1921 - Das Saka Nankana Massaker

Das Nankana Massaker oder Saka Nankana ereignete sich in Nankana Sahib zu der Zeit des vereinten Indiens (im heutigen Pakistan). Dieses Ereignis stellt einen wichtigen Teil der Sikh Geschichte dar. In politischer Wichtigkeit kommt es dem Jallianwala Bagh Massaker (April 1919) nahe. Es bildet den Kern des Gurudwara Reform Movements, welches von den Sikhs im frühen 20. Jahrhundert begonnen wurde. Der bemerkenswerte Teil dieser Geschichte ist die beispiellose Disziplin, Selbstkontrolle und vorbildliche Geduld, die die friedvollen Sikh Protestanten sogar im Angesicht extremer Barbarei gezeigt haben.

Das Nankana Sahib Massaker verweist auf eine finstere Episode während der Gurudwara Reform Bewegung oder Akali Bewegung, in der eine friedliche Gruppe von reformierenden Sikhs am 20. Februar 1921 im Gurudwara Nankana Sahib (Geburtsort von Guru Nanak Sahib Ji) Ziel eines mörderischen Angriffs wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Gurudwara Nankana Sahib von Mahant Narayan Das geleitet. Dieser Gurudwara besaß einen riesigen Besitztum von über 19.000 acres (77 km2) fruchtbarem Land, welches enorme Einnahmen pro Jahr erzielte. Mahant Narayan Das hat sich der Korruption schuldig gemacht.

Tänzerinnen sollen in den Gurudwara gebracht und obszöne Lieder innerhalb des Heiligen Darbar vorgetragen worden sein. 1917 hat er eine Tanz-Vorführung einer Prostituierten nahe des Heiligen Gurudwaras arrangiert.

1920 wurde in Dharowal, District Sheikhupura, eine Versammlung abgehalten, um den Sangat von den Vorkommnissen, die innerhalb des Gurudwara Nankana Sahib stattfanden, zu informieren. Seit der Zeit, als die Sikhs durch die Unterdrückung der Mogulen Zuflucht suchend in die Berge vertrieben worden waren, stand dieser Gurudwara und sechs weitere in der Stadt unter der Kontrolle des Udasi Ordens. Die Vertreter dieses Ordens behandelten die Gurudwaras nicht nur wie ihr eigenes Besitztum, sondern hatten ebenfalls Praktiken und Zeremonien eingeführt, die im Sikhismus nicht erlaubt waren. Der Udasi Orden war zuvor immer unterstützend und hilfsbereit gegenüber den Sikhs gewesen. Heutzutage befinden sich der Udasi Orden und der Khalsa Panth in einem respektvollen und freundschaftlichen Verhältnis.

Bei dieser Versammlung wurde einstimmig beschlossen, dass der Mahant Narayan gehen muss. Als er gebeten wurde dies zu tun, traf er bereits Vorbereitungen, um dem Sikh Panth zu widersprechen. Mahant Narayan Das befand es als nicht notwendig, den Empfehlungen und der Entscheidung des Kommitees Folge zu leisten.

Fast zur gleichen Zeit wurde ein Sikh Gurudwara, Gurudwara Babe di Ber in Sialkot, aus der priesterlichen Kontrolle befreit und am 5.Oktober 1920 von den Sikhs übernommen, welche den Beginn der Gurudwara Refom darstellte. Der Darbar Sahib und Akal Takht wurden am 13. Oktober 1920 besetzt.

Am 14. Februar hielt der Mahant ein Treffen mit seinen Mitarbeitern ab, um einen Plan auszuarbeiten, die gegnerischen Sikh Führer am 5. März im Nankana Sahib zu töten. Der Mahant heuerte 400 Söldner - inklusive furchterregende Pashtuns (afghanischer Herkunft) - zu einem Monatssold von 20 Rupien an, um die Sikhs zu töten. Mit der Unterstützung der Regierung konnte er auch Gewehre, Pistolen, andere Waffen und Munition beschaffen. Er organisierte und lagerte ebenfalls 14 Fässer Paraffin, verstärkte die Sicherung des Gurudwara Tor's und ließ Schießstände ausmeißeln.

