1964 - Das Paonta Sahib Massaker

Paonta Sahib ist die einzige spirituelle Stätte nach Sri Anandpur Sahib, an der sich Guru Gobind Singh für einen längeren Zeitraum aufhielt. Durch die Lage an den Ufern des Flußes Jamuna, berührt Paonta Sahib aufgrund seiner Naturschönheit die Herzen der Besucher.

Viele historische Ereignisse fanden in Paonta Sahib statt. Hier wurden große Teile des Sri Dasam Granth von Guru Gobind Singh Sahib verfasst. Guru Gobind Singh erbaute 1685 eine Festung und nannte sie Panvta, die in der Schlacht von Bhanghani gegen die Bergkönige eingesetzt wurde. Paonta Sahib ist ein heiliger Ort, wo Guru Gobind Singh seinen Darbar (Court) abhielt und Seinen Sikhs das Wissen des Gurus lehrte.

An diesem wundervollen Ort Paonta Sahib wurde ein Gurudwara zur Erinnerung an den zehnten Sikh Guru errichtet.

Die Gurudwaras sind die Quellen, aus denen die Sikh Gemeinde ihre Kraft und Segen schöpft. Aus diesem Grund waren die Anti-Sikh Kräfte in ihrem Bestreben den Sikh Glauben zu zerstören, stets darum bemüht, immer als erstes die Gurudwaras anzugreifen, wo sich der Ewige Shabad Guru, der Siri Guru Granth Sahib, befindet. Maharaj Ranjit Singh wußte, daß die Gurudwaras die Stärke der Sikhs waren. Er investierte große Summen Geld, um die Gurudwaras in Stand zu halten und neue zu erbauen.

Während der Herrschaft der Mogulen, sowie des Britischen Königreichs, fiel die Kontrolle der Gurudwaras in fremde Hände und die Gotteshäuser der Sikhs wurden für persönliche, finanzielle oder ideologische Interessen missbraucht. Die eingesetzten Mahants fingen an, ihre Macht auszunutzen, Hindu Ikonen wurden im Darbar Sahib aufgestellt u.v.m. Der Genuß von Zigaretten und Alkohol wurde alltäglich in Nankana Sahib und Tarn Taran Sahib. Die Mörder vom Jallianwala Bagh Massaker wurden im Sri Akaal Takht Sahib geehrt. Schließlich konnte die Sikh Gemeinde diese Destruktion nicht mehr mitansehen. Das berühmte Gurudwara Reform Movement wurde ins Leben gerufen, das nach und nach alle sikh Gurudwaras durch die Sikh Gemeinde befreite. Die SGPC wurde gegründet, um die Sikh Gurudwaras zu verwalten.

Während der Gurudwara Reform Bewegung wurde Paonta Sahib von Mahant Lehna Singh geleitet, der ein sehr frommer Sikh war. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn, Gurdial Singh, die Leitung des Gurudwaras. Die Organisation verschlechterte sich und die Sikhs fingen an, sich bei der SGPC, den Jathebandis und Führern wie bei Master Tara Singh, Karta Singh und Hukam Singh zu beschweren. Als Baba Chet Singh, der vom Nihang Panth - Budha Dal stammte, von dem Management des Gurudwaras hörte, ging er nach Paonta Sahib und sprach mit dem Mahant. Aus Angst vor den Nihang Singhs, entschuldigte sich Gurdial Singh für seine Missetaten und vollzog die Taufzeremonie Amrit Sanchar (Khande di Pahul).

Nachdem der Budha Dal in den Punjab zurück kehrte, fiel Gurdial Singh in sein altes Verhalten zurück. Seine täglichen Aktivitäten blieben nicht unbeobachtet. Die Sikh Sangat, die im Ort lebte, ging daraufhin in den Punjab und lud Baba Harbhajan Singh,, den Jathedar vom Nihang Panth Tarna Dal, ein, mit ihnen zu kommen, um den Sikh Gurudwara zu befreien. Am 10. März 1964 erfüllte Baba Ji die Bitte der lokalen Sikh Sangat und ging zum Gurudwara. Die Nihangs vollzogen einen Akhand Path , eine 48-stündige Dauerlesung des Siri Guru Granth Sahib. Die Nihangs stellten das Rehat Maryada, den Verhaltenskodex des Gurudwaras wieder her. Kirtan, Katha und Diwans wurden abgehalten. Gurdial Singh heuerte einige Schläger an und suchte die Hilfe von befreundeten Politikern und der Polizei, um seine Kontrolle wiederherzustellen.

Am 22. Mai 1964 erhielt Baba Harbhajan Singh eine Vorladung von der Polizei, um das Problem mit Gurdial Singh zu lösen. Der Jathedar vom Tarna Dal wurde daraufhin nhaftiert und in polizeiliches Gewahrsam genommen. Danach marschierte die Polizei in Richtung Gurudwara und verkündete über den Lautsprecher, daß die Nihang Singhs nun herauskommen sollten. Die Nihangs kamen nicht heraus, um die Lesung, den Akandh Path nicht zu unterbrechen. Die Polizei betrat die Räumlichkeiten und eröffnete unmittelbar das Feuer auf die Gursikhs. Viele der Nihangs, die mit Guru ka Langar Vorbereitungen oder Seva beschäftigt waren, wurden ebenfalls erschossen.

Ein Nihang, der gerade den Siri Guru Granth Sahib las, erhob seine Hand als Zeichen für die Polizei mit dem Schießen aufzuhören. Die Polizei schoß ihm in die Hand und er wurde verwundet. Trotz der Verletzung führte er seine Lesung aus dem Ewigen Shabad Guru fort. Er wurde in die Brust geschossen. Der Nihang Singh verstarb auf der Stelle und fiel auf den Saroop des Siri Guru Granth Sahib. Baba Nihal Singh stand neben ihm, um die Lesung fortzusetzen. Baba Nihal Singh wollte den Platz einnehmen, und auch er wurde angeschossen und schwer verwundet.

Es wurden insgesamt 11 Sikhs getötet. Später stellte sich heraus, daß ein Sikh auf der Nagara trommelte, um die andere Sikhs vor dem Angriff, der dort stattfand, zu warnen.

Der Gurudwara Sahib wurde später von den Sikhs wiederhergestellt. Insgesamt haben 11 Nihangs des Tarna Dal ihr Leben für die Heiligkeit des Gurudwaras und für die Integrität des Sikh Glaubens geopfert. Baba Nihal Singh, ein verwundeter Gursikh, der überlebte, wurde der nächste Führer (Jathedar) des Tarna Dal. Er ist seitdem als Jinda Shaheed, der lebende Märtyrer bekannt.

Dieses Massaker gibt einen Einblick aus dem Jahr 1964 und über die Vorgehensweisen gegenüber der Sikh Gemeinde, die ihre Gebetsstätten vor Korruption und Zerfall bewahren wollten.

(Basierend auf einem Beitrag der Paonta Sahib Khooni, herausg. von Panthic Weekly)