1984 Sikh Genozid - Sikh Massaker Delhi

Nach dem Angriff auf den Sri Harmandir Komplex im Juni 1984 durch die Indische Armee mit einem Kontingent von über 70.000-100.000 Soldaten gegen 200-240 Widerstandskämpfer und der Zerstörung des Sri Akaal Takht, dem höchsten Sitz der temporalen Sikh Autorität, und der Beschädigung des Sri Harmandir Sahib Komplex, wurden nach Angaben ca. 5.000+ unschuldige, gläubige Sikhs und Pilger getötet.

Am 31. Oktober 1984 wird die Premierministerin Indira Gandhi daraufhin von ihren zwei Sikh Leibwächtern, Beant Singh und Satwant Singh, erschossen. Als Antwort darauf fand eine organisierte Verfolgung und Tötung unschuldiger Sikhs in Delhi und Indien statt. Rajiv Gandhi (Congress Partei), der Sohn von Indira Gandhi sagte dazu:

Wenn ein mächtiger Baum fällt, dann ist es nur natürlich, wenn die Erde um ihn herum ein wenig bebt. [Rajiv Gandhi]

In ganz Indien werden Sikhs angegriffen, einige der schlimmsten dokumentierten Attacken finden in der Hauptstadt Neu Delhi statt. In Delhi werden mehr als 3.100 Sikhs innerhalb von 3 Tagen getötet. Die Zahl der getöteten Sikhs außerhalb von Delhi liegen laut Quellen bei über 20.000.

Die Gemeinden, die von der damaligen Congress Partei regiert wurden, waren am schlimmsten betroffen, aber auch einzelne Mitglieder vom rechten und ultrarechten Flügel BJP/RSS waren an den Pogromen beteiligt.

Jahrzehnte lang gab es für die Opfer und Hinterbliebenen keine Gerechtigkeit. Der Sikh Genozid von 1984 ist ein trauriges Kapitel in der Geschichte Indiens gegenüber einer religiösen, ethnischen Minderheit, den Sikhs, die einen Anteil von nur 1.7% der indischen Gesamtbevölkerung ausmacht.

Die Zeit nach 1984 war gekennzeichnet durch weitere religiöse und ethnische Verfolgungen, Folterungen, Tötungen und sogenannten "Fake Encounter". Jeder getaufte Sikh (Amritdhari), der die fünf Glaubensartikel trug, unabhängig ob Frau, Mann oder Kind, konnte vom Indischen Staat als "potentieller Terrorist" deklariert und außergerichtlich auf "Verdacht" hin von der Polizei festgenommen, gefoltert und/oder getötet werden. Hierzu wurden die sogenannten TADA Gesetze von 1985 erlassen.

Der tschechische Schriftsteller Milan Kundera schreibt:

Der erste Schritt, um Menschen zu liquidieren, ist ihre Erinnerung auszulöschen. Zerstöre ihre Bücher, ihre Kultur und ihre Geschichte. Dann laß jemanden neue Bücher schreiben, stelle eine neue Kultur her, erfinde eine neue Geschichte. Es dauert nicht lange, und diese Nation wird vergessen, wer sie sind und wer sie waren... Der Kampf des Menschen gegen die Macht ist der Kampf der Erinnerung gegen das Vergessen.

Ram N. Kumar beschreibt die Natur der Organisation dieser Pogrome gegen Sikhs wie folgt:

Früh am nächsten Morgen wurden Horden von Mobs aus den Vororten Delhi's an verschiedene Stellen der Stadt transportiert, wo sich größere Teile der Sikh Bevölkerung befanden. Die Mobilisierung deutete auf eine Unterstützung und eine Organisation mit immensen Ressourcen hin. Die kriminellen Gruppen trugen primitive Waffen bei sich... und brennbare Materialien, inklusive Kerosin zur Brandstiftung. Ihnen wurden ebenfalls Listen zur Verfügung gestellt, auf denen die Häuser und Geschäfte von Sikhs in verschiedenen Gegenden vermerkt waren. Die Regierung kontrollierte den Fernsehsender Doordarshan und den Radiosender All India Radio, und begann mit der Ausstrahlung von provokativen Slogans, um Rache zu suchen, wie "khoon ka badla khoon se lenge (Blut für Blut)"

