursprung der Glückseligkeit ist. Auf Seite 262 und 265 des Siri Guru Granth Sahib beschreibt Sri Guru Arjan Dev, dass der Weg zur Gottverwirklichung durch Naam Simran zu erreichen sei.

Asa di Vaar - Gebet der Stunde der Hoffnung
  • Verfasser: Sri Guru Nanak Dev
  • Bedeutung: Das Asa Di Var ist eine Sammlung von 24 Pauris/Stanzas, die von Guru Nanak Dev Ji verfasst wurden (Siri Guru Granth Sahib, Ang 462-475). Zusammengestellt wurde der kommplette Var 1604 vom fünften Sikhguru, Guru Arjan Dev. Das Asa di Var wird in den frühen Morgenstunde zischen 2 und 4 Uhr in einer sehr melodiösen Art und Weise rezitiert. Guru Arjan Dev beschrieb diesen Stil Tunde Asraje Ki Dhuni, nach dem tapferen und religiösen König Asraj benannt. Es verleiht Hoffnung, Mut, Tapferkeit, Zuversicht und Freude.

Dukh Banjani - Zerstörer des Leids
  • Verfasser: Sri Guru Arjan Dev
  • Bedeutung: Dukh bedeutet Leid. Das Dukh Banjani besteht aus verschiedenen Versen des Siri Guru Granth Sahib und wird von Sikhs rezitiert, um Krankheiten, Leid und schwere Zeiten abzuwenden oder diese abzumildern. Dukh Banjani wurde von Sri Guru Arjan Dev verfasst.
Worauf meditiert ein Sikh? Meditation auf NAAM

Im Sikh Rehat Maryada und den Puratan Rehat Mayarda (den alten Rehat Mayardas) ist beschrieben, dass ein Sikh auf Naam mit dem Gurmantra Waheguru meditiert. Waheguru ist die Terminolgie für Gott und heisst wunderbarer Herr/Erleuchter, jenseits aller Erklärungen, der die Dunkelheit zerstört, und das Licht der Erkenntnis bringt. Naam beschreibt das dynamische, kreative Prinzip, die Grundlage göttlicher Substanz, die Realität und Existenz Gottes.

Naam wird ebenfalls als der Name beschrieben.

Im Siri Guru Granth Sahib, der Heiligen Schrift und dem Ewig lebenden religiösen Führer der Sikhs ist immer wieder zahlreich die liebevolle Aufforderung, Anordnung und Erinnerung wiederzufinden:
Meditiere auf Naam, den Namen des Herrn (Gott)

Die Grundlage des Sikhglaubens besteht darin, sich zu jeder Zeit an Gott zu erinnern. Den Schöpfer in seinem eigenen Bewusstsein fest zu verankern, indem sich der Sikh mit der Göttlichen Allmacht verbindet. Dies geschieht durch Naam Japo/Naam Simran (Rezitation und Meditation auf Gottes Namen). Diese Vereinigung mit dem Einen, allesdurchdringenden, transzendentalen, unsterblichen, omnipräsenten Schöpfer, spiegelt sich im Idealkonzept von Guru Nanak Dev und seinen neun Nachfolgern in der Beschreibung von Meditation auf Naam wider sowie durch das Singen von Kirtan Shabad und der Ausübung der Sikhgebete.

Naam Japo/Naam Simran zu praktizieren, ist ein fester Bestandteil der Sikh Philosophie Guru Nanak Dev Ji´s und den Sikhgurus.

Guru Nanak Dev Ji wurde die Frage gestellt:
Kiv suchiaara hi-ay How can one become true?
Kiv koor-ay tut-ay paal? How can the barrier of falsehood be smashed?

Hukam raja-ee chulnaa Nanak likhiya naal Satguru Nanak says this can be achieved by obeying the ordained command and will that is written for each person.
(SGGS, Japji Mehlaa 1, Seite 1)
Eyk naam hukam hai The One Name is the Lord´s Command:
Nanak satgur diya bujhaa-ey Jio O Nanak, the True Guru has given me this understanding.
(SGGS, Siree Raag Mehlaa 1, Seite 72)
Nanak kai ghar kayval naam //4//4// Nanak's home is filled with Naam, the Name of the Lord.
(SGGS, Bhairo Mehlaa 5, Seite 1136)
Uthat Baithat Sovat Naam. Kahu Nanak Jan Ke Sad Kaam. While standing up, sitting down or sleeping, the Naam, says Nanak, is forever the occupation of God´s humble servant.
(SGGS, Seite 286)