Mahant Narayan Das erhielt die Unterstützung der Mahants von anderen Gurudwaras im Punjab. Die Bedi Jagirdas, die aufgrund ihrer früheren Verbindungen zu Guru Nanak Dev von der englischen Regierung für ihre Tugendhaftigkeit Jagirs erhalten hatten, unterstützten den Mahant ebenfalls (Jagir ist eine Art Verpachtung von Land, auf die Steuer bezahlt werden musste). Sardar Singh Majithia lebte ebenfalls nach einer Doppelmoral. Der Maharaja von Patiala lehnte es jedoch ab, den Mahant zu unterstützen und gab ihm den guten Rat, nicht gegen den Panth zu rebellieren. Weiterhin empfahl er dem Mahant ein Kommitte aus prominenten Sikhs zu bilden und die Gurudwara Führung an sie zu übergeben. Der Mahant ignorierte den Ratschlag des Patiala Royal House.

Bhai Kartar Singh Virk

Das Shiromani Committee erneuerte ihre Einladung an den Mahant zu Gesprächen im Gurudwara Khara Sauda, um das Problem zu lösen, aber er erschien nicht zum vereinbarten Zeitpunkt. Er bot daraufhin an, mit den Sikh Führern am 15. Februar 1921 in Sheikupura Gespräche zu führen, auch da erschien der Mahant nicht. Beim dritten mal versprach er, die Shiromani Committee Führer am 16. Februar in der Residenz von Sardar Amar Singh Lyall Gazette zu treffen, dieses Treffen fand ebenfalls nicht statt.

Am 17. Februar 1921 wurde in der Versammlung des Parbhandak Committee beschlosssen, dass zwei Jathas, eine geführt von Bhai Lachmann Singh und eine weitere von Bhai Kartar Singh Virk (alias Jhabbar), in Chander Kot am 19. Februar zusammenkommen sollten, um mit Mahant Narayan Das zu reden.

Das Parbhandak Committe war sich der Vorbereitungen, die der Mahant traf, bewusst, und hielt am 19. Februar eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, dass die Jathas nicht am 20. Febrauar nach Nankana Sahib gebracht werden sollten. Bhai Kartar Singh Jhabbar war bei diesem Treffen anwesend. Er wurde über die Veränderungen informiert und beauftragt, Bhai Lachmann Singh darüber zu berichten. Bhai Kartar Singh Jhabbar teilte umgehend Bhai Waryam Singh mit, nach Chander Kot zu gehen, damit andere Jathas aufgehalten werden konnten.

In Übereinstimmung mit den ursprünglichen Plänen, erreichte Bhai Lachmann Singh mit seiner Jatha von ca. 150 Singhs Chander Kot in der Nacht des 19. Februar und wartete auf Bhai Kartar Singh Jhabbar und seine Jatha.

Bhai Waryam Singh brachte die Neuigkeiten, dass die Jatha nicht zum Gurudwara geführt werden solle. Bhai Lachmann Singh sagten den Singhs seiner Jatha:

"Wenn wir für eine gute Sache angetreten sind, sollte wir keine Zeit verlieren".

Alle Mitglieder der Jatha stimmten zu. Bhai Lachmann Singh erhielt von den Singhs das Versprechen, nicht anzugreifen und unter allen Umständen friedlich zu bleiben. Danach betete die Jatha für den Erfolg ihrer noblen Entscheidung. Als die Jatha nach dem Gebet losziehen wollte, kam Bhai Waryam Singh an. Er zeigte ihnen den Brief mit der neuen Entscheidung des Kommittees. Bhai Tehal Singh sagte:

"Liebe Khalsa, wir haben unsere Entscheidung mit dem Ardaas (Gebet) getroffen und können jetzt nicht mehr zurück. Es ist nun dringend notwendig für uns, voranzuschreiten".

Die Jatha folgte Bhai Tehal Singh und marschierte in Einigkeit voran.

Somit betraten die Jatha der 150 Sikhs, angeführt von Bhai Lachmann Singh, am Morgen des 20. Februar 1921 das Heilige Gelände. Der Mahant erhielt am Abend des 19. Februar die Nachricht ihrer Ankunft in Chander Kot. Er versammelte seine Männer in der Nacht und instruierte sie, wie sie die Sikhs töten sollen.