Jede dieser Mob-Gangs von ca. 200-300 Männern, geleitet von einem Anführer, begannen in die Häuser der Sikhs auszuschwärmen, zerhackten die Bewohner in Stücke, hackten die Köpfe von Kindern ab, vergewaltigten Frauen, fesselten Männer an Reifen, die mit Kerosin in Brand gesetzt wurden und brannten Häuser und Geschäfte nieder, nachdem sie sie geplündert hatten, während die Polizei dabei inaktiv zusah. In einigen Gegenden gruppierten sich Sikh Familien zur Selbstverteidigung. Die Polizei erschien dann, um diese Sikh-Gruppen, die sich verteidigen wollten, entweder zu entwaffnen, festzunehmen oder lösten sie mit Waffengewalt auf.

Associate of Rajiv Gandhi and former MP Arun Nehru ...ensured that 6000 Sikh policemen were disarmed and sent home from active duty in the afternoon of October 31, 1984. He was later rewarded as Minister of Internal security and was largely responsible for draconian laws and genocidal policies which were implemented in Punjab against Sikh freedom fighters. (Quelle: Top 10 Architects of 1984 Sikh Genocide, Sikh24, Singh Station)

Kushwant Singh wurde klar:

wie sich die Juden in Nazi Deutschland gefühlt haben müssen.

Er fasste zusammen:

Das Töten nahm Proportionen eines Genozids der Sikh Bevölkerung an.

When a tree shook Delhi - November Genozid 1984

31. Oktober ca. 09:20 Uhr

Indira Gandhi wird durch ihre Sikh Leibwächter Satwant Singh und Beant Singh erschossen. Während sie an den Verletzungen von 30 Kugeln stirbt, wird sie ins Krankenhaus gebracht.

31. Oktober ca. 16:45 Uhr

Als der Präsident von Indien, Zail Singh, vom Ableben der Premier Ministerin erfährt, eilt er zum Krankenhaus in Delhi, wo der Körper von Indira Gandhi liegt.

Auf seinem Weg dorthin attackiert ihn der Mob mit Steinen.

...Parolen wie, "Sardar gaddha hai" (Sikhs sind Verräter) und "Khoon ka badla khoon se layenge" (Blut für Blut) konnten vor dem Krankenhaus gehört werden...
[Jagjit Singh, Augenzeugenbericht, 1985]
31. Oktober 17:55 Uhr

In der Nähe des Krankenhauses, wo Indira Gandhi stirbt, werden die ersten Gewaltakte verübt.

...Kerosin wurde gesammelt, die Mörder wurden innerhalb und außerhalb der Stadt versammelt, um die Häuser der Sikhs ausfindig zu machen...
[Supreme Court Justice VM Tarkunde, 29. Januar 1985]
31. Oktober 20:10 Uhr

In Sabzi Mandi treiben zwei Sikh Offiziere, Ass. Commissioner Kewal Singh und Inspektor Gurmail Singh, 90 Gewalttäter zusammen.

Zwei Stunden später werden sie von diesem Posten durch den Additional Commissioner Hukam Chand Jatav abberufen.

...es schien, als ob sie als Strafe für die große Anzahl an Festnahmen, die sie vorgenommen hatten, von ihrem Posten abgezogen wurden... (und stattdessen) beschuldigt wurden, dass sie ihre Pflichten während der Aufstände vernachlässigt hätten...
[Kusum Lata Mittal Bericht, 1988]
31. Oktober 21:00 Uhr

Im Gebäude des Präsidenten der Congress Partei Trilokpuri Unit, Rampal Saroj, wird ein Treffen abgehalten. HKL Bhagat, MP von Ost-Delhi, nimmt daran teil.