Sri Guru Arjan Dev, der fünfte Sikhguru, hat in der Heiligen Schrift dem Siri Guru Granth Sahib in Raag Gauri folgendes geschrieben:

Dulabh dayh paa-ee vadbhaagee. This human body is so difficult to obtain, it is only obtained by great good fortune.
Kaho Nanak gur mantar drirh-aa-i-aa. Says Nanak, the Gurmantra has been implanted within me,
Kayval naam rid maahi samaa-i-aa. The Name alone is contained within my heart. //4//42//111//
(SGGS, Gauri Mehlaa 5, Seite 188)
Nanak sagt, das Gurmantra wurde in mir eingegeben (eingeprägt/eingepflanzt), der Name allein ist in meinem Herzen enthalten.

Diese Aussage des fünften Sikhgurus, Guru Arjan Dev Ji, ist hier von besonderer Bedeutung, der Vers beschreibt, das Gurmantra erhalten zu haben und dass dieser Name allein in seinem Herzen fest verankert ist.

Bhai Gurdas war ein grosser Gelehrter, Schriftsteller, Historiker und Sikh-Prediger. Er verfasste unter der persönlichen Aufsicht seines Neffen, dem fünften Sikhguru, Guru Arjan Dev die erste Version des Adi Granth auch als Pothi Sahib bekannt. Den Titel Guru Granth Sahib erhielt die Heilige Schrift der Sikhs, vom zehnten Sikhguru, Guru Gobind Singh, als er die Führerschaft auf den Guru Granth Sahib als ewigen religiösen-spirituellen Füher der Sikhs übergab. Siri symbolisiert die Form des Respekts und den Ausdruck der Heiligkeit dieser Schrift, die zugleich den Ewig lebenden Guru der Sikhs darstellt: Siri Guru Granth Sahib.

WAHEGURU ist Gurmantra, durch meditieren darauf, wird das Ego ausgelöscht.
(Bhai Gurdas in Var.13)

Der Name wird das Instrument um Gott, den Herrn zu realisieren. In Raag Bhairon betont Guru Arjan Dev, dass der Name dieselbe Intensität von Wahrheit und Qualität in sich trägt, wie die Realität Gottes, die göttliche Substanz (Naam) selbst. Um die Beziehung der menschlichen Seele und Ihrem Schöpfer herzustellen, haben die Sikhgurus den Kanal des göttlichen Namens in Form des Gurmantras der Menschheit zur Verfügung gestellt. Der Suchende der diesen göttlichen Namen adoptiert, oder mit Naam gesegnet wird, kann sich durch Gottes Gnade mit ihm vereinigen.

Naam hamaarai antarjaamee. The Naam, the Name of the Lord, is the Inner-knower of my heart,
Naam hamaarai aavai kaamee. The Naam is so useful to me.
Rom rom ravi-aa har naam. The Lord´s Name permeates each and every hair of mine,
Satgur poorai keeno daan. //1// The Perfect True Guru has given me this gift. //1//
Naam ratan mayrai bhandaar. The Jewel of the Naam is my treasure.
Agan amolaa apar apaar. //1//rahaa-o. It is inaccessible, priceless, infinite and incomparable. //1// Pause
Naam hamaarai nihchal Dhanee. The Naam is my unmoving unchanging Lord and Master,
Naam kee mahimaa sabh meh banee. The Glory of the Naam spreads over the whole world.
Naam hamaarai pooraa saahu. The Naam is my perfect master of wealth,
Naam hamaarai bayparvaahu. //2// The Naam is my independance. //2//
Naam hamaarai bhojan bhaa-o. The Naam is my food and love.
Naam hamaarai man kaa su-aa-o. The Naam is the objective of my mind,
Naam na visrai sant parsaad. By the Grace of the Saints, I never forget the Naam.
Naam lait anhad pooray naad. //3// Repeating the Naam, the unstruck sound current of the Naad resounds. //3//
Parabh kirpaa tay naam na-o niDh paa-ee. By God´s Grace, I have obtained the nine treasures of the Naam,
Gur kirpaa tay naam si-o ban aa-ee. By Guru´s Grace, I am tuned in to the Naam,
Dhanvantay say-ee parDhaan. They alone are wealthy and supreme,
Nanak jaa kai naam niDhann. //4//17//30// O Nanak, who have the treasure of the Naam. //4//17//30//
(Bhairao Mehlaa 5, Seite 1144)