Sikhi - Sikhismus - Sikh Religion

Die Botschaft und Kernaussagen des Sikh Glaubens
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  • Der Sikh Glaube ist bekannt als Sikhi, der Sikh Weg des Lebens, Sikhismus und Sikh Religion.
  • Die Sikhs glauben an Einen universellen Schöpfergott - Ik Oankar, der alles erschafft, erhält und auflöst (monotheistische Religion).
  • Der Sikh Glaube lehrt, daß Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Geschlecht vor den Augen Gottes gleich sind. Sie alle sind die Manifestation des Einen transzendentalen omnipotenten Schöpfers.
  • Frauen und Männer sind laut der Sikh Lehre gleichberechtigt.
  • Sikhs respektieren alle Religionen und Glaubensgemeinschaften.
  • Der Sikh Glaube lehrt das Recht auf Selbstbestimmung und Glaubensfreiheit. Alle Menschen haben das Potenzial Gott selbst zu erfahren und ihren eigenen gewählten Weg zu Gott zu verfolgen, ohne dabei andere zu verletzen, zu unterdrücken, zu verurteilen oder unter Zwang zu konvertieren. Respektvoller Umgang ist ein Hauptanliegen in der Gurmat Lehre der Sikh Gurus.
  • Der Sikh Glaube betont die tägliche Hingabe an die Verinnerlichung Gottes. Ein Sikh sollte sich, bei allem was er/sie tut, stets an den wundervollen, allmächtigen Schöpfer erinnern. Dies geschieht in Form von Naam Japo/Naam Simran, der Rezitation und Meditation auf die Identität und Realität Gottes mit dem Gur Mantar "Waheguru". Waheguru ist die Terminologie für Gott in der Sikh Religion.
  • Ein Sikh sollte moralisch-ethische Verantwortung und Rechtschaffenheit präsentieren und ein wahrheitsgemässes, auf Gott ausgerichtetes Leben führen. Sikhs beten in ihrem täglichen Ardas (Bitt- und Führgebet) für das Wohlergehen aller Menschen auf Erden (Sarbat da Bhala).
  • Der Sikh Glaube lehrt den selbstlosen Dienst in der Gemeinschaft - Seva. Die primäre Aufgabe im Leben eines Sikhs sollte es sein, den Notleidenden, Schwachen und Unterdrückten zu helfen. Sikhs sind dazu angeleitet, der eigenen Gemeinde als auch der globalen Gesellschaft zu dienen.
  • Polytheismus, Götter- und Planetenanbetung, Fasten, leere Rituale, Aberglaube und das Kastensystem lehnt die Sikh Religion ab.
  • Das Wort Sikh bedeutet im Punjabi "Schüler". Sikhs sind die Schüler Gottes/Gurus, die dem heiligen Wort - Gurbani folgen. Die Sikh Gurus haben das Wort des Shabad direkt von Akaal Purakh Waheguru (Gott) empfangen und im Siri Guru Granth Sahib für die Menschheit offenbart. Ein Sikh glaubt an die Schriften, Lehren, Aussagen und Anweisungen der zehn Sikh Gurus. Der Ewige Shabad Guru ist die Verkörperung der zehn Sikh Gurus, die Ausdruck der göttlichen Wahrhaftigkeit auf Erden sind.
  • Der Sikh Glaube lehnt den Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen ab. Die große Mehrheit der Sikhs sind Vegetarier. Getaufte Sikhs (Amritdharis), die dem Khalsa Panth angehören, ernähren sich lakto-vegetarisch.
  • Satguru Nanak Dev mit Bhai Mardana und Bhai Bala Ji
    Die 3 Grundprinzipien im Sikh Glauben

    Satguru Nanak Dev lehrte drei Grundlagen:

    • KIRAT KARO - Arbeite engagiert und aufrichtig für deinen Lebensunterhalt.
    • NAAM JAPO/NAAM SIMRAN - Erinnere Dich stets bei allem, was Du tust an Gott. Ein Sikh soll seinen Geist auf die göttliche Substanz, auf die Existenz und Realität Gottes (Naam) richten. Dies geschieht in Form von Naam Japo (Rezitation/Chanten) und Naam Simran (Meditation) auf die Identität Gottes mit dem Gur Mantar Waheguru. Waheguru ist die Terminologie für Gott in der Sikh Religion und das Gur Mantar.
    • WAND CHAKKO - Teile das, was du hast, mit anderen und den weniger Begünstigten in der Gesellschaft.

Was ist Sikhi ?

Sikhi ist ein universeller Lebens- und Glaubensweg zur Vereinigung mit Gott, der von Satguru Nanak Dev gelehrt wurde. Satguru Nanak Dev bot der Menschheit diesen Weg an, um das Leben durch Gyan - Wissen über Gott und seine Naturgesetze zu verstehen und um die Vereinigung mit dem universellen Schöpfer durch das Praktizieren von Naam Simran und Seva zu realisieren.

WAHEGURU bedeutet:

Wunderbarer Erleuchter und Schöpfer, jenseits aller Erklärungen, der die Dunkelheit von Ignoranz und Unwissenheit zerstört und das göttliche Licht von Wahrheit, Wissen, Weisheit und (Selbst) Erkenntnis offenbart.

NAAM beschreibt das

dynamisch, kreative Prinzip, die Grundlage göttlicher Substanz, die Realität und Existenz Gottes. Naam wird im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Gebeten ebenfalls als der Eine Name des Herrn beschrieben (Waheguru Naam).

Naam Simran im Willen Gottes zu praktizieren beschreibt Satguru Nanak Dev im Sri Japji Sahib in Pauri 25 "Band Khalasi Bhane Hoe". Das göttliche Licht von Akaal Purakh/Waheguru hat sich in der Sargun Form von Satguru Nanak Dev auf Erden manifestiert. Dieses Eine göttliche Licht (Divine Light) wurde auf alle Sikh Gurus und auf den Siri Guru Granth Sahib übertragen. Die Offenbarungen und Weisheiten des Siri Guru Granth Sahib sind universell, ewig-gültig, offen und zugängig für jeden Menschen. Die Gurbani inspiriert, erhebt und transformiert die Individual Seele. Für Sikhs stellt der Siri Guru Granth Sahib die höchste spirituelle, religiöse Führung dar. Der Sikh Glaube hat sich zur fünftgrößten Weltreligion entwickelt. Sikhi ist ein Glaube, der vereint und nicht trennt, sowohl individuell als auch kollektiv. Dogmen von Religionen und Exklusivität werden transzendiert. Sikhi verbindet die Menschen direkt mit der Quelle allen Ursprungs. Die Terminologie "Sikhi" wird im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Schriften für den Sikh Glauben benutzt. Die Begrifflichkeit des Sikhismus wurde von westlichen Historikern, wie den Engländern eingeführt. Die Begriffe Sikhi, Sikhismus und Sikh Religion werden alle eingesetzt, um heute den Sikh Glauben zu beschreiben.

Wie entstand der Sikh Glaube ?
Sri Nankana Sahib
Sri Nankana Sahib

Die Grundlagen der Sikhi sind von Satguru Nanak Dev und den neun nachfolgenden Sikh Gurus festgelegt worden. Bevor Guru Gobind Singh, der letzte Sikh Guru, 1708 diese Welt verließ, ordnete Er an, daß der Siri Guru Granth Sahib von nun an der Ewig-lebende Guru, die höchste spirituelle Autorität der Sikhs, sein wird. Im Sikh Glauben verweist das Wort Guru auf Gott. Guru und Gott werden oft synonym im Siri Guru Granth Sahib beschrieben. Die GURBANI ist das Wort Gottes/Gurus, daß Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus in Ihrem göttlich verankerten Bewußtsein von Waheguru (Gott) empfangen und der Menschheit offenbart haben - manifest im Ewigen Shabad Guru. Der Siri Guru Granth Sahib ist JAAGDI JOT, das ewig existierende Licht Gottes/Gurus, welches die Schöpfung und das menschliche Bewußtsein anhebt und die Methode zur Selbstrealisierung lehrt. Der Sikh Glaube hat sich zu einer der großen Weltreligionen entwickelt, zur fünftgrößten, mit derzeit über 27 Mio. Anhängern. Die Sikhi ist ein monotheistischer Glaube, der im Nordwesten Indiens im 15. Jahrhundert entstand. Von hier aus hat er sich weltweit verbreitet.

Der Siri Guru Granth Sahib ist die einzige Heilige Schrift in der Welt, die zu Lebzeiten ihrer Verfasser, den Sikh Gurus, offenbart, niedergeschrieben und zusammengestellt worden ist.

Die Glaubensinhalte der Sikh Religion sind im Siri Guru Granth Sahib, den Sikh Schriften und Anweisungen der Sikh Gurus artikuliert. Sie beinhalten tiefes Vertrauen und Glauben in Guru und Gott zu haben (Bhavana/Bharosa/Shardha), Waheguru Naam Meditation auf den Einen transzendenten, allesdurchdringenden allmächtigen, wundervollen Schöpfer, die Ausübung der Banis (Sikh Gebete), das Singen und Musizieren der Heiligen Hymnen (Shabad Kirtan), die Gemeinschaft aller Menschen, selbstloser Dienst (Seva), das Streben nach sozialer Gerechtigkeit zum Wohle und Wohlstand aller (Sarbat da Bhala), Teilen mit der Gemeinschaft (Wand Chakko), aufrichtiges Verhalten sowie das Bestreiten des Lebensunterhalts aus eigener Kraft (Kirat Karo). Die Sikh Gurus betonen stets die Wichtigkeit der Saadh Sangat, die Heilige Versammlung im Gottesdienst.

Die Sikhi entstand als Satguru Nanak Dev gemäß den traditionellen Sikh Quellen im Monat Katak (Okt./Nov) 1469 in Talwandi, im heutigen Sri Nankana Sahib (Pakistan), auf Erden erschien. Einige wenige Quellen geben den Monat April 1469 an. Das Erscheinen von Satguru Nanak Dev auf Erden wird stets im Oktober/November gefeiert.
Zur Zeit von Satguru Nanak Dev und den Sikh Gurus herrschten die Pathana, eine islamistische Kaste, über die Region, später die Mogulen. Es war eine Zeit der politischen, sozialen und religiösen Unruhen. Zwei der Sikh Gurus, der fünfte Sikh Guru, Guru Arjan Dev und der neunte Sikh Guru, Guru Tegh Bahadur, wurden von den Mogul Herrschern gefoltert und hingerichtet, nachdem Sie es ablehnten zum Islam zu konvertieren. Die beiden jüngsten Söhne des zehnten Sikh Gurus, Baba Zorawar Singh und Baba Fateh Singh wurden in einem zarten Alter bei lebendigem Leibe eingemauert, als auch sie es ablehnten, die Religion des Islams anzunehmen. Die islamische Ära der Hinrichtung von Sikhs, Hindus und anderen Glaubensrichtungen auf dem indischen Subkontinent, der Verlust von Freiheit, Selbstbestimmung und Rechtschaffenheit verursachte in der Bevölkerung gesellschaftliches Leid und Streß. Die praktische und höchst vorbildliche Lebensweise der Sikh Gurus, sowie die Offenbarung der Gurbani, deckten alle Aspekte der Vollkommenheit ab, sodaß der zehnte Sikh Guru, Guru Gobind Singh, an Vaisakhi 1699 im Willen Gottes (Hukam), den Khalsa Panth gründete und die Aufgaben an den Guru Khalsa Panth, die Gemeinschaft der Reinen und Souveränen, übergab. Der Khalsa Panth steht im Einsatz für die Aufrechterhaltung von Wahrheit (Sat) und Rechtschaffenheit (Dharam) auf Erden. Es waren die Sikhs, die das Ende der Mogulherrschaft in Indien einleiteten. Der Khalsa Panth bewahrt die Gurmat Lehre der Sikh Gurus und das grundlegende Wertesystem des Sikh Glaubens.

Satguru Nanak Dev etablierte das System einer kostenlosen Gemeinschaftsküche, bekannt als Guru Ka Langar, um die Wichtigkeit des Teilens und soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu demonstrieren. Das Guru Ka Langar steht für ein friedvolles, gerechtes Miteinander, unabhängig von Kaste, sozialem Status, Herkunft, Bildung, Geschlecht oder Glaubenszugehörigkeit. Die Institutionalisierung einer Freiküche, die das Kastensystem transzendiert, war zu jener Zeit sozial-gesellschaftlich, religiös und politisch revolutionär. Das Guru Ka Langar symbolisiert auf metaphysischer Ebene, daß jeder Mensch ein manifestierter Ausdruck des Einen transzendenten, alles durchdringenden, omnipräsenten Schöpfergottes ist. Das gemeinsame Essen verbindet die Menschen und stärkt das Konzept von Humanität und Brüderlichkeit untereinander.
Der sechste Sikh Guru, Guru Hargobind Sahib, etablierte das System von Miri-Piri, welches gleichwertig auf politisch-temporärer Ebene Miri und auf spiritueller Ebene Piri ko-existent ist. Guru Hargobind Sahib hat auf Anweisung Seines Vaters, Guru Arjan Dev, eine Verteidigungsarmee aufgebaut, um die Menschen vor Unterdrückung, Tyrannei und Zwangskonvertierung zu schützen. Die zukünftigen Krieger sollten über die Qualitäten eines Sant - Heiligen verfügen und die Qualitäten eines rechtschaffenen Kriegers - Sipahi in sich vereinen.