Dort werden die Ziele und Orte für die Gewaltakte des Mobs für die nächsten Tage gegenüber der Sikh Bevölkerung beraten und entschieden.

... Es scheint so, als ob Shri Bhagat, Rampal Saroj und Dr. Ashok Gupta, die alle örtliche Congress Führer waren, einen aktiven Anteil an den Anti-Sikh Gewaltakten in dieser Gegend hatten...
[Nanavati Commission 2005]
1. November 9:00 Uhr

Dr. Ashok Gupta instruiert den Mob in Kalyanpuri dazu, die Häuser von Sikhs zu plündern.

Die Sikhs wehren zwei Angriffe des Mobs ab, bevor sie von der Polizei entwaffnet werden.

Während ihre Häuser abgebrannt werden, zerrt man die männlichen Sikhs heraus auf die Strassen, um sie dann zu zerhacken oder bei lebendigem Leib zu verbrennen.

...Tyagi (Leitender Polizist) hatte in unangemessener Weise die Sikhs all ihrer Waffen beraubt, mit denen sie versucht hatten, sich gegen die gewaltsamen Angriffe zu verteidigen...
[Supreme Court Richter Nanavati, 2005]
1. November 10:00 Uhr

Maxwell Pereira, ein Polizei-Offizier, befiehlt seinen Constables, den Sis Ganj Gurudwara zu beschützen. Die Mörder Gangs richten daraufhin ihre Aufmerksamkeit auf die nahegelegenen Läden der Sikhs.

Pereira schießt auf eine Person des Mobs und ihm gelingt damit, den Mob vorerst aufzulösen.

...Diese resolute und starke Entscheidung Shri Pereira's hatte eine sofortige Auswirkung und der Mob löste sich auf...
[Kusum Lata Mittal Bericht, 1988]
1. November 12:30 Uhr

Im Rakab Ganj Gurudwara, nahe dem indischen Parlament, verbarrikadieren sich Sikhs, nachdem zwei Sikhs am Eingang des Gurudwaras getötet werden.

Der Mob belagert den Gurudwara fünf Stunden lang.

...Ein älterer Sikh ging mit gefalteten Händen auf den Mob zu und bat sie, wegzugehen...sie verprügelten ihn brutalst und verbrannten ihn anschliessend. Der Sohn des älteren Mannes konnte diesen Anblick nicht ertragen und versuchte ihn zu retten...auch er wurde eingefangen und bei lebendigem Leib verbrannt...
[Mukhtiar Singh, Augenzeugenbericht, 2005]
1. November 12:30 Uhr

Im Block 32 Trolikpuri muß Gurdip Kaur, eine 45-jährige Mutter dreier Söhne, wie viele Sikh Frauen auch mit Schrecken ansehen, wie ihr Ehemann und ihre Söhne vor ihren Augen ermordet werden.

Danach wird sie von 8 Hindus des Mobs vergewaltigt. Ein Sohn von Gurdip Kaur musste diese Vergewaltigung mitansehen, bevor er vom Mob getötet wurde.

...Sie rissen mir die Kleider vom Leib und zogen mich vor den Augen meines Sohnes nackt aus...acht von ihnen vergewaltigten mich dort vor den Augen meines Sohnes in meinem eigenen Haus...
[Gurdip Kaur, Augenzeugenbericht, 22. Mai 2001]
1. November 18:00 Uhr

Drei indische Journalisten kommen in Trilokpuri an, wo sie Frauen und Kinder nackt in den Strassen auffinden, umgeben von verkohlten Überbleibseln ihrer Männer.

Später wurde bestätigt, dass fast alle männlichen Sikhs in Trilokpuri brutalst getötet, zerhackt und mit Kerosin in Brand gesetzt wurden.