Nachdem sich die Jatha der Singhs hingesetzt hatte, gab der Mahant das Signal an seine Männer, den Plan auszuführen. Als der Angriff begann, sangen die Sikhs ihre Heiligen Hymnen. Von einem Dach eines gegenüberliegenden Gebäudes prasselten die Kugel gnadenlos auf sie herab. Bhai Lachmann Singh wurde niedergestreckt, als er vor dem Siri Guru Granth Sahib saß. 26 Singhs wurden in dem Hof durch die Kugeln zu Märtyrern, während ungefähr 60 weitere, die im Darbar saßen, unter Beschuß standen. Als Mahant's Leute sahen, dass sich niemand mehr bewegte, kamen sie mit Schwerten und Hackbeilen herunter. Jeden Singh, den sie noch atmend hervor fanden, wurde in Stücke zerhackt.

Draußen vor dem Tor stand Narayan Das mit Pistole in der Hand, sein Gesicht vermummt, auf einem Pferd sitzend, leitete die Operation und schrie immerzu:

"Laßt nicht einen einzigen langhaarigen Sikh lebend entkommen".

Bhai Dalip Singh, ein sehr geachteter Sikh, der ihm bekannt war, kam und wollte ihm klarmachen, dass dieses blutige Gemetzel zu beenden sei. Aber er tötete ihn auf der Stelle mit einem Schuss aus seiner Pistole. Sechs weitere Sikhs, die herauskamen, wurden abgeschlachtet und in einen Töpferofen geworfen. Feuerholz und Kerosin wurden herbeigeholt und das Feuer angezündet. Alle Toten und Verletzten wurden in die Flammen geworfen. Der Körper eines lebenden Singhs, wahrscheinlich Bhai Lachmann Singh, wurde an einen Baum gefesselt und lebendig verbrannt. Die Zahl der getöteten Sikhs wird zwischen 82 und 156 geschätzt.

Als die Neuigkeiten Punjab erreichten, waren bereits 20 Pathans festgenommen, der Gurudwara verschlossen worden und die Kontrolle der Stadt der Armee übergeben, die diese absperrte, um jegliches Vorgehen der Akali Bewegung, die Gurudwaras zu übernehmen, zu unterbinden. Sardar Kartar Singh Jhabbar erschien am 21. Februar mit seiner Jatha. Der Commissioner Mr. King informierte ihn, sollte er versuchen mit seiner Jatha die Stadt zu betreten, werde die Armee das Feuer eröffnen. Kartar Singh Jhabbar und 200 Singhs seiner Jatha hörten nicht auf den Commissioner und näherten sich weiter der Stadt. Am Ende übergab der Commissioner Mr. Curry schließlich die Schlüssel des Gurudwaras an Bhai Kartar Singh Jhabbar.

Am 22./23. Februar wurden die Körper nach den Traditionen der Sikhs eingeäschert. Verkohlte und entstellte Körper wurden eingesammelt, abgerissene Gliedmaße und Fleischfetzen wurden von überall aus den Blut überströmten Zimmern aufgesammelt. Ein großes Beerdigungsfeuer wurde entfacht. Bhai Jodh Singh riet den Sikh in einer angemessenen Rede, ruhig und geduldig zu bleiben, und das Unglück mit der Stärke zu ertragen, die ihre Vorfahren in ähnlichen Situationen bewiesen hätten. Die Sikhs hatten mit ihrem Blut die Heiligen Hallen gereinigt, die so lange den gottlosen Einflüssen eines korrupten Regimes ausgesetzt waren.

Dr. Singh Udhoke über Saka Nankana

Der Mahant, 20 Pathans und andere seiner Gruppe wurden von den Briten verklagt. Nur Mahant und einige Pathans erhielten die Todesstrafe für dieses Verbrechen von mehr als 50 Morden. Das Höchste Gericht verkündete am 3. März 1922 das Urteil über Narayan Das's Berufung, dass seine Strafe auf lebenslanger Haft verringert würde. Die Nachricht über das Nankana Sahib Massaker schockierte das ganze Land. Sir Edward Maclagan, Gouvernor des Punjabs, besuchte den Ort am 22. Februar. Am 3. März kamen die Muslimen Führern Shaukat 'Ali und Muhammad 'Ali. Prinzessin Bamba Duleep Singh, Tochter des Maharaja Duleep Singh, kam in Begleitung von Sir Jogendra Singh, um ihren Respekt und Huldigung zur Erinnerung der Märtyrer zu überbringen.