Der Begriff des Sant-Sipahi entstand in diesem Zusammenhang. Der Sant verweist auf eine weise und rechtschaffene Person. Eine Person, die Wissen und Erfahrung über Gott und Seine Schöpfung besitzt. Ein Sant ist stets mit Guru/Gott durch Waheguru Naam und Gurbani verbunden. Ein Sant vergisst nie den Einen Namen Gottes (Waheguru). Er lebt in Gottesfurcht und Hingabe. Der Sant handelt im Einklang und nach dem Willen Gottes. Sipahi bedeutet Krieger, bereit zu sein, sein Leben für einen rechtschaffenen Zweck einzusetzen. Ein Sant-Sipahi setzt sich für Wahrheit, Frieden, Freiheit und Rechtschaffenheit aller ein. Er hat die Aufgabe, die Schwachen und Unterdrückten zu beschützen und das Dharam, die Rechtschaffenheit auf Erden, zu bewahren.

Der Sikh Glaube sieht Gerechtigkeit als höchstes Gut der moralischen Ordnung an. Das Wort im Punjabi, welches dies verdeutlicht, ist Niau, Gerechtigkeit. Das Wort Dharam, Rechtschaffenheit, wird auch benutzt, um Gerechtigkeit zu vermitteln im Sinne einer moralischen Ordnung. Ein Angriff auf die Rechtschaffenheit (Dharam) bedeutet ein Angriff auf die Gerechtigkeit und somit auf die moralische Ordnung.

Die Grundlagen im Sikh Glauben

Satguru Nanak Dev betonte Kirat Karō: ein Sikh sollte aufrichtig seinen Lebensunterhalt verdienen und einen Ausgleich zwischen Arbeit, Anbetung und Nächstenliebe herstellen, sowie die Menschenrechte aller verteidigen. Sikhs werden ermutigt, stets ein Chardi Kala, eine optimistische Sichtweise im Leben, zu bewahren. Der Sikh Glaube verweist auf Naam Japo/Naam Simran, der Rezitation und Meditation auf die Identität Gottes mit dem Gur Mantar Waheguru. Die Lobpreisung Gottes wird durch Shabad Kirtan, dem Singen und Musizieren der Heiligen Hymnen ausgedrückt. Das Lesen und Rezitieren der Gurbani, die Ausübung des Nitnem, der täglichen Sikh Gebete, das Prinzip des Teilens, Waṇḍ Chakko, das Guru ka Langar, die freie Gemeinschaftsküche, die Heilige Versammlung im Gottesdienst der Sikhs, die Saadh Sangat, bilden die Grundlagen in der Sikh Lehre. Ein Sikh sollte einen Zehntel seines Einkommens für wohltätige Zwecke spenden, dies ist als Daswandh bekannt. Die Sikh Gurus etablierten ein distinktes Glaubenssystem, um die Anwesenheit Gottes zu spüren, um sich mit Akaal Purakh Waheguru zu verbinden und dabei die Einflüsse der Maya, der temporären vergänglichen Erscheinugnswelt und die fünf Feinde (Panj Chor) Kaam/Lust, Krodh/Wut,Zorn, Lobh/Gier, Moh/emotionale und materielle Anhaftung, Ahankar/Ego, zu transformieren.

Die Sikh Religion betont das Prinzip der Gleichstellung aller Menschen und lehnt Diskriminierung auf Basis von Kaste, Herkunft, Beruf, Religion und Geschlecht ab. Die Sikh Prinzipien ermutigen zu einem Leben als Haushälter (Grisht), Menschen, die im Leben stehen, ihren familiären und beruflichen Pflichten nachgehen und dabei ein auf Gott ausgerichtetes Leben führen.

Satguru Nanak Dev lehrte:

Ein aktives, kreatives und bodenständiges Leben voller Aufrichtigkeit, Treue, Selbstbeherrschung und Reinheit zu führen, das über der metaphysischen Wahrheit steht. Der ideale Mensch ist derjenige, der den Willen Gottes erkennt, ihn ausführt und im Willen Gottes lebt und die Vereinigung mit Gott realisiert.

Es gibt nur Einen Schöpfergott - IK OANKAR

Nirgun und Sargun Aspekt

Der Sikh Glaube weist darauf hin, daß es nur Einen Schöpfergott - Ik Oankar gibt, der omnipräsent, omnipotent, allmächtig, alles erschaffend, das Universum und die unzähligen Schöpfungen kreierte und in allem existent ist. Diese singuläre Entität von Ik Oankar drückt sich in zwei Aspekten aus: Nirgun und Sargun.

Im Nirgun Aspekt ist der Schöpfer ohne Attribute, unmanifest, abstrakt, formlos (Nirankar), nicht sichtbar, jedoch alles durchdringend und über Seine Schöpfungen wachend, der ewige, zeitlose, transzendentale Aspekt der göttlichen Realität und Wahrheit.

Der Schöpfer wird im Nirgun Aspekt mit folgenden Terminologien in der Sikhi beschrieben:

  • WAHEGURU
    Wahe: wundervoller Schöpfer/Erleuchter, der jenseits aller Erklärungen ist.
    Guru: Gu bedeutet Dunkelheit - Ru, der die Dunkelheit zerstört und das göttliche Licht von Wahrheit, Wissen und (Selbst) Erkenntnis offenbart.
  • AKAAL PURAKH: der ewige, zeitlose und unsterbliche Schöpfer, der jenseits von Zeit und Raum ist.
  • SATGURU: der wahre Aspekt und Ausdruck der göttlichen Wahrhaftigkeit. Der Satguru ist ohne Dualität. Satguru Nanak Dev ist die manifeste Sargun Form von Akaal Purakh Waheguru auf Erden - Ik roop hai.
  • SAT NAM: Sein Name ist wahr. (Gottes Name ist wahr). Seine Identität ist wahr.

Im Sargun Aspekt manifestiert sich Gott in zahlreichen Formen und Leben, ausgestattet mit Attributen, Qualitäten und Eigenschaften. Der wundervolle Schöpfer Waheguru ist in allen Seinen manifestierten Schöpfungen anwesend. Alles was existiert, trägt das Licht und die Energie Gottes in sich.

Im Sikh Glauben verweist das Konzept Gottes auf WAHEGURU. Waheguru ist der Schöpfer und die Basis des gesamten Universums. Gott ist gestaltlos, zeitlos und unsichtbar Niraṅkār, Akaal und Alakh. Am Anfang des ersten Textes im Siri Guru Granth Sahib steht geschrieben, daß Gott omnipräsent mit unendlicher Kraft über Allem steht und dies durch den Begriff von Ik Oankar - Es gibt nur einen Schöpfergott verdeutlicht wird. Die Sikhs glauben, daß vor jeder Schöpfung nur Gott und Shabad (Wort) existierte und das durch Gottes Wille (Hukam) der gesamte Kosmos und die Schöpfungen erschaffen wurden.

Das Konzept Gottes wird auch als Akaal Purakh, der zeitlose ewige Schöpfer, der niemals stirbt, sich jenseits von Zeit und Raum befindet und Niraṅkār formlos, beschrieben. Satguru Nanak Dev hat desweiteren erklärt, daß das Verständnis von Akaal jenseits der menschlichen Wahrnehmung liegt, doch zur selben Zeit nicht unverständlich oder zugängig sei. Akaal Purakh ist omnipräsent Sarav Viāpak in allen Schöpfungen und für die Weisen und spirituell Erwachten überall wahrnehmbar. Satguru Nanak Dev betonte, daß Gott durch das Innere Auge und das Herz eines Menschen, das sich Gott öffnet, mit Seiner Gnade wahrgenommen werden kann. Satguru Nanak Dev hat hierzu den Kanal des Gottes Namen für die Menschheit in Form des Gur Mantar Waheguru offenbart. Naam, die Existenz und Realität Gottes und die Gurbani, das Wort Gottes/Gurus, haben einen kosmischen Klang. Dieser wird in der Gurmat Lehre als Naad bezeichnet. Die kosmische Klangschwingung des Universums. Durch das Praktizieren von Waheguru Naam Meditation und dem sich Verbinden mit Gurbani wird diese kosmische Klangschwingung schrittweise im menschlichen Bewußtsein belebt und manifestiert sich.

Singe für immer die glorreichen Lobeshymnen des makellosen wahren Schöpfers und der makellose Klangstrom des Naad wird im Inneren vibrieren.
Sing the Glorious Praises of the Immaculate True Lord forever, and the Immaculate Sound-current of the Naad shall vibrate within. (SGGS, Ang 121)
Der Guru sagt uns: Durch die Wiederholung von Naam erklingt der Klangstrom des Naad.
The Guru tells us: Repeating the Naam, the Unstruck Sound-current of the Naad resounds.
(SGGS, Ang 1144)

Die Essenz der Sikh Lehre ist von Satguru Nanak Dev in diesen Worten zusammengefasst:

Realisierung der Wahrheit ist höher als alles andere. Noch höher ist ein wahrhaftiges Leben.

Die transzendente Schöpfer Seele

Die kosmische All-Seele des Schöpfers ist geschlechtsunspezifisch, transzendent allumfassend, bedingungslose reine Liebe, Stille, ewige Glückseligkeit, Frieden, Unbegrenztheit, unsterblich, ungebunden und zeitlos. Gott war, ist und wird für immer die höchste, allmächtige, ewig-existierende Wahrheit und Realität sein.

Der Schöpfer ist kosmisch unbegrenzte Liebe und Freude, Er liebt Seine Schöpfungen und Manifestationen bedingungslos.
(SGGS, Ang 784, M. 5)

Im Siri Guru Granth Sahib wird Gott als Ehemann (Husband Lord), als bester Freund, Vater, Mutter und Geliebter beschrieben. Die Individual Seele wird als die Seelen-Braut (Soul-bride) bezeichnet. Die Seelen-Braut steht hier synonym für beide Geschlechter, weiblich als auch männlich. Die Seele hofft und wartet nach langer Trennung auf den Tag der Wiedervereinigung mit ihrem geliebten wahren Ehemann, dem Ursprung allen Seins. Diese Analogie beschreibt die Vereinigung der Individual Seele mit der All-Seele Gottes. Die Individual Seele hat ihren Ursprung, ihr wahres Zuhause in der allmächtigen kosmischen All-Seele des Schöpfers. Der Tod bedeutet im Sikh Glauben nicht automatisch das Einswerden mit Gott. Die Seele, manifest im menschlichen Körper, unterliegt dem sich wiederholenden Prozeß von Kommen und Gehen, dem Zyklus von Geburt und Sterben (Reinkarnation), gemäß dem Karma des Einzelnen, bis Akaal Purakh/Waheguru (Gott) in Seiner Liebe, Güte und Gnade die Individual Seele mit Ihrem Ursprung, mit der transzendentalen, ewig-existierenden kosmischen All-Seele Gottes vereint. Diese Wiedervereinigung mit der Schöpfungsquelle ist mit unbeschreiblicher Stille, Frieden und Freude beschrieben. In diesem Moment erreicht die Individual Seele die Einheit mit Waheguru (Gott) und der Zyklus von Geburt und Tod ist beendet und damit die Anhaftung an den relativen Bereich des Lebens (Maya). Die Befreiung der Seele kann bereits zu Lebzeiten geschehen. Diese Person wird im Siri Guru Granth Sahib als Jivan Mukti, ein zu Lebzeiten Befreiter beschrieben, als auch in der Transmigrationsphase, wenn die Seele das Körperkleid verlässt. Die verschiedenen Raags, die den Siri Guru Granth Sahib strukturieren - 31 Haupt Raags, 31 Mishrat Raags in 17 Taala, befassen sich mit der Thematik von Trennung, Schmerz, Sehnsucht, Traurigkeit, Schönheit, Freude, Erfüllung und Befreiung. Jede dieser Raag beschreibt und korrespondiert mit einer spezifischen Gefühlsstimmung (siehe Shabad Kirtan - Raag).

Das Ik Oankar Symbol
Ik - eins
Oan - bedeutet, die alles erschaffende, organisierende und auslöschende Kraft Gottes
Kar - beschreibt den Schöpfer, der sich in der gesamten Schöpfung manifestiert
Ik Oankar = Es gibt nur Einen Schöpfergott.

Das Khanda Symbol: Das Khanda Zeichen ist nach dem Ik Oankar Symbol ein weiteres wichtiges Symbol in der Sikh Religion. Die Sikh Flagge ist bekannt als Nishan Sahib. Sie beinhaltet das Khanda Zeichen. Die Flagge der Sikhs wurde erstmals 1606 über den Sri Akaal Takht, dem höchsten Sitz der temporalen Sikh Autorität, installiert. Die Nishan Sahib wird auch als "Akal Dhuja - die unsterbliche Flagge" und "Satguru ka Nishan - das Zeichen des wahren Gurus", bezeichnet. Das Khanda Zeichen beinhaltet eine Kollektion von vier Waffen. Im Zentrum steht das zweischneidige Schwert, das die kreative Kraft Gottes, das gesamte Universum und das Schicksal des Universums repräsentiert. Das Khanda steht für das göttliche Wissen, seine Klingen trennen die Wahrheit von der Falschheit. Die Bedeutung der zwei Krummschwerter: das erste Schwert steht für die politisch/weltliche Führung (Miri) und das zweite Schwert symbolisiert die spirituelle Kraft und Führung (Piri). Im Inneren der zwei Schwerter um das Khanda befindet sich ein Kreis, der Chakkar genannt wird. Zwischen beiden, Miri und Piri - muß ein Gleichgewicht bestehen, dies wird durch den inneren Kreis symbolisiert. Er umfasst die gesamte göttliche Manifestation und stellt die Anfangs- und Endlosigkeit als auch die Perfektion Gottes und Seiner Zeitlosigkeit dar.