...Die Strassen von Block 32 (Trilokpuri) waren übersäumt mit Gliedmaßen von Menschen, Haaren und verkohlten Leichen. Es war nicht möglich sich fortzubewegen ohne auf die Gliedmaßen der toten Körper zu treten...
[Rahul Bedi (Journalist), Augenzeugenbericht, 23. Mai 2001]
1. November 18:30 Uhr

Ein Mob von 5000 Gewalttätigen versammelt sich vor dem Gebäude von Manmohan Singh Bir Talwar (früherer Kampfpilot der Indischen Armee). Talwar's Geschäft in der unteren Etage wird abgebrannt. Er feuert einige Warnschüsse ab, aber die Polizei unterstützt den Mob mit Waffengewalt. Der Mob dringt in Talwar's Geschäft ein und Talwar tötet einen der Angreifer. Er wird wegen Mordes verhaftet und ins Gefängnis gebracht.

...Anstatt Talwar wie ein Opfer zu behandeln, der von seinem eigenen Haus aus gefeuert hatte, da dies angegriffen wurde, machte die Polizei aus ihm den Aggressor und verhaftete ihn wegen Mordes...
[Manoj Mitta, 'When a tree shook Delhi', 2007 ]
2. November 9:00 Uhr

Der frühere Finanzminister Madhu Dandavate erreicht den Bahnhof Tughlahabad in der Umgebung von Delhi.

Ein mit Eisenstangen, Hackbeilen und Brechstangen bewaffneter Mob sucht nach Sikhs in den Zügen. Sikhs werden ausfindig gemacht, herausgezerrt und brutalst getötet.

...Ich fand zwei getötete Sikhs vor, die auf die Bahnsteige geworfen worden waren. Die Polizei, die auf den Bahnsteigen stand, machte keine Anstalt weder das Töten noch das Verbrennen von Sikhs zu stoppen...
[Früherer Finanzminister Madhu Dandavate, Augenzeugenbericht, Misra Commission, 1985]
2. November 12:00 Uhr

Der Schriftsteller und Journalist Kushwant Singh wird in seinem eigenen Heimatland Flüchtling.

Seine Freunde mit politischen Verbindungen empfehlen ihm, sich in den sicheren Schutz der schwedischen Botschaft zu begeben.

...Um Mitternacht wurde der Gurudwara hinter meinem Haus attackiert...Zum ersten mal realisierte ich, wie sich Juden in Nazi Deutschland gefühlt haben müssen...
[Kushwant Singh, Augenzeugenbericht, Nanavati Commission, 2005]
2. November 17:30 Uhr

Die Gewalt des Mobs hält den ganzen Tag über an. In Trilokpuri trifft ein Reporter 70 Frauen und Kinder, die sich unter einer Brücke in einem schrecklichen Zustand zusammengedrängt haben.

Sie waren die Überreste der Gräueltaten des Tages und berichteten, dass ihre Männer alle getötet wurden.

Sie sagten mir, daß ihre Männer tot seien und sie um ihr Leben geflohen sind... Ich versuchte die Armee zur Hilfe zu holen, aber die sagte mir, sie haben keinen Befehl zu helfen...
[Journalist anonym, Augenzeugenbericht, PUDR Untersuchung, 1984]
3. November 20:00 Uhr

Nach einem weiteren Tag der Gewalttaten wird eine unbestimmte Ausgangssperre verhängt, während Armee Einheiten für Indira Gandhi's Beerdigung eingesetzt werden.

Mit dem Einsatz der Armee lässt die Gewalt etwas nach. Während der nächsten Tage passieren jedoch weitere schreckliche Gewalttaten.

...während diese Vorfälle passierten, sagten die Polizisten dem Mob "Plündert und tötet so viel ihr wollt für drei Tage lang, danach wird die Armee kommen..."
[Jaya Jaitely, Augenzeugenbericht, Nanavati Commission, 2005]
Nachwirkungen

Die Politiker und die indischen Medien machten aus diesen Taten kommunale Unruhen und eine zu erwartende Reaktion aufgrund der Ermordung Indira Gandhis. Bei seiner Ansprache im Delhi Boat Club (1984) rechtfertigte der neue Premier Minister Rajiv Gandhi die Ausschreitungen als ein natürliches Phänomen:

Zitat: Rajiv Gandhi

Einige Ausschreitungen passierten nach der Ermordung Indiraji's. Wir wissen, dass die Leute sehr wütend waren und es schien, als ob Indien ein paar Tage lang durchgeschüttelt wurde. Aber, wenn ein mächtiger Baum fällt, dann ist es nur natürlich, wenn die Erde um ihn herum ein wenig bebt.

Das Töten von tausenden von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern in ganz Indien hatte Ausmaße eines Genozid.

Quellen: SEC UK, diverse Kommissionsberichte etc.

Die Sikh Bevölkerung hatte den Angriff der Indischen Armee und die Zerstörung ihres Heiligtums im Juni 1984 miterleben müssen, wo sie 5000+ gläubige Pilger verloren hatte.

November 1984

Die Regierung: Es war ein Hindu versus Sikh Aufstand - "Riots".
Die Situation: Es gab keinen religiösen Aufstand zwischen Sikhs und Hindus. Es gab in diesen Tagen ein "einseitiges Töten". Damit trifft die Terminologie von Riot nicht zu. In Delhi werden in diesen Tagen keine Hindus getötet. Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass es eine Vielzahl von Hindus gab, die ihren Sikh Nachbarn und Sikh Freunden halfen und deren Leben retteten. Die damaligen Medien verbreiteten Gerüchte, wie:
Sikhs haben das Trinkwasser vergiftet etc., um maximalen Hass gegen die Sikh Bevölkerung zu schüren, wodurch dem Mob erlaubt wurde zu töten, Sikh Frauen und Sikh Mädchen zu vergewaltigen.

Die Regierung: Es war spontan.
Die Situation: Einzelne Mitglieder der Congress Partei organisierten diese Taten. Sie gaben Adressenlisten von Sikhs an den Mob weiter, die mit Macheten, Waffen, Reifen und Kerosin bewaffnet waren, um Sikhs zu töten. Zudem wurde ihnen "freier Alkohol" und "Kopfgeld" gegeben.

Die Regierung: Die Polizei war nicht im Stande es zu stoppen.
Die Situation: Die Polizei entwaffnete und zerstreute die Sikhs, damit sie sich nicht gemeinsam verteidigen konnten. Die Polizei ignorierte das Töten von Sikhs und stand ohne einzugreifen dabei. Über 6000 Sikh Polizisten werden vom Dienst, bevor der Pogrom beginnt, am Nachmittag des 31. Oktobers "beurlaubt". Dort, wo einige Polizisten sich aktiv bemühten, wurde das Morden vorübergehend gestoppt.

Die Regierung: Die Armee konnte nicht eingesetzt werden.
Die Situation: Armee Einheiten, die in der Nähe von Delhi stationiert waren, hätten innerhalb von weniger als 12 Stunden Ruhe und Ordnung wiederherstellen können. Das systematische Töten ging aber für die nächsten drei Tage weiter. Die Armee wurde in den Kasernen gehalten, bis tausende von Sikhs getötet wurden - in Delhi allein über 3100. In Gedenken daran wurde eine Tafel mit den Opfern in Delhi veröffentlicht.

Die Regierung: Wir versuchten den Überlebenden zu helfen.
Die Situation: Die Flüchtlingscamps waren in einem menschenunwürdigen Zustand. Versicherungsansprüche wurden nicht aufrechterhalten. Minimale oder gar keine Entschädigungen waren die Antwort. Die Überlebenden wurden allein gelassen.

Die Regierung: Sikhs sollten vergessen und nach vorne schauen.
Die Situation: Nach 10 Untersuchungskommissionen wurden die Verantwortlichen zunächst juristisch nicht belangt. Überlebende, Witwen und die damaligen Waisenkinder, die dieses Verbrechen miterleben mussten, leben mit diesen Erinnerungen.
(Quelle: Basics of Sikhi, Sikh Youth United Kingdom, massviolence.org, diverse Sikh Organisationen, Kommissionsberichte, Menschenrechtsreporte etc.)

1984 Sikh's Kristallnacht

"Völkermord ist eine Straftat nach internationalem Gesetz" - UN Genocide Convention, 1948 (PDF in Englisch von Parvinder Singh)

Karte von getöteten Sikhs in Indien

Offizielle und inoffizielle Zahlen von getöteten Sikhs in Indien.

Delhi's Witwen Kolonie in Tilak Vihar

Indian Express
8 phases of Genocide
Interview mit Darshan Kaur (Überlebende des November Genozid 1984)
Remembering November Genozid 1984:
8 phases of Genocide
Interview with Giani Puran Singh Ji

DELHI 1984:
Riot or Genocide? (Englisch)
Riot Genocide?
8 Stadien eines Genozids - Bhai Harjinder Singh
8 Stadien eines Genozids - Bhai Parmjeet Singh (Punjabi)
8 phases of Genocide
Parmjeet Singh's Ansprache (Punjabi)

Weitere Informationen, Bücher und Manuskripte zu dem Sikh Genozid von 1984 finden Sie u.a. in der Bibliothek:

SIKH GENOCIDE LIBRARY

Die Zeit nach 1984 war gekennzeichnet durch religiöse und ethnische Verfolgungen gegenüber Sikhs. Aber auch das Aufkommen von militanten Sikh Bewegungen.

Ram Narayan Kumar ein bekannter Researcher und Co-Founder des Committee for Coordination on Disappearances in Punjab (CCDP), schreibt:

"Meine eigenen Nachforschungen über Punjab... machen deutlich, dass die staatlichen Dienste dabei waren, ein aufmerksames Umfeld zu kreieren, um die Sikh Bewegung zu infiltrieren und ein Klima von moralischer Abscheu gegen die Sikhs zu generieren, indem sie gräẞliche Straftaten begannen, die dann später den bewaffneten Sikh Gruppen angehängt wurden".
Um diese Aussage von Ram Narayan Kumar nicht einseitig stehen zu lassen, gab es natürlich eine Anzahl von Vergeltungsanschläge, die von Seiten militanter Sikhs verübt worden sind.

Publikationen von Ram Narayan Kumar:
* The Sikh Struggle: Origin, Evolution and Present Phase (Chanakya Publications, Delhi, 1991)
* Confronting the Hindu Sphinx (Ajanta Publication, New Delhi, 1991)
* The Sikh Unrest and the Indian State: Politics, Personalities and Historical Retrospective (Ajanta Publications, New Delhi, 1997)
* Four Years of the Ceasefire Agreement between the Government of India and the National Socialist Council of Nagalim
* Promises and Pitfalls (Other Media Communications, New Delhi, 2002)
* India’s Constitutional Discourse: Some Unanswered Questions
* Rights Guarantees and Judicial Wrongs: Arguments for an Appraisal in Recasting Indian Politics, ed. Paul Flather (Palgrave, London)
* Critical Readings in Human Rights and Peace (Shipra publications, New Delhi, 2006.)
* Terror in Punjab: Narratives, Knowledge and Truth (Shipra Publications, Delhi, 2008).
* ‘Reduced To Ashes’, a compilation of about 600 cases of human rights violations in the state.
This report prompted the National Human Rights Commission to take cognizance of the large scale custodial disappearances and deaths in Punjab during that decade (Anjuman Ara Begum).

Inwieweit militante Gruppen, wie Khalistan Tiger Force, Khalistan Liberation Force, Babbar Khalsa, Bhindranwale Tiger Force unabhängig bzw. von den verschiedenen In- und Auslands Geheimdiensten infiltriert oder unterstützt worden sind, bleibt für die Außenwelt weitgehend unbeantwortet.

Die Gurmat Lehre der Sikh Gurus ist rein. Sie sagt klar und deutlich aus, daß der Sikh (Khalsa) niemals zuerst angreifen darf. Er hat die Aufgabe Notleidende, Schwache und Unterdrückte zu beschützen, zu verteidigen, wie sich selbst. "Unschuldige" zu töten, entspricht niemals der Grundlage des Sikh Glaubens.
Blicken wir auf die ereignisreiche Historie der Sikhs zurück, wird dies bestätigt. Die Sikh Gurus und Ihre Sikhs kämpften gegen Unterdrückung und Tyrannei. Sie setzten sich für Liebe, Frieden, Rechtschaffenheit, Freiheit, Wahrheit, Brüderlichkeit, Respekt, Menschlichkeit und für die Glaubensfreiheit aller Menschen ein.

Rajiv Gandhi wird am 21. Mai 1991 in Tamil Nadu von einer Hindu Frau der Liberation Tigers of Tamil Eelam ermordet.

Along the way, he (Rajiv Gandhi) was garlanded by many Congress party workers and school children. At 22:21 the assassin (Thenmozhi Rajaratnam, a Hindu woman) known as Dhanu, approached and greeted him. She then bent down to touch his feet and detonated an RDX explosive-laden belt tucked below her dress. Gandhi, his assassin and 14 others were killed in the explosion that followed.

(Quelle Wikipedia: Assasination Rajiv Gandhi)

Premierminister Manmohan Singh (Congress Partei) entschuldigt sich offiziell im Jahr 2005 beim Indischen Volk für die Ermordung von Indira Gandhi und für die Taten, die im November 1984 gegen die Sikh Bevölkerung in Delhi und in Indien stattfanden.
I apologise not only to the Sikh Community but to the whole nation, because what took place in 1984 is a negation of concept of nationhood enshrined in our constitution. I am not standing on any false prestige. On behalf of our government, on behalf of the entire people of this country, I bow my head in shame.


Diverse Bundesstaaten in den USA als auch in Kanada haben das Sikh Massaker von 1984 als "Sikh Genozid" anerkannt.
Nach 34 Jahren, im Dezember 2018, verhängt das Höchste Gericht in Delhi, lebenslange Haft für einen der maßgeblichen Anführer, sowie für fünf weitere Agitatoren, die am November Sikh Massaker von 1984 beteiligt waren (Sajjan Kumar, Mahinder Yadav, Krishan Khokhar, Balwan Khokhar, Captain Bhagmal, Girdhari Lal). Der involvierte Congress Politiker HKL Bhagat verstarb im Jahr 2005 eines natürlichen Todes, Lalit Maken wurde in einem Attentat von 1985 getötet. Laut dem Höchsten Gericht in Delhi sollen weitere Fälle überprüft werden.

The Delhi High Court in its judgement (December 2018) said:
"The large scale rioting, mob violence, arson plunder, genocide and looting has been duly proved and established.... the mass killings of Sikhs in Delhi and elsewhere in November 1984 were in fact Crimes against humanity. They will continue to shock the collective conscience of society for a long time to come... A majority of the perpetrators of these horrific mass crimes, enjoyed political patronage and were aided by an indifferent law enforcement agency."
(Quelle: Delhi High Court, Sikhsiyasat, WSO - World Sikh Organisation Canada)

Es war eine lange und schmerzvolle Reise für die Überlebenden - und für diejenigen, die sich für die Opfer, Augenzeugen und Hinterbliebenen von 1984 einsetzten. Zu ihnen zählt u.a. der Senior Advocate des