                  

Mool Mantar / Mool Mantra

Das Mool Mantar (Mool Mantra) beschreibt den universellen omnipräsenten Schöpfergott und fasst zugleich das gesamte Konzept Gottes im Sikh Glauben zusammen. Das Mool Mantar ist traditionell so, wie es am Eingang des Sri Harmandir Komplex steht, von Ik Oankar bis Nanak hosee bhee sach. Das Mool Mantar von "Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach" erhält der getaufte Sikh (Amritdhari) seit Vaisakhi 1699 in der originalen Amrit Sanchar Taufzeremonie in den Khalsa Panth.

Der zehnte Sikh Guru, Guru Gobind Singh, hat die Grundlagen seit 1699 festgelegt, dazu gehören die Panj Bania, die 5 Morgengebete, eine Meditation mit dem Mool Mantar und eine Meditation mit dem Gur Mantar Waheguru, sowie das Abendgebet Rehras Sahib und das Nachtgebet Kirtan Sohila.

Einige neu entstandene Gruppierungen des 20. Jahrhunderts, wie SGPC, AKJ, Sikhnet, Yogi Bhajan, Sikh Missionaries u.a. definieren und rezitieren das Mool Mantar bis "Gurprasad". Sie sind in den Jahren 1925, 1945, 1961, 1973 und 1990 entstanden. Die Neu-Definierung des Mool Mantar bis Gurprasad, wurde durch die SGPC und deren damals beauftragten Gelehrten und Vertretern verschiedener Sikh Gruppen eingeführt. In der traditionellen Gurmat Lehre geht das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach. Die SGPC wurde beauftragt, die historischen Gurudwaras zu verwalten, dies trat mit dem Gurudwara Act von 1925 in Kraft. Im Laufe der Zeit hat die SGPC, die direkt unter politische Führung steht, auch in inhaltliche Grundlagen des Sikh Glaubens eingegriffen. Heute ist die SGPC eine wichtige Sikh Institution, die u.a. das SGPC Relief Work Programm anbietet. Dies beinhaltet Hilfe bei Überflutungen, finanzielle Unterstützung der Hinterbliebenen von 1984. Die SGPC engagiert sich aktiv in der Krebshilfe. Die Projekte der SGPC bestehen aus der SGGS World University, dem SGRD Medical College und diversen Lehreinrichtungen. Für die Erhaltung und Pflege der Sikh Gurudwaras im Punjab und in Indien ist die SGPC ein wichtiges administratives Organ.

Es gibt Grundlagen der traditionellen Gurmat Lehre, die von Satguru Nanak Dev und den Sikh Gurus festgelegt und definiert wurden. Von dieser Grundlage haben sich, wie in jedem Glauben, verschiedene Gruppen und Sekten mit unterschiedlichen Sichtweisen abgespalten.

Die originalen Grundlagen der Sikh Lehre (Gurmat) werden durch die alten traditionellen Taksals, wie von Taksal Bhai Mani Singh, Baba Deep Singh von Damdami Taksal, den Nihang Sampardaye, die über 300-450 Jahre alt sind und direkt mit den Sikh Gurus verbunden waren, von Generation zu Generation bewahrt, gelehrt und weitergegeben. Zahlreiche bekannte Sikh Gurudwaras, Gursikhs und Sikh Institutionen, wie die Nanaksar Sampardaye, Bucho Sahib, Rampur Khera, Sampardaye Rarewaleh, Hoti Mardan Sampardaye, Mata Kaulan Ji Bhalaayee Kendar u.v.a. lehren gemäß der traditionellen Gurmat Lehre das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

Folgende bekannte Taksals und Sampardaye rezitieren das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

  • Der Taksal von Bhai Mani Singh befindet sich in Sato Wali Ghali. Der zehnte Sikh Guru, Guru Gobind Singh, diktierte Bhai Mani Singh den gesamten Siri Guru Granth Sahib in Damdama Sahib - Sabo Ki Talwandi auswendig. Bhai Mani Singh war der Haupt-Granthi im Sri Harmandir Sahib in Amritsar. Er war ein berühmter Sikh Gelehrter und Sikh Märtyrer (Shaheed). Bhai Mani Singh wurde von den Mogulen lebendig zerhackt, als er die gewünschte Geldsumme, die die Mogulen von ihm verlangten, nicht erbringen konnte. Der Taksal von Bhai Mani Singh wurde auf direkte Anweisung von Guru Gobind Singh gegründet. Seit seiner Entstehung wird das Mool Mantar dort traditionell von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach gelehrt.
  • Baba Deep Singh war der erste Jathedar von Damdami Taksal, der höchsten Schule des Lernens für Santhiya, Gurbani und Sikh Itihaas. Er kam in jungen Jahren in Kontakt mit Guru Gobind Singh. Baba Deep Singh diente sein ganzes Leben loyal dem Guru Haus. Baba Deep Singh kämpfte gemeinsam mit Banda Singh Bahadur in den Schlachten von 1708-1715. Baba Deep Singh war Führer der Misl Shaheedan Tarna Dal. Er zählt zu den berühmtesten Sikh Märtyrern in der Sikh Geschichte. Im Kampf um die Verteidigung des Sri Harmandir Sahib kämpfte Baba Deep Singh mit Pathan Jahan Khan. Während dieses Kampfes schlugen sich beide gleichzeitig ihre Köpfe mit den Schwertern ab. Baba Deep Singh, noch lebend, trug seinen Kopf in der linken Hand und kämpfte mit seinem Schwert in der rechten Hand auf dem Weg in den Parkama des Sri Harmandir Sahib weiter, wo er dann seinen Kopf hinlegte und in Sach Khand, in die höchste Ebene der Wahrheit, in das Reich Gottes, einging. Baba Deep Singh wurde vom zehnten Sikh Guru, Guru Gobind Singh, beauftragt, den Taksal in Damdama Sahib zu gründen, um dort die Bedeutung von Gurbani und Santhiya, die korrekte Aussprache von Gurbani, zu lehren. Seit Entstehung von Damdami Taksal und ihrem ersten berühmten Führer, Baba Deep Singh, wird das Mool Mantar traditionell von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach gelehrt.
  • Nirmalas, diese Sampardaye ist bekannt als Bhai Daya Singh Sampardaye, sie geht auf Bhai Daya Singh zurück, einem der originalen fünf Panj Pyare, die an Vaisakhi 1699 von Guru Gobind Singh getauft worden sind. Oft von westlichen Gelehrten unzureichend oder fehlerhaft interpretiert, sind die Nirmalas wichtige führende intellektuelle und philosophische Gelehrte in der Interpretation von Gurbani. Zu ihnen zählen:

    Sant Baba Atta Singh Mastuanwaleh
    Sant Baba Nand Singh (Nanaksarwaleh)
    Sant Baba Aya Singh Hoti Mardanwaleh
    Sant Baba Karam Singh

    Bhai Daya Singh, direkter Panj Pyare von Guru Gobind Singh, teilte die Leitung auf zwei Personen auf:
    1. Baba Seva Singh, von dem die Nanaksar Sampardaye abstammt.
    2. Baba Sobha Singh, von dem die Rarewaleh und die Hoti Mardan Sampardaye abstammen.

  • Die Nihangs sind die Verteidiger des Sikh Glaubens und dessen grundlegendem Wertesystem. In der Militärgeschichte der Sikhs sind sie die herausragenden Sant-Sipahi. Sie standen direkt unter der Anleitung der Sikh Gurus. Die Nihangs rezitieren das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach. Es gibt den berühmten Nihang Panth Tarna Dal, den Nihang Panth Budha Dal, die Nihang Sampardaye Baba Bidhi Chand und weitere Nihang Gruppierungen.
  • Sampardaye Bhai Kanhaiya. Bhai Kanhaiya war ein berühmter Gursikh, der dem Feind auf dem Schlachtfeld Wasser gab. Als die Khalsa Armee das sah, beschwerte sie sich bei Guru Gobind Singh über das Verhalten von Bhai Kanhaiya. Daraufhin befragte Guru Gobind Singh Bhai Kanhaiya, warum er dies tat. Bhai Kanhaiya erwiderte: Überall, wo ich hinschaue, sehe ich nur Dich mein Herr. Ich sehe überall das Eine Licht Gottes in allem existent - Ik Noor. Guru Gobind Singh erteilte Bhai Kanhaiya die Anweisung, dem Feind auf dem Schlachtfeld nicht nur Wasser zu geben, sondern auch ihre Wunden mit Salbe und Verbänden zu versorgen. Die Sampardaye Bhai Kanhaiya ist heute gleichbedeutend mit dem Roten Kreuz. Diese Sampardaye rezitiert das Mool Mantar gemäß der originalen Gurmat Tradition von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach. Das Beispiel von Bhai Kanhaiya spiegelt die Gurmat Lehre der Sikh Gurus wider, in allen Existenzen den Schöpfer wahrzunehmen, die Dualität des Geistes zu transzendieren und diese ewige Wahrheit zu erkennen. Bevor Guru Gobind Singh in die Verteidigungskriege ging, verneigte Er sich vor Seinen Opponenten. Er verneigte sich vor der Allgegenwart Gottes. Jede Manifestation ist von Gott erschaffen, das Licht Gottes, Seine Energie ist überall anwesend, jedoch in jeder Form vom Bewußtsein her unterschiedlich entwickelt. Fehlgeleitet durch die Maya und den Panj Chor (Fünf Dieben), zu dem das Ego gehört, ist der Geist von Ignoranz und Arroganz überschattet. Die Menschen verletzen die Naturgesetze Gottes und kreieren Unterdrückung und Unrechtschaffenheit. Die Pfeile der Sikh Gurus waren oft mit Goldspitzen versehen, um dem Feind möglichst wenig Schmerz zuzufügen und die Blutung zu minimieren. Es heißt, wenn die Sikh Gurus und Ihre Armeen gegen die Oppressoren kämpften und diese im Kampf getötet wurden, daß sie als Gnade von der Wiedergeburt befreit wurden. So groß und allumfassend war die Liebe der Sikh Gurus für die Schöpfung Gottes, in dem auch die negativen Kräfte ihre Rolle zu spielen haben.

  • Der Udasi Orden wurde von Baba Sri Chand, dem Sohn von Satguru Nanak Dev, gegründet. Der Orden rezitiert seit seiner Entstehung bis heute traditionell das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.
  • Der Bedi Clan sind direkte Nachkommen von Satguru Nanak Dev. Sie residieren in Una Sahib. Während der Zeit des zehnten Sikh Gurus wurde Baba Kaladhar Ji persönlich von Guru Gobind Singh mit Khande di Pahul (Amrit Taufe) gesegnet und getauft. Baba Kaladhar Ji war der Führer des Bedi Clans. Der Bedi Clan rezitiert seither in Una Sahib das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

Eine Diskussion und Argumentation über die Länge des Mool Mantar ist daher unnötig, da diejenigen, die der traditionellen Gurmat Lehre folgen, weiterhin von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach rezitieren und die jungen, neu entstandenen Gruppierungen des 20. Jahrhunderts bis Gurprasad rezitieren.

Gemäß der traditionellen Gurmat Lehre gibt es 5 Haupt Mantar

Bhai Jagraj Singh (Basics of Sikhi UK)
über die 5 Haupt Mantar -
in der traditionellen Gurmat Lehre
  • 1. Beej Mantar - Ik Oankar
  • 2. Maha Mantar - Ik Oankar bis Gurprasad
  • 3. Mool Mantar - Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach
  • 4. Mala Mantar - Sri Japji Sahib
  • 5. Gur Mantar - Waheguru
Mool Mantar
Lesen und Hören
Gurmukhi - Transliteration
Mool Mantar
historische Erklärung
Veechar - Gurmat Studien
Mool Mantar
Gurbani Paath Darpan
historische Erklärung

Bhai Gurdas diente insgesamt vier Sikh Gurus. In Vaar 39, Pauri 1 beschreibt und erklärt Bhai Gurdas gemäß der Gurmat Lehre das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

ਏਕੰਕਾਰੁ ਇਕਾਂਗ ਲਿਖਿ ਊੜਾ ਓਅੰਕਾਰੁ ਲਿਖਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੧

ਸਤਿਨਾਮ ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ ਨਿਰਭਉ ਹੁਇ ਨਿਰਵੈਰੁ ਸਦਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੨

ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ ਪਰਤਖਿ ਸੋਇ ਨਾਉ ਅਜੂਨੀ ਸੈਭੰ ਭਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੩

ਗੁਰ ਪਰਸਾਦਿ ਸੁ ਆਦਿ ਸਚੁ ਜੁਗਹ ਜੁਗੰਤਰੁ ਹੋਂਦਾ ਆਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੪

ਹੈਭੀ ਹੋਸੀ ਸਚੁ ਨਾਉ ਸਚੁ ਦਰਸਣ ਸਤਿਗੁਰੂ ਦਿਖਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੫

ਸਬਦੁ ਸੁਰਤਿ ਲਿਵਲੀਣੁ ਹੁਇ ਗੁਰੁ ਚੇਲਾ ਪਰਚਾ ਪਰਚਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੬

ਗੁਰੁ ਚੇਲਾ ਰਹਰਾਸਿ ਕਰਿ ਵੀਹ ਇਕੀਹ ਚੜ੍ਹਾਉ ਚੜ੍ਹਾਇਆ। ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੭

ਗੁਰਮੁਖਿ ਸੁਖ ਫਲੁ ਅਲਖ ਲਖਾਇਆ ॥੧॥ ਵਾਰਾਂ ਭਾਈ ਗੁਰਦਾਸ : ਵਾਰ ੩੯ ਪਉੜੀ ੧ ਪੰ. ੮

One Oankar, the primal energy, realized through the grace of divine preceptor Pauri 1 (Invocation) That homogenous supreme reality (God) first was written as numeral one in Mool Mantar - the credal formula and then He was inscribed as Ura syllabe of Gurmukhi, further pronounced as Oankar. Then He was called Satnam, the Truth by Name, Karta purakh, the creator Lord, nirbhau, the fearless one, and nirvair withour rancour. Then emerging as the timeless Akal Moorat to be called as unborn and self-existent. Realized through the grace of Guru the divine preceptor, the current of this primeval Truth (God) has continously been moving since before the beginning and throughout the Ages. He is verily the Truth and will continue to be the Truth for ever. The true Guru has made available (for me) the glimpse of this Truth. One who merging his conciousness in the Word establishes a relationship of Guru and disciple, only that disciple devoting himself to the Guru and progressing from worldliness attunes his conciousness in and with the Lord. The Gurmukhs have had the glimpse of imperceptible Lord who is the fruit of delights.
ੴ ਸਤਿਨਾਮੁ ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ ਨਿਰਭਉ ਨਿਰਵੈਰੁ ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ ਅਜੂਨੀ ਸੈਭੰ ਗੁਰਪ੍ਰਸਾਦਿ ॥ ਜਪੁ ॥ ਆਦਿਸਚੁ ਜੁਗਾਦਿਸਚੁ॥ ਹੈਭੀਸਚੁ ਨਾਨਕ ਹੋਸੀਭੀਸਚੁ॥੧॥

Es gibt nur Einen Schöpfergott. Ik Oankar
ਸਤਿਨਾਮੁ Sein Name ist wahr. Seine Existenz ist wahr. Satnam
ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ Der Schöpfer aller Manifestationen, alldurchdringend. Karta Purakh
ਨਿਰਭਉ Ohne Furcht. Nirbhao
ਨਿਰਵੈਰੁ Ohne Feindschaft. Nirvair
ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ Der Schöpfer ist unsterblich. Akaal Murat
ਅਜੂਨੀ Jenseits von Geburt. Ajuni
ਸੈਭੰ Selbstexistierend - selbsterleuchtend. Saibhang
ਗੁਰਪ੍ਰਸਾਦਿ Realisiert durch die Gnade des wahren Gurus. Gur prasad
॥ ਜਪੁ ॥ Rezitiere/Chante. ॥ Jap ॥
ਆਦਿਸਚੁ Der Schöpfer existierte von Anbeginn. Aadh sach
ਜੁਗਾਦਿਸਚੁ Er existierte vor Seiner Schöpfung und in allen vier Zeitaltern. Jugaadh sach
ਹੈਭੀਸਚੁ Gott ist hier und jetzt wahr. Hai bhee Sach
ਨਾਨਕ ਹੋਸੀਭੀਸਚੁ॥੧॥ Guru Nanak Dev sagt, Gott wird für immer und ewig existent und wahr sein. Nanak hosee bhee Sach ॥1॥

Links: Das runde Thaal von Guru Gobind Singh befindet sich in Sri Hazoor Sahib, Nanded (Maharashtra). Es zeigt das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach.

Rechts: Auf dem Brustschild von Guru Gobind Singh ist das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach eingraviert. Das Schild ist heute im Moti Bag Museum zu besichtigen.

Am Bein Fluß, wo Akaal Purakh/Waheguru (Gott) Satguru Nanak Dev das Mool Mantar offenbarte, steht der historische Gurudwara Sant Ghat.

Hier ist das Mool Mantar von Ik Oankar bis Nanak Hosee bhee sach über dem Eingang des Gurudwaras eingemeißelt.

Gur Mantar Waheguru (Gurmantra)

Wa-he: ist der wundervolle Erleuchter und Schöpfer, in Worte nicht zu fassen, jenseits aller Erklärungen, absolute-ewige Glückseligkeit, allumfassende Liebe, Stille, Frieden, Unbegrenztheit, unsterblich, zeitlos, der Ausdruck der höchsten ewigen transzendentalen Wahrheit.
Gu-ru: Gu bedeutet Dunkelheit, Unwissenheit, Ignoranz, Überschattung, Anhaftung an den relativen Bereich des Lebens (Maya)
Ru ist das göttliche Licht, welches die Dunkelheit, Ignoranz und Unwissenheit im Bewußtsein vertreibt und die Seele mit dem göttlichen Licht von Wahrheit, Wissen und (Selbst) Erkenntnis segnet.

Naam Japo/Naam Simran zu praktizieren, bildet laut Satguru Nanak Dev und den Sikh Gurus eine der Hauptgrundlagen im Sikh Glauben, um sich mit der wundervollen All-Seele des Schöpfers zu verbinden.

Naam ist die Existenz und Realität Gottes, die Grundlage allen Seins. Naam wird im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Schriften ebenfalls als der Name des Herrn beschrieben. Naam ist durchtränkt vom kosmischen Klang (Naad), der sich allen Sikh Gurus und gesegneten Gursikhs in Form des "Gur Mantar Waheguru" in ihrem eigenen Bewußtsein - durch die Gnade des wahren Gurus (Gottes) offenbarte.

Gursikhs wurden und werden mit Waheguru Naam gesegnet. Dieser Vorgang ist ein Prozeß der persönlichen, inneren Erfahrung.
Bei der Amrit Taufe in den Khalsa Panth werden die getauften Sikhs (Amritdharis) gemeinsam von den fünf Geliebten, den Panj Pyare, in das Gur Mantar Waheguru initiiert.

Nanak sagt: Das Gur Mantar ist in mir eingegeben worden. Dieser Name allein befindet sich in meinem Herzen.
(SGGS, Ang 188)
Meditiere auf den makellosen Herrn und durchtränke deinen Geist mit Ihm... Oh Geist, es gibt nur eine Medizin, ein Mantra und eine Heilung – fokussiere dein ganzes Bewußtsein fest auf den Einen Herrn.
(SGGS, Ang 156)
Diejenigen, die mit Deiner Gnade gesegnet werden, erhalten den Juwel von Naam, den Namen des Herrn.
(SGGS, Ang 12)
Ich habe den Namen des Herrn erworben, Seine Süße, Sein Wert sind unbeschreiblich.
(SGGS, Ang 436)
Der Eine Name ist der wahre Schatz, der wahre Reichtum, Oh Pandit höre auf diese wahren Lehren.
(SGGS, Ang 492, M. 3)
Der perfekte Guru hat den Namen des Herrn in mir implementiert; er hat meine Zweifel von innen zerstreut... Ich bleibe liebevoll auf den Einen Herrn eingestimmt. Naam, der Name des Herrn verweilt in mir.
(SGGS, Ang 1424 M. 4)
Wo es keine Mutter, Vater, Kinder, Freunde oder Geschwister gibt, Oh mein Geist, wird der Name des Herrn bei dir sein und dir Hilfe und Unterstützung geben. Wo der große und schreckliche Bote des Todes versuchen wird, dich zu vernichten, da wird nur Naam mit dir gehen. Wo Schwierigkeiten und Hindernisse unerträglich schwer sind, wird der Name des Herrn dich in einem Augenblick retten. Mit der Durchführung unzähliger religiöser Rituale wirst du nicht gerettet werden. Der Name des Herrn wäscht Millionen von Sünden ab. Als Gurmukh, rezitiere den Naam, Oh mein Geist. O Nanak, Du wirst unzählige Freuden erhalten.
(Gauri Sukhmani, M. 5)
Die vielen religiösen Rituale, gute Taten des Karmas und die dharmische Anbetung - über alledem steht Naam, der Name des Herrn.
The many religious rituals, good deeds of karma and dharmic worship - above all of these is the Naam, the Name of the Lord.
(SGGS, Ang 405)

Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus beschreiben im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Gebeten, daß der Gottsuchende sich mit Naam, der göttlichen Existenz, der göttlichen Allmacht, in Form des Gur Mantar Waheguru verbinden sollte, um in diesem und in kommenden Leben die Verbindung mit dem allmächtigen Schöpfer (Waheguru) zu festigen, um über den Weltozean der illusionären Scheinwelt, der Maya zu gelangen, bis die Individual Seele, die Einheit mit der kosmischen All-Seele des Schöpfers, realisiert. Das Einswerden mit dem wundervollen Schöpfer geschieht durch Seine Liebe und durch Seine Gnade. Der Schöpfer hat zahlreiche Namen, mit denen Er von Seinen Anhängern und Verehrern addressiert wird und zugleich ist Er auch namenslos. Im Siri Guru Granth Sahib wird der Schöpfer mit verschiedenen Namen aufgeführt, aber nur der Eine Name Waheguru ist im Sikh Glauben zugleich auch das Gur Mantar Waheguru, welches Satguru Nanak Dev von Akaal Purakh Waheguru in Sach Khand erhielt, um die Menschheit mit Waheguru Naam zu segnen.

Satguru Nanak Dev lehrt in Siri Raag, SGGS Ang 72:

Eyk Naam Hukam hai - Nanak Satgur diya bujhaa-ey Jio

Der Eine Name ist das Gebot, die Anweisung des Herrn.
Oh Nanak, der Wahre Guru hat mir dieses Verständnis gegeben.

The One Name is the Lord´s Command.
O Nanak, the True Guru has given me this understanding.

Bhai Gurdas schreibt in Vārān 13, Pauri 2

WAHEGURU ist GUR MANTAR, durch meditieren darauf wird das Ego ausgelöscht.

In Vārān 24, Pauri 1 erläutert Bhai Gurdas:

Der wahre Guru Nanak Dev inspirierte die Menschen, sich an den wahren Namen des Herrn zu erinnern, dessen Form die Wahrheit ist. Er gründete Dharamsala, den Platz des Dharma in Kartarpur. Dieser Platz, von der Wahrheit bewohnt, wurde der Aufenthaltsort der Heiligen Versammlung (der Sikhs). Guru Nanak segnete und übermittelte das Wort "Waheguru" an die Menschen.

Gurbani, das Wort Gottes/Gurus, die Sikh Gebete (Nitnem Banis) und Naam, die Existenz und Realität Gottes, Sein Mantar, Sein Name haben eine tiefe Bedeutung im Sikh Glauben. Der Aspirant wird mit Waheguru Naam und Gurbani gesegnet, sie geben ihm die Kraft, Vertrauen, Stärke und Ausdauer, die bindenden Einflüsse der Maya und ihre Botschafter, die fünf Feinde zu überwinden. Das Gur Mantar Waheguru wird hier das Gefährt, um sich mit Waheguru - Gott direkt zu verbinden.

Der Name Waheguru wird das Instrument um Gott, den Herrn, zu realisieren. In Raag Bhairon betont Guru Arjan Dev, daß der Name dieselbe Intensität von Wahrheit und Qualität in sich trägt, wie die Realität Gottes, die göttliche Substanz Naam selbst. Um die Beziehung der menschlichen Seele mit ihrem Schöpfer herzustellen, haben die Sikh Gurus den Kanal des göttlichen Namens in Form des Gur Mantar der Menschheit zu Verfügung gestellt. Der Schüler und Suchende, der diesen göttlichen Namen adoptiert, oder mit Naam durch den wahren Guru gesegnet wird, kann sich mit der universellen All-Seele des Schöpfers direkt verbinden.

Innere Erkenntnis, das Leben in Demut, Mitgefühl, Gottesfurcht, Liebe, Aufrichtigkeit, Natürlichkeit, Hilfsbereitschaft, Stärke, Mut, Brüderlichkeit und Vergebung zu leben, ist die Aufgabe eines jeden Sikhs. Alle Tugenden kommen, wie Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus immer wieder im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Gebeten stets betonen, aus NAAM, aus dem göttlichen Ursprung allen Seins, aus den Qualitäten Gottes, aus Seinem Einen Namen.

Ein moral-ethisch auf Gott ausgerichtetes Leben in der Sikh Religion wächst demnach aus dem sich konstanten Verbinden mit Guru/Gott durch WAHEGURU NAAM Rezitation/Meditation, durch das Lesen, Rezitieren, Beten und Singen der GURBANI, dem Heiligen Wort Gottes/Gurus und NISHKAM SEVA, dem selbstlosen Dienen.

Für mehr Informationen über das Gur Mantar Waheguru - Waheguru Naam Meditation können Sie hier beim DISR unter Gur Mantar Waheguru nachlesen.

(Auszug von: www.sikh-religion.de)

Maya - die temporäre Erscheinungswelt

Maya wird als eine temporäre Illusion, Scheinwelt und Unwirklichkeit definiert. Sie ist eine der grundlegendsten Ablenkungen bei dem Vorhaben Gott zu erreichen. Dort, wo weltliche Anziehung und Verhaftung dem Menschen temporäre Befriedigung von Freude sowie temporäres Leid geben, wird der Suchende im Prozeß der Hingabe zu Gott aufgehalten. Satguru Nanak Dev betont, daß die Maya nicht als eine Referenz zur Unwirklichkeit der Welt anzusehen sei, sondern aufgrund ihrer Qualitäten, Eigenschaften und Einflüsse, die sie repräsentiert. Sobald der Mensch von Gott, vom Namen Gottes getrennt ist, können die Einflüsse der Maya die Individual Seele noch stärker an die mondäne, temporäre Erscheinungswelt binden und durch sie operieren. Infolgedessen akkumuliert die Individual Seele neues Karma und der Kreislauf von Geburt und Tod (Reinkarnation) kann nicht durchbrochen werden. Akaal Purakh/Waheguru (Gott) hat die fünf Elemente, die Panj Tattva kreiert. Im Siri Guru Granth Sahib auf Ang 1031 werden sie als:
Ap (Wasser), Tej (Feuer), Vaaye (Luft) Pirthmi (Erde) und Akash (Äther) bezeichnet.
Gott hat die Maya, die temporäre Erscheinungswelt und Illusionen erschaffen, aus ihr gehen die 3 Qualitäten (Gunas): Tamas, Rajas und Sattwa hervor. Sie wirken als materielle Natur durch den gesamten Schöpfungsmechanismus hindurch. Die Eigenschaften der Maya und die fünf Diebe (siehe Panj Chor) binden und überschatten jeden Menschen.

ਰਜ ਗੁਣ ਤਮ ਗੁਣ ਸਤ ਗੁਣ ਕਹੀਐ ਇਹ ਤੇਰੀ ਸਭ ਮਾਇਆ ॥ ਚਉਥੇ ਪਦ ਕਉ ਜੋ ਨਰੁ ਚੀਨ੍ਹ੍ਹੈ ਤਿਨ੍ਹ੍ਹ ਹੀ ਪਰਮ ਪਦੁ ਪਾਇਆ ॥੨॥:
Raj gun tam gun sat gun kaheeai ih teri sabh maya. Chauthe pad kau jo nar cheenai tin hee param pad paaiaa ||2||

Rajas, die Qualität von Energie und Aktivität, Tamas, die Qualität von Dunkelheit und Trägheit und Satva, die Qualität von Reinheit und Licht, werden alle als die Kreation der Maya beschrieben, Deine Illusion. Die Person, die den vierten Bewußtseinszustand verwirklicht, sie allein erlangt den höchsten Zustand.

Raajas, the quality of energy and activity; Taamas, the quality of darkness and inertia; and Satva, the quality of purity and light, are all called the creations of Maya, Your illusion. That man who realizes the fourth state - he alone obtains the supreme state. (SGGS, Ang 1123)

Gott selbst hat die Maya, die materielle Natur und das Spiel der Kräfte, erschaffen. Im folgenden werden die Qualitäten von Gott, der absoluten ewig-existierenden Realität und der Maya, dem relativen, vergänglichen Bereich der Schöpfung gegenüber gestellt.

Maya Gott - Akaal Purakh Waheguru
Asat = ist nicht wahr. Sat = Gott ist wahr.
Jarh = tote Entität, vergänglich, nicht beständig. Chit = Gott ist ewig existent.
Dukh = Leid, Kummer, Sorgen und Schmerzen. Anand = Gott ist ewige Glückseligkeit, Anand, Bliss, unbegrenzte Freude, Liebe, Stille, Frieden.

Die vier Schichten der Persönlichkeit (Antischkarm), die Akaal Purakh/Waheguru (Gott) verdecken, sind:

Man Geist
Budh Intellekt, Wissen, Unterscheidungskraft.
Chit Speicher von Erfahrungen, Zweifel, Probleme.
Ahankar/Haumai Ego - Ich Bewußtsein.

Wenn diese vier Ebenen der individuellen Persönlichkeit transzendiert werden, ist der Zustand von Brahm Gyan und von Sehaj Avasta erreicht.

Fünf Diebe - Pānj Chor

Im Sikh Glauben sind die Einflüsse von Lust, Zorn, Gier, emotionale/materielle Anhaftung und Ego als die Fünf Diebe (Pānj Chor) bekannt, von denen man weiß, daß sie den Weg zu Gott erschweren. Sikhs glauben, daß sich die Welt im Zyklus des Kali Yuga befindet. Das Kali Yuga ist das Zeitalter der Dunkelheit und Ignoranz, wo die Welt und das menschliche Bewußtsein durch die Liebe zur Dualität, Bindung und Anhaftung an die Maya, die Einheit mit Gott verhindert. Der menschliche Geist befindet sich in der Illusion von Gott getrennt zu sein.

  • Kaam       Lust
  • Krodh      Wut/Zorn
  • Lobh        Gier
  • Moh         Emotionale/materielle Anhaftung
  • Ahankar/Haumai  Ego

Fünf Tugenden

Die Fünf Tugenden werden durch die Verankerung im Namen Gottes Waheguru, durch Liebe und Hingabe zu Gott, dem sich stetigen Verbinden mit Gurbani, Seva (ehrenamtliche Arbeit), Shabad Kirtan (Singen der Lobpreisungen Gottes), der Saadh Sangat (Heilige Versammlung) und durch aufrichtiges Bemühen belebt. Die fünf Tugenden können sich schrittweise im menschlichen Bewußtsein enfalten. Durch das kraftvolle Wort des Shabad wird der Geist gereinigt und die operierenden Kräfte (Panj Chor) transformiert, sodaß die Erfahrung von der ewigen Wahrheit Gottes und die fünf Tugenden in der Individual Seele zu erstrahlen beginnen. Somit ist der Lebens- und Glaubensweg der Sikhi einzigartig.

  • Sat          Wahrhaftigkeit
  • Daya       Mitgefühl
  • Santokh Zufriedenheit
  • Nimrata  Demut, Wohlwollen, Bescheidenheit
  • Pyar        Liebe zu Gott und Seiner Schöpfung
Überwindung der Maya

Das Schicksal der Menschen, die den Fünf Dieben (Panj Chor), den Eigenschaften der Maya ständig ausgeliefert sind, resultiert in der Trennung zu Gott, was zu Dualität, Verlust von Seelenfrieden, Liebe, Mitgefühl, Respekt und Rechtschaffenheit führt. Handlungen, die sich gegen das göttliche Naturgesetz richten, häufen auf individueller, als auch kollektiver Ebene neues Karma an. Um den schwer zu kontrollierenden Geist zu bändigen, ihn von den Millionen von Eindrücken der Lebenszyklen zu reinigen, ihn von der Anhaftung an die Maya zu befreien, wird dem Aspiranten im Sikh Glauben der Eine Name Gottes, das Eine Mantra - Gur Mantar Waheguru als Medizin verschrieben.

Naam ist die alles heilende Medizin und Naam ist der Akt der Wiedergutmachung. Der Name des Herrn, Gott, ist die Unterstützung der Seele und der Atem des Lebens.
Naam is the all-curing medicine and Naam is the act of atonement. The Name of the Lord, God, is the Support of the soul and the breath of life.
(SGGS, Raag Gauri, Ang 184)

ਹਰਿ ਕਾ ਨਾਮੁ ਅੰਮ੍ਰਿਤੁ ਹੈ ਦਾਰੂ ਏਹੁ ਲਾਏਹੁ ॥
Der Name des Herrn ist Amrit - Nimm diese heilende Medizin.
The Name of the Lord is Amrit - Take this healing medicine.
(SGGS, Ang 554)
ਹਰਿ ਕਾ ਨਾਮੁ ਅੰਮ੍ਰਿਤ ਜਲੁ ਨਿਰਮਲੁ ਇਹੁ ਅਉਖਧੁ ਜਗਿ ਸਾਰਾ
Der Amrit Name des Herrn, das makellose, unbefleckte Wasser des Gottes Namen, ist die beste Medizin in der Welt.
Amrit-Naam of the Lord, Immaculate Water of the Lord's Name, is the best medicine in the world.
(ਇਸ ਸਰੀਰਕ ਮੋਹ ਨੂੰ ਮਿਟਾਣ ਦਾ)
(SGGS, Ang 659)

Mit der liebevollen und aufmerksamen Rezitation des Gur Mantar Waheguru beginnt der Geist eine Verbindung zur universellen Schöpfungsquelle aufzubauen. Der Geist beginnt sich zu reinigen, sich nach Gott zu sehnen. Er nimmt die Existenz und die Qualitäten des Schöpfers immer mehr im eigenen Bewußtsein auf. Die Liebe zum Schöpfer nimmt dabei stetig zu und der Transformationsprozeß der Individual Seele nimmt ihren Lauf. Der Geist hat die Aufgabe von Waheguru, die Dualität zu transzendieren und die alles zugrunde liegende Einheit in allem wahrzunehmen.

System der Sikh Gurus

Ein Leben in Hingabe an Waheguru Gott zu leben, eine optimistische Grundeinstellung Chardi Kala zu bewahren, den Willen Gottes, Sein Hukam zu akzeptieren, sich stets an Gott zu erinnern, in Form von Naam Japo/Naam Simran, Shabad Kirtan zu praktizieren, die Ausübung der täglichen Nitnem Banis (Sikh Gebete) und das selbstlose Dienen Seva in der Gemeinde als auch in der globalen Gesellschaft, werden dem Sikh die Kraft geben, die Einflüsse der Maya, die Fünf Feinde und die vier Ebenen der Persönlichkeit zu transformieren. Sie werden mit der Gnade Gottes eines Tages vollständig transzendiert werden, um die Einheit mit dem allmächtigen Schöpfergott zu realisieren. Die Sikh Gurus betonen stets die Wichtigkeit der Saadh Sangat. Die Transformation der Individual Seele findet in der Heiligen Versammlung, im Gottesdienst der Sikhs, in der Saadh Sangat statt. Die Sikhs glauben, daß die Gemeinschaft der Heiligen, die Saadh Sangat, ein wichtiger Schlüssel ist, um die Einflüsse der Maya und die fünf Diebe, zu dem auch das Ego gehört, zu reduzieren, zu transformieren. Die Sikhs verbinden sich in der Saadh Sangat direkt mit der Gurbani, mit Guru und Gott. Hier wird das Wort, der Name und die Existenz Gottes gelobpreist, meditiert und besungen.

Siri Guru Granth Sahib - Gurbani offenbart uns:

Schließe Dich der Saadh Sangat an, die Gesellschaft der Heiligen; vibriere und meditiere über den Juwelen des Namen.
Join the Saadh Sangat, the company of the holy; vibrate and meditate on the jewel of the Naam.
Ohne die Saadh Sangat, die Gesellschaft der Heiligen, wird er (der Mensch, sein Geist) nicht zufriedengestellt sein. Ohne den Namen erleiden alle Kummer und Sorgen.
Without the Saadh Sangat, the company of the holy, he will not be satisfied. Without the Name, all suffer in sorrow.
Oh mein lieber Herr der Seelen, derjenige, der sich der Saadh Sangat anschließt, der wahren Gesellschaft, ist gerettet.
O my dear Lord of souls, one who joins the Saadh Sangat, the true congregation, is saved.
In der Saadh Sangat, der Gesellschaft der Heiligen, wirst du vollkommen rein werden und die Schlinge des Todes wird weggeschnitten werden.
In the Saadh Sangat, the company of the holy, you shall become absolutely pure, and the noose of death shall be cut away.
Seit ich mich der Gesellschaft der Heiligen angeschlossen habe, habe ich Frieden und Ruhe gefunden. Ich werde mich von dort nicht wieder entfernen.
Joining the Saadh Sangat, the Company of the Holy, I have found peace and tranquility; I shall not wander away from there again.

Satguru Nanak Dev lehrt:

Der wahre Guru ist in der Saadh Sangat zu finden, der wahren Versammlung. Tag und Nacht lobe das Wort Seines Shabad.
The true Guru is found in the Saadh Sangat, the true congregation. Day and night, praise the word of his Shabad.

Satguru Nanak Dev's Ideal ist das Öffnen des Selbst zum göttlichen Namen und die Anpassung an das Dharam, der Rechtschaffenheit. Dies ist die göttliche Anweisung (Hukam). Satguru Nanak Dev beschreibt das Ergebnis der disziplinierten Anwendung von Naam Simran als ein

Wachsen in Richtung Gott

Die letzte Ebene ist Sach Khand, das Reich der absoluten Wahrheit und Ewigkeit, die endgültige Vereinigung mit Gott - das Reich Gottes.

Die vier Lebensquellen der Schöpfung - Char Khani:
  • 1. Andaj: Leben geboren aus dem Ei.
  • 2. Jeraj: Leben geboren aus dem Mutterleib, Placenta, Geburtskanal.
  • 3. Setaj: Leben geboren aus (körperlichen) Absonderungen wie Schweiß, Hitze (Mikroben, Bakterien).
  • 4. Utbhuj: Leben geboren von der Erde, Vegetation, Pflanzen etc.
ਅੰਡਜ ਜੇਰਜ ਉਤਭੁਜ ਸੇਤਜ ਤੇਰੇ ਕੀਤੇ ਜੰਤਾ ॥
Die Geschöpfe geboren aus Eiern, geboren vom Mutterleib, geboren aus der Erde, geboren vom Schweiß, sind alle von Dir erschaffen. (SGGS, Ang 596)
The beings born of eggs, born of the womb, born of the earth and born of sweat, all are created by You.
ਅੰਡਜ ਜੇਰਜ ਸੇਤਜ ਉਤਭੁਜ ਸਭਿ ਵਰਨ ਰੂਪ ਜੀਅ ਜੰਤ ਉਪਈਆ ॥
Leben ist geboren aus dem Ei, vom Mutterleib, aus Schweiß und von der Erde; Gott kreiierte die Geschöpfe und Wesen in allen Farben und Formen. (SGGS, Ang 835)
Life is born from the egg, from the womb, from sweat and from the earth; God created the beings and creatures of all colors and forms.
ਅੰਡਜ ਜੇਰਜ ਸੇਤਜ ਉਤਭੁਜ ਘਟਿ ਘਟਿ ਜੋਤਿ ਸਮਾਣੀ ॥
Sein Licht erfüllt jedes Herz, die aus Eiern geboren sind, vom Mutterleib, aus dem Schweiß und von der Erde. (SGGS, Ang 1110)
His Light fills all those born of eggs, born from the womb, born of sweat and born of the earth, each and every heart.
ਅੰਡ ਬਿਨਾਸੀ ਜੇਰ ਬਿਨਾਸੀ ਉਤਭੁਜ ਸੇਤ ਬਿਨਾਧਾ ॥
Jene von Eiern geboren werden vergehen, jene die aus dem Mutterleib kommen, werden vergehen, jene die von der Erde und aus dem Schweiß kamen, werden vergehen. (SGGS, Ang 1206)
Those born of eggs shall pass away, and those born of the womb shall pass away. Those born of the earth and sweat shall pass away as well.
ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਜਿਨਿ ਸਿਰੀ ਸਭਸੈ ਦੇਇ ਅਧਾਰੁ ॥
Der Schöpfer, der die 8.4 Millionen Arten von Geschöpfen erschuf, unterstützt und erhält sie alle. (SGGS Ang, 27)
The One who created the 8.4 million species of beings gives sustenance to all.
ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਤਰਸਦੇ ਜਿਸੁ ਮੇਲੇ ਸੋ ਮਿਲੈ ਹਰਿ ਆਇ ॥
Die 8.4 Millionen Arten von Wesen sehnen sich alle nach dem Herrn. Diejenigen, die Er vereint, werden mit dem Schöpferherrn vereinigt. (SGGS, Ang 29)
The 8.4 million species of beings all yearn for the Lord. Those whom He unites, come to be united with the Lord.
ਸਚ ਖੰਡਿ ਵਸੈ ਨਿਰੰਕਾਰ ॥ ਕਰਿ ਕਰਿ ਵੇਖੈ ਨਦਰਿ ਨਿਹਾਲ ॥
Im Reich der Wahrheit befindet sich der formlose Schöpfer. Nachdem er die Schöpfung erschuf, wacht er über sie. Durch seinen barmherzigen Blick der Gnade verleiht er das Geschenk von Freude und Glück. (SGGS, Ang 8)
In the realm of Truth, the Formless Lord abides. Having created the creation, He watches over it. By His Glance of Grace, He bestows happiness.

Karma ਕਰਮ - Das Gesetz von Ursache und Wirkung

Jeder Mensch ist aufgrund seiner Taten und Handlungen, die er vollzieht, an den Auswirkungen und Folgen gebunden. Dies wird mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung, der Karmatheorie im Sikh Glauben beschrieben. Karma ist das ausgleichende Gesetz für die evolutionäre Entwicklung der Einzel-Seele. Alle Eindrücke, alle Taten, ob positiv oder negativ, werden in der Individual Seele gespeichert. Welche Taten und Handlungen ein Mensch auch immer vollzieht haben einen Effekt, eine Auswirkung auf individueller als auch auf kollektiver Ebene. Das Konzept des Karmas wird von Religionen des Buddhismus, Hinduismus, Jainismus und dem Sikhismus geteilt.

ਜੇਵੇਹੇ ਕਰਮ ਕਮਾਵਦਾ ਤੇਵੇਹੇ ਫਲਤੇ ॥
Man erhält die Früchte gemäß der Taten, die man tut.
One obtains fruits according to the deeds which he does.
(SGGS, Ang 317)
Der Körper ist das Feld von Karma in diesem Zeitalter, was auch immer Du säst, wirst Du ernten.
The body is the field of karma in this age, whatever you plant, you shall harvest.
(SGGS, Ang 78)
ਦੁਖੁ ਸੁਖੁ ਦੀਆ ਜੇਹਾ ਕੀਆ ਸੋ ਨਿਬਹੈ ਜੀਅ ਨਾਲੇ
Gott verleiht Schmerz und Freude, gemäß der Taten, die das Individuum vollzogen hat. Die Aufzeichnung all´ dieser Handlungen und Taten bleiben bei der Seele.
God bestows pain and pleasure, according to the deeds done; the record of these actions stays with the Soul.
(SGGS, Ang 581)

Im Sikh Glauben werden drei Formen von Karma beschrieben:

  • Sanchit: Karma, daß wir über viele Leben angesammelt haben.
  • Paralabdh: Karma, daß wir in dieses Leben mitbringen.
  • Kiriaman: Das gegenwärtige Karma, welches aus den neuen Handlungen entsteht.

Im Sikhismus kann das Karma durch das Konzept von Gottes Gnade Nadar, Mehar, Kirpa, Karam etc. verändert werden:

Nadar ਨਦਰਿ bedeutet übersetzt, in Seinem - Gottes barmherzigen Blick zu sein. Das Wort Nadar stammt vom arabischen Wort Nazar ab und bedeutet "Blick/Gunst". Das Fundament von Nadar ist, das der allmächtige, barmherzige Schöpfergott Seine Schöpfungen jederzeit beeinflussen und ändern kann, und somit auch das Karma des Individuum, wenn dies Sein Wille ist. Die Sikh Gurus akzeptierten die Lehre vom Karma nicht als ein unveränderliches Gesetz, sondern als ein System der Natur, das dem Hukam - dem Willen Gottes und Nadar, der göttliche Gnade unterworfen liegt. Satguru Nanak Dev fügte diese zwei Komponenten zum Konzept der Karma Lehre der östlichen Religionen hinzu. Das regulierende göttliche Gesetz von Ursache und Wirkung - Karma, kann demzufolge "nur" durch die Gnade Gottes (Nadar) "abgemildert oder außer Kraft gesetzt" werden, wenn dies Sein Wille ist. Gurbani lehrt, daß der Mensch sein Karma in vielen Lebenszyklen selbst erschuf und das dieses Karma abgearbeitet und ausgeglichen werden muß und daß Gott dem Menschen die Kraft dazu geben wird, es durchzustehen. Dem Konzept von Nadar liegt zugrunde, daß Akaal Purakh/Waheguru auf die tiefen und aufrichtigen Gebete Seiner Menschenkinder reagiert, die Ihn um Seine Gnade und um Vergebung bitten. In den Heiligen Hymnen des Siri Guru Granth Sahib betonen die Sikh Gurus, wie unentbehrlich Gottes Gnade in der spirituellen Suche und Entwicklung ist.

Die folgenden Begriffe, die das Konzept von Nadar (Gottes Gnade) ausdrücken, sind:

  • Mehar - Liebe, Gunst, Gnade
  • Kirpa - Segen, Gnade, Zärtlichkeit (Kirpa Katakh - Blick oder Gnadengabe)
  • Karam - Gunst und Gnade
  • Bakhshish - Segen, Gabe, Geschenk, Bewilligung seiner Gnade

Satguru Nanak Dev lehrt:

Der Körper wird aufgrund von Karma geboren, aber Erlösung wird nur durch die Gnade Gottes erreicht. (SGGS, Ang 2)
ਗੁਰ ਕਾ ਸਬਦੁ ਕਾਟੈ ਕੋਟਿ ਕਰਮ ॥੩॥੧॥:
Guru´s Shabad vernichtet Millionen von (vergangenem schlechten) Karma.
The Guru's Shabad eradicates millions of (past bad) Karma ||3||1||
(SGGS, Ang 1195)
Die vielen religiösen Rituale, gute Taten des Karmas und die dharmische Anbetung - über alledem steht Naam, der Name des Herrn.
The many religious rituals, good deeds of karma and dharmic worship - above all of these is the Naam, the Name of the Lord.
(SGGS, Ang 405)
Auf dem Gebiet der Handlungen und Karma pflanze den Namen des Herrn, diese Gelegenheit ist so schwer zu erlangen.
In the field of actions and karma, plant the Lord's Name, this opportunity is so difficult to obtain.
(SGGS, Ang 812)

Auf Gottes Namen Waheguru meditieren, sich mit Gurbani, dem Wort des Shabad verbinden, beten, lesen, rezitieren, Seva praktizieren, gute und noble Handlungen vollziehen, baut positives Karma auf und vernichtet das negativ angesammelte Karma.

Reinkarnation und die Fünf Reiche - Panj Khand

Im Sri Japji Sahib, welches von Satguru Nanak Dev offenbart wurde, werden fünf Reiche (Ebenen) aufgeführt, die die Individual Seele in Ihrer Evolution durchläuft, um sich aus dem Rad der Reinkarnation von Tod und Wiedergeburt herauszulösen. Die Vereinigung mit der allmächtigen Schöpfer Seele wird im Siri Guru Granth Sahib und in den Sikh Gebeten ausführlich beschrieben.

Khand bedeutet Reich, Ort, Ebene. Es gibt fünf Reiche: Dharam, Gyan, Saram, Karam und Sach. Sie verweisen auf die Ethik von der Wurzel bis hin zum Thron des Allmächtigen.

  • Dharam Khand: ist das Reich der Rechtschaffenheit, das grundlegende spirituelle Gesetz. Diese Ebene beinhaltet für die eigenen Taten die Verantwortung zu übernehmen; sich für eine aufrichtige, rechtschaffene Handlungsweise einzusetzen sowie ein moral-ethisch, auf Gott ausgerichtetes Leben zu führen. Der Mensch ist Gott gegenüber für die Taten, die er begeht, verantwortlich. In diesem Reich wird die Wahrheit von der Unwahrheit, die rechtschaffenen von den unrechtmäßigen Handlungen eines jeden beurteilt. Dharam Khand ist die Ebene für die Leistung wahrer Taten und frommer Handlungen.
  • Gyan Khand (Gian): ist das Reich des göttlichen Wissens. Diese Ebene verleiht die tiefe Weisheit über Gott und Seine Schöpfungsmechanismen. In diesem Reich wird spirituelle Illumination und Anand (Bliss) erfahren. Im Sri Japji Sahib wird erwähnt, daß hier unzählige Formen von Luft, Wasser und Feuer exisiteren. In Gyan Khand gibt es zahlreiche Quellen der Schöpfung. Unzählige Sonnen, Monde, Galaxien, Universen, Yogis, Erleuchtete Seelen, höchste Asketen, Inkarnationen von Göttinnen, unzählige Krishnas, Shivas, Brahmas, unzählige Gläubige, die Gott lieben und dienen, residieren in diesem Reich. Alle sind hier im Namen Gottes vertieft.
  • Saram Khand: Mit göttlichem Wissen gesegnet, betritt die Indiviudual Seele den Bereich spiritueller Bemühungen. Hier ist die Schönheit das allesdurchdringende Attribut. Einzigartig schöne Formen ohne Parallele werden in Saram Khand geformt. Im Bereich der spirituellen Bemühungen ist die Sprache und die Melodie des spirituellen Glücks wundervoll. Diese Ebene beinhaltet die vollständige Reinigung des Geistes durch spirituelle Praxis. In dieser Sphäre werden göttliche Intuition, Vision, Weisheit und Erleuchtung des Geistes geformt.
  • Karam Khand: ist das Reich der göttlichen Gnade. Selbstlosigkeit führt zu göttlicher Gnade und Stärke des Geistes. Auf dieser Ebene der göttlichen Gnade ist die spirituelle Macht die treibende Hauptkraft. Wie im Sri Japji Sahib beschrieben, residieren in Karam Khand die mächtigsten Krieger und Helden. Hier ist jeder vom Bewußtsein Gottes eingefärbt, voll und ganz mit Seiner Bewunderung verschmolzen. Die Formen hier sind von unschreiblicher Schönheit. Sie sind mit Gott vereint. Weder Tod noch Täuschung (Maya) haben Zugriff auf diese Sphäre. Der formlose Schöpfer verweilt in diesem Reich.
  • Sach Khand: ist das Reich der absoluten Wahrhaftigkeit und Ewigkeit Gottes. Das Sri Japji Sahib offenbart, daß dies die Wohnstätte Gottes ist, wo der formlose Schöpfer residiert. Seine gesamte Schöpfung ist unter dem Blick Seiner Gnade. Der Schöpfungszyklus ist grenzenlos und unbeschreiblich. In diesem Reich sind alle Kontinente, Universen und alle Seine Schöpfungen enthalten. Sie alle unterliegen Seinem Hukam, Seiner Anweisung (Willen). Hier wacht der Schöpfer in Glückseligkeit über Seine Schöpfungen. Wenn die Individual Seele dieses Reich der Wahrheit betritt, verschmilzt sie mit der göttlichen All-Seele des Schöpfers.
ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਭ੍ਰਮਤਿਆ ਦੁਲਭ ਜਨਮੁ ਪਾਇਓਇ ॥
Durch 8,4 Millionen Inkarnationen bist du gewandert, um dieses seltene und wertvolle menschliche Leben zu erhalten.
Through 8.4 million incarnations you have wandered, to obtain this rare and precious human life.
(SGGS, Ang 50)
ਲਖ ਚਉਰਾਸੀਹ ਫੇਰੁ ਪਇਆ ਬਿਨੁ ਸਬਦੈ ਮੁਕਤਿ ਨ ਪਾਏ ॥
Sie wandern durch den Zyklus von 8,4 Millionen Reinkarnationen; ohne den Shabad erreichen sie keine Befreiung.
They wander around the cycle of 8.4 million reincarnations; without the Shabad, they do not attain liberation.
(SGGS, Ang 67)
Die vier Schätze

Im Sikh Glauben gibt es die vier Padarath ਚਾਰਿ ਪਦਾਰਥੁ: Padarath kann als Schatz, Reichtum und Segen übersetzt werden.

Auf der spirituellen Reise der Individual Seele durchläuft diese verschiedene Stadien, um die Vereinigung mit dem allmächtigen Schöpfer zu realisieren. Diese vier Schätze, die Char Padarath ( ਚਾਰਿ ਪਦਾਰਥੁ) sind:

  • Janam Padarath (ਜਨਮੁ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz der spirituellen Geburt/Leben
    (Treasure of Spiritual Birth/Life)
  • Gyaan Padarath (ਗਿਆਨੁ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz des spirituellen Wissens
    (Teasure of Spiritual Knowledge)
  • Naam Padarath (ਨਾਮੁ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz des göttlichen Wissens (Gottes Anweisung)
    (Treasure of Divine Wisdom - supreme command)
  • Mukt Padarath (ਮੁਕਤਿ ਪਦਾਰਥੁ)
    Schatz der Erlösung/Befreiung
    (Treasure of Salvation)
Die vier Purusharthas

Im Siri Guru Granth Sahib werden die vier Purusharthas u.a. auf Ang 816, Ang 927, Ang 1201 wie folgt erwähnt:

ਧਰਮ ਅਰਥ ਅਰੁ ਕਾਮ ਮੋਖ ਦੇਤੇ ਨਹੀ ਬਾਰ ॥੨॥
Ḏẖaram arath ar kām mokẖ ḏeṯe nahī bār. ||2||
Er zögert nicht, mich mit rechtschaffenen Glauben, Wohlstand, Wunscherfüllung (Erfolg) und Befreiung zu segnen.

He does not hesitate to bless me with Dharmic faith, wealth, fulfillment of desire and liberation. ||2||
(SGGS, Ang 816)
ਧਰਮ ਅਰਥ ਅਰੁ ਕਾਮ ਮੋਖ ਮੁਕਤਿ ਪਦਾਰਥ ਨਾਥ ॥
Ḏẖaram arath ar kām mokẖ mukaṯ paḏārath nāth.
Rechtschaffener Glaube, Wohlstand, Wunscherfüllung und Erlösung; der Herr schenkt diese vier Segnungen.

Righteous faith, wealth, fulfillment of desire and salvation; the Lord bestows these four blessings.
(SGGS, Ang 927)
  • Dharam: Rechtschaffenheit - righteousness
  • Arth:       Wohlstand - prosperity/wealth
  • Kam:      Erfüllung der Wünsche (Erfolg)
                   fulfillment of desire
  • Mokh:     Befreiung - liberation
Vier Ströme des Feuers

Im Siri Guru Granth Sahib werden die vier Ströme des Feuers beschrieben:

Die vier furchtbaren Ströme des Feuers fließen durch den Körper. Einige wenige verstehen das einzigartige, göttliche Wort durch die Gnade des Gurus.
The four dreadful streams of fire flow through the body. Some rare understand the unique Divine Word by the Grace ot the Guru.
Die vier Ströme des Feuers fließen in unserem Körper. Der Mensch verbrennt sich in Wunsch und Ego.
The four streams of fire flow in our body. Man burns in desire and ego.
Durch die Lehre des Gurus, Gurmat folgend, habe ich das ambrosiale Wasser von Naam (den Namen Gottes) erhalten. Das Feuer in mir wurde ausgelöscht. Das Wort des Shabad Guru hat es beseitigt.
Following the Gurus' Teaching Gurmat, I have obtained the Ambrosial Water of the Naam, and the fire has been put out. The Word of the Guru's Shabad has put it out.
Der Gurmukh beseitigt die vier Feuer mit dem Wasser vom Namen des Herrn.
The Gurmukh puts out the four fires, with the water of the Lord's Name.

Die vier Ströme des Feuers sind:

  • Gewalt (Violance/killing)
  • Weltliche Anhaftung, die Liebe zur Maya, zur Dualität (worldly attachment, love of Maya & Duality)
  • getriebene Gier und Wünsche (Greed/desire)
  • Wut, Zorn, Hass (wrath/anger/hate)

Die vier Türen zum Göttlichen
  • 1. Sat
  • 2. Satguru
  • 3. Sat Naam (Waheguru)
  • 4. Sat Purakh

Auf dem Weg der Wahrheit kann Lüge und Falschheit nicht voranschreiten. Die erste Tür öffnet sich für eine Person, die danach strebt ein wahres und aufrichtiges Leben zu leben. Dies führt sie zur zweiten Tür. Hier trifft sie auf den Satguru und die dritte Tür öffnet sich. Die Person wird mit Sat Naam, dem göttlichen Namen (Waheguru) gesegnet. Der Satguru führt den Aspiranten dann zur vierten Tür zu Sat Purakh (Gott). Der evolutionäre Entwicklungsweg beschreibt die Stationen von der tierischen Natur zum Menschen hin, vom Menschen zu einem spirituellen Wesen, von einem gläubig, spirituellem Wesen zur Selbstverwirklichung und von der Selbstverwirklichung zur Gottverwirklichung. Die Karma Philosophie im Sikh Glauben hat das Ziel, den Menschen auf die Ebene anzuheben, wo er Naam Simran ausüben kann. Positive, reine und aufbauende Handlungen reinigen den Geist und machen ihn fit für den Weg des Göttlichen Namens.

  • 1. Karam Marg
  • 2. Naam Marg
  • 3. Bhagti Marg
  • 2. Sehaj Marg

Reine, auf die Wahrheit ausgerichtete Handlungen, führen den Aspiranten auf den Weg von Naam. Naam Simran mit Bewußtsein ausgeführt, ruft die Gnade und den Segen von Prem (Liebe) hervor. Prem - Liebe, die sich durch Hingabe (Bhagti) offenbart, führt zum ultimativen Eintauchen in Sehaj Avastha.

Every breath which is flavoured with Naam, with devotion, with faith, is like a fragent flower offered at the Lotus feet of the Beloved Satguru and these flowers do not lose their freshness, flavour and charm and ultimately lead one to liberation... Love of God swallows all love for false (worldy) attachments.
(Baba Nand Singh Ji)
ਸਤਿਗੁਰੁ ਮੇਰਾ ਬੇਮੁਹਤਾਜੁ ॥
My True Guru is totally independent.
ਸਤਿਗੁਰ ਮੇਰੇ ਸਚਾ ਸਾਜੁ ॥
My True Guru is adorned with Truth.
(SGGS, Ang 1142)

Die Ethik im Sikh Glauben

Die Notwendigkeit den Geist zu kontrollieren und die fünf Diebe, zu dem auch das Ego gehört, zu unterwerfen, werden immer wieder in der Sikh Religion gelehrt. Alle Tugenden, wie Wahrheit - SAT, Zufriedenheit - SANTOKH, Liebe - PREM, Mitgefühl - DAYA, Hingabe Bhagti, Selbstloser Dienst - SEVA, Wohltätigkeit - DHANA, Vergebung - KSANA, Demut - NIMRATA, Geduld - DHEERJH, Nicht-Anverhaftung - VAIRAGYA und Keuschheit/Enthaltsamkeit - TAIGA, bilden die ethischen Grundlagen im Sikh Glauben. In unserer heutigen Zeit sind diese grundlegenden Werte, die Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus lehrten, mehr denn je gefragt und notwendig, um ein positives individuelles Wachstum als auch ein kollektiv-globales konstruktives Miteinander in der Welt zu fördern.

Gurbani und Raag Kirtan - Shabad Kirtan

Sikhs verweisen auf die Heiligen Hymnen der Sikh Gurus und Bhagats in Form der Gurbani, dem Wort Gottes/Gurus, welches Satguru Nanak Dev und die Sikh Gurus in Ihrem göttlich verankerten Bewußtsein von Akaal Purakh Waheguru empfangen und der Menschheit offenbart haben. Shabad Kirtan ist das Singen und Musizieren dieser Heiligen Hymnen. Die gesamten Verse des Siri Guru Granth Sahib sind in einer Form von Poesie und Reim verfasst, um in 31 Haupt Raags, 31 Mishrat Raags und in 17 Taala rezitiert zu werden. Satguru Nanak Dev begann die Shabad Kirtan Tradition. Er und die Sikh Gurus betonen die Wichtigkeit Shabad Kirtan zu praktizieren. Das Singen und Hören von Shabad Kirtan ist ein kraftvoller Weg, um innere Ruhe und eine meditative Haltung zu erreichen. Den Einen universellen Schöpfergott mit Hingabe zu besingen, zu lobpreisen, auf Seinen Namen zu meditieren, das heilige Wort Gottes/Gurus, die Gurbani zu rezitieren, ist ein effektiver Weg, um sich mit der Quelle allen Seins zu verbinden. Gurbani ist die ewig-gültige, zeitlose Wahrheit, das göttliche Licht von Wissen und Einheit.

Die tiefe Bedeutung, die verborgen-liegende, unbegrenzte, transformale Schönheit, wird im Siri Guru Granth Sahib erfahrbar. Die Mystik und die Kraft, die sich im Shabad Guru befindet, offenbart die göttliche Energie der positiven Wandlung für jede Seele, die in Kontakt mit Gurbani (Guru) kommt. Der Sikh Weg des Lebens ist ein Glaubensweg der evolutionären Transformation, um Liebe, Frieden, Ruhe, Hingabe, Wahrheit, Rechtschaffenheit, Weisheit, Selbst-Erkenntnis und Selbst-Verwirklichung zu entwickeln. Durch das Wort des Shabad, durch Waheguru Naam, wird die Einheit mit Gott realisierbar.

Der Nukleus des Sikh Glaubens lehrt die distinkte Methode zur Vereinigung mit dem wundervollen Schöpfer, wie der relative Bereich der Erscheinungswelt (Maya), die operierenden fünf Feinde (Panj Chor) durch den Shabad erfolgreich besiegt werden. Gurbani und Waheguru Naam reinigen und transformieren den Geist, damit dieser seine wahre Seelen-Herkunft erkennen und erfahren kann. Durch Gurbani trifft die Individual Seele direkt auf Gott, ihren Erschaffer, Erhalter und Auflöser.

ਗੁਰਬਾਣੀ ਇਸੁ ਜਗ ਮਹਿ ਚਾਨਣੁ ਕਰਮਿ ਵਸੈ ਮਨਿ ਆਏ ॥੧॥
Gurbani ist das Licht, um diese Welt zu erleuchten; durch Seine Gnade kommt es in den Geist, um dort zu verweilen.
Gurbani is the Light to illuminate this world; by His Grace, it comes to abide within the mind. || 1 ||
SGGS, Ang 67
ਅੰਮ੍ਰਿਤੁ ਵਰਖੈ ਅਨਹਦ ਬਾਣੀ ॥
ਮਨ ਤਨ ਅੰਤਰਿ ਸਾਂਤਿ ਸਮਾਣੀ ॥
Der Ambrosiale Nektar, die ungebrochene Melodie von Gurbani strömt fortwährend herunter; tief in meinem Geist und Körper sind Frieden und Ruhe eingekehrt.
The Ambrosial Nectar, the Unstruck Melody of Gurbani rains down continually; deep within my mind and body, peace and tranquility have come.
SGGS, Ang 105
ਸਤਿਗੁਰ ਕੀ ਬਾਣੀ ਸਤਿ ਸਰੂਪੁ ਹੈ ਗੁਰਬਾਣੀ ਬਣੀਐ ॥
Das Wort des wahren Guru's - Bani, ist die Verkörperung von höchster Wahrheit und diejenigen, die sich mit Gurbani verbinden, werden vollkommen.
The Word of the True Guru’s Bani is the embodiment of Truth; through Gurbani, one becomes perfect.
SGGS, Ang 304
ਗੁਰਬਾਣੀ ਤੇ ਹਰਿ ਮੰਨਿ ਵਸਾਏ ॥
ਨਾਨਕ ਸਾਚਿ ਰਤੇ ਪ੍ਰਭਿ ਆਪਿ ਮਿਲਾਏ ॥੪॥੩॥
Durch das Wort der Gurbani kommt der Schöpferherr in den Geist und verweilt dort. Oh Nanak, Gott vereint diejenigen mit sich, die von Wahrheit durchdrungen sind. || 4 || 3 ||
Through the Word of Gurbani, the Lord comes to dwell in the mind. O Nanak, God unites with Himself those who are imbued with Truth. || 4 || 3 ||
SGGS, Ang 664
ਗੁਰ ਕੈ ਸਬਦਿ ਮਨੁ ਜੀਤਿਆ ਗਤਿ ਮੁਕਤਿ ਘਰੈ ਮਹਿ ਪਾਇ ॥
ਹਰਿ ਕਾ ਨਾਮੁ ਧਿਆਈਐ ਸਤਸੰਗਤਿ ਮੇਲਿ ਮਿਲਾਇ ॥੨॥
Durch das Wort des Guru's Shabad wird der Geist erobert und erreicht die Ebene der Befreiung in seinem eigenen Zuhause. Daher meditiere auf den Namen des Herrn; schließe dich der Sat Sangat, der wahren Gemeinde bei und vereinige dich. || 2 ||
Through the Word of the Guru’s Shabad,the mind is conquered, and one attains the State of Liberation in one’s own home. So meditate on the Name of the Lord; join and merge with the Sat Sangat, the True Congregation. || 2 ||
SGGS, Ang 26
ਸਭ ਘਟ ਆਪੇ ਭੋਗਣਹਾਰਾ ॥
ਅਲਖੁ ਵਰਤੈ ਅਗਮ ਅਪਾਰਾ ॥
ਗੁਰ ਕੈ ਸਬਦਿ ਮੇਰਾ ਹਰਿ ਪ੍ਰਭੁ ਧਿਆਈਐ ਸਹਜੇ ਸਚਿ ਸਮਾਵਣਿਆ ॥੧॥
ਸਬਦੁ ਸੂਝੈ ਤਾ ਮਨ ਸਿਉ ਲੂਝੈ ਮਨਸਾ ਮਾਰਿ ਸਮਾਵਣਿਆ ॥੧॥ ਰਹਾਉ ॥
ਪੰਚ ਦੂਤ ਮੁਹਹਿ ਸੰਸਾਰਾ ॥
ਮਨਮੁਖ ਅੰਧੇ ਸੁਧਿ ਨ ਸਾਰਾ ॥
ਗੁਰਮੁਖਿ ਹੋਵੈ ਸੁ ਅਪਣਾ ਘਰੁ ਰਾਖੈ ਪੰਚ ਦੂਤ ਸਬਦਿ ਪਚਾਵਣਿਆ ॥੨॥
Er erfeut sich an allen Herzen.
Der Unsichtbare, Unerreichbare und Unbegrenzte ist alldurchdringend.
Durch das Meditieren auf meinen Herrn Gott, durch das Wort des Guru's Shabad, bin ich intuitiv in der Wahrheit (Gott) versunken. || 1 ||
Wenn jemand den Shabad versteht, dann kämpft er mit seinem eigenen Geist. Indem er seine Wünsche bändigt, verschmilzt er mit dem Schöpfer. || 1 || Pause ||
Die fünf Feinde (Lust, Wut, Gier, Anhaftung und Ego) plündern die gesamte Welt. Die blinden, eigenwilligen Manmukhs verstehen und wertschätzen dies nicht. Diejenigen, die Gurmukh werden (Gott zugewandt), ihre Häuser sind beschützt. Die fünf Feinde werden durch den Shabad zerstört. || 2 ||
He is the Enjoyer of all hearts. The Invisible, Inaccessible and Infinite is pervading everywhere. Meditating on my Lord God, through the Word of the Guru’s Shabad, I am intuitively absorbed in the Truth. || 1 || I am a sacrifice, my soul is a sacrifice, to those who implant the Word of the Guru’s Shabad in their minds. When someone understands the Shabad, then he wrestles with his own mind; subduing his desires, he merges with the Lord. || 1 || Pause || The five enemies are plundering the world. The blind, self-willed manmukhs do not understand or appreciate this. Those who become Gurmukh - their houses are protected. The five enemies are destroyed by the Shabad. || 2 ||
SGGS, Ang 113

In allem Gottes Licht und Existenz wahrzunehmen, bedeutet, die Dualität und Illusion des Geistes, von der Quelle allen Seins getrennt zu sein, zu überwinden. Satguru Nanak Dev hat die Welt und die Individual Seelen mit Gurbani illuminiert und das innewohnende göttliche Licht in ihnen entfacht, damit sie auf dem Weg mit und zu Gott geschützt und sicher den Weltozean der Maya überqueren können. Lesen Sie hier mehr über Shabad Kirtan.

Meditation und Kontemplation sind
fruchtlos ohne Dienst und Taten

Die Sikhs haben gelernt, daß neben der Meditation Simran, selbstloser Dienst Nishkam Seva und wohltätige Arbeit (Seva) den Gläubigen dazu befähigen, die bindenden Einflüsse der Erscheinungswelt zu reduzieren. Beim selbstlosen Dienen, ohne dafür weltliche Gegenleistung zu erwarten, opfert der Sikh dem Schöpfer die fünf Diebe (Kaam, Krodh, Lobh, Moh und Ahankar). Während Seva (ehrenamtliche, selbstlose Arbeit) ausgeübt wird, unterwirft sich das Ego vor die Allmacht und Liebe Gottes. Das Seva System lernt dem Sikh demütig und bescheiden zu werden und das Ego zurückzunehmen. Gott und Seiner Schöpfung, der Gemeinde sowie der globalen Weltfamilie zu dienen, ist ein Privileg. Seva zu praktizieren, segnet den Sikh mit einem Zustand von innerer Ruhe, Zufriedenheit, Freude und Ausgeglichenheit.

Im Sikh Glauben gibt es drei Formen von Dienst:

  • Tan - physischer Dienst
  • Man - mentaler Dienst
  • Dhan - materieller Dienst

Der Sinn des Lebens

Gemäß Satguru Nanak Dev ist der höchste Sinn des menschlichen Lebens, sich mit Gott - Akaal Purakh/Waheguru zu vereinigen.

Dieser menschliche Körper wurde dir gegeben. Dies ist deine Chance, Gott dem Herrn des Universums zu begegnen. Nichts anderes wird funktionieren. Tritt der Saadh Sangat, der Gemeinschaft der Heiligen bei und meditiere auf den Juwelen des Namen (Waheguru).

This human body has been given to you. This is your chance to meet the Lord of the Universe. Nothing else will work. Join the Saadh Sangat, the company of the Holy, vibrate and meditate on the Jewel of the Naam (Waheguru)
(SGGS, Ang 12).

Die bindenden und überschattenden Eigenschaften der Maya, die fünf Feinde, die Dualität des Geistes und die Illusion des Geistes von Gott getrennt zu sein, bilden die größte Hürde, um die Vereinigung mit Gott zu realisieren. Durch Befolgen der Gurmat Lehre, sich stets an Naam zu erinnern, die Realität, Existenz und Allmacht des Schöpfers in sich zu vergegenwärtigen, auf Waheguru zu meditieren, sich mit der Gurbani zu verbinden, Gottes Schöpfung selbstlos zu dienen, erreicht der Gläubige einen reinen Geist, Stärke, Festigkeit und Zufriedenheit. In diesem Evolutionsprozeß der Individual Seele wird der Geist schrittweise transformiert, um die Einheit mit der wundervollen All-Seele des Schöpfers mit Seiner Gnade zu realisieren.

Satguru Nanak Dev bezeichnete das Wort Guru als die Stimme der Seele, die Quelle der Weisheit und die Führung zur Vereinigung mit Gott. So wie Ik Oankar universal immanent ist, sind Guru und Akaal Purakh eine Entität - Ik roop hai. Man verbindet sich mit Guru/Gott nur durch ständige selbstlose Suche und Liebe nach der Wahrheit.

Schließlich realisiert der Suchende und gläubige Schüler, daß das innere Bewußtsein seinen Ursprung in Gott hat und zu Gott gehört. Der menschliche Körper ist nur ein Mittel, um die Vereinigung mit der Wahrhaftigkeit (Gott) zu realisieren. Sobald die Wahrheit (Gott) im Bewußtsein einer Person zu erstrahlen beginnt, sich der Geist vollständig in Gott ergeben hat, ist die Maya überwunden. Die Essenz, die Schönheit und Herrlichkeit Gottes offenbart sich im eigenen Bewußtsein. Der Schleier der Illusion von Dualität existiert nicht mehr.

Gurudwara, das Gebetshaus der Sikhs

Das Gebetshaus der Sikhs wird in Gurmukhi als Guru-duara bezeichnet. Der Gurudwara oder Gurdwara ausgesprochen, ist der Toreingang zu Guru/zu Gott. Die Gurudwaras weltweit dienen als Gebets- und Gemeindezentren der Sikhs. Die höchste spirituelle Sikh Autorität, der Siri Guru Granth Sahib, ist in jedem Gurudwara installiert. Im Gebetshaus der Sikhs werden aus dem Ewig-lebenden Guru der Sikhs die Heiligen Hymnen, Verse und Gebete vorgetragen, gemeinsam gesungen, gebetet, musiziert, gelernt und gegessen. Der Granthi ist der zeremonielle Vorleser und Hüter des Siri Guru Granth Sahib in einem Gurudwara. Er kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf während des Gottesdienstes und ist verantwortlich für die tägliche Durchführung der Sikh Gebete. Gurudwaras stehen allen Menschen offen, ungeachtet von Herkunft, Status, Geschlecht und Glaubenszugehörigkeit. Hier wird das Guru ka Langar, das freie Gemeinschaftsessen an alle verteilt, die daran teilnehmen möchten. Die zwei Merkmale eines Gurudwaras setzen sich aus Pangat und Sangat zusammen. Sangat stellt die Sikh Gemeinde dar und Pangat die öffentliche Freiküche. Das Guru ka Langar symbolisiert das Aufheben sozialer, religiöser und politischer Unterschiede. Das gemeinsame Essen demonstriert die universelle Verbundenheit unter den Menschen. Sie alle sind die Schöpfungen und Manifestationen des Einen transzendentalen Schöpfers, der Vater und Mutter zugleich ist. Das Essen in einem Gurudwara ist rein vegetarisch und besteht aus Reis, Dal (Linsengericht), Gemüse, Roti (Fladenbrot) und Joghurt.

Vor dem Betreten des Gurudwaras waschen sich die Besucher die Hände (optional die Füsse) und bedecken sich den Kopf mit einem Tuch oder Dastar (Turban). Zigaretten und andere Intoxikationen dürfen nicht mit in den Gurudwara gebracht werden. Unter Gurudwara Protokoll können Sie weitere Verhaltensregeln und den Ablauf in einem Gurudwara nachlesen. Im Sikh Glauben gibt es kein offizielles Priesteramt. Der Granthi ist der zeremonielle Vorleser, Hüter und Beschützer des Siri Guru Granth Sahib in den Gurudwaras. Jeder getaufte Sikh, der den Siri Guru Granth Sahib lesen kann, hat die Möglichkeit den Gottesdienst zu leiten.

Abschließend

Als Satguru Nanak Dev in die Welt hinausging, um die Botschaft der Liebe und den Namen Gottes im Kali Yuga, dem dunklen Zeitalter, zu verbreiten, wurde Guru Nanak Dev als Satguru, die Manifestation der göttlichen Wahrhaftigkeit auf Erden, bezeichnet. Im Siri Guru Granth Sahib wird Gott ebenfalls als der Wahre Guru bezeichnet. Satguru Nanak Dev, wie alle Sikh Gurus, haben sich stets als Diener und Opfer Gottes und der Menschheit angesehen. Die Sikh Gurus waren eins mit dem göttlichen Licht, aber Ihre Demut und Bescheidenheit sollte ein Vorbild für alle Sikhs sein.

Sikhs besitzen mit dem Siri Guru Granth Sahib ihre eigene göttlich offenbarte Heilige Schrift, die als "Ewig-lebender Guru" der Sikhs verehrt wird. Der Siri Guru Granth Sahib ist die Offenbarung und Manifestation der Gurbani, dem direkten Wort Gottes/Gurus. Alle Sikh Gebete, alle Sikh Zeremonien, wie die Namensgebung, Heirat, Tod, das Konzept von Miri-Piri, die Entstehung des Sant-Sipahi, die Gründung des Khalsa Panth (Akaal Fauj), die Amrit Taufe (Khande di Pahul), die 5 Glaubenssymbole, das Gründen einer eigenen Schriftsprache (Gurmukhi), die Offenbarung von Waheguru Naam durch Satguru Nanak Dev, die Meditation mit dem Gur Mantar Waheguru, die Meditation mit dem Mool Mantar, das Singen und Praktizieren von Shabad Kirtan sind zu Lebzeiten der Sikh Gurus offenbart, gelehrt und etabliert worden. Der Ursprung des Sikh Glaubens liegt ausschließlich in den Lehren von Satguru Nanak Dev und den Sikh Gurus.

Der Sikh Glaubensweg von Satguru Nanak erweckt die tiefe Liebe zu Gott, die Sehnsucht der Individual Seele, nach langer Trennung auf Gott zu treffen. Die Reise der Seele ist die Reise zur Vereinigung mit dem Göttlichen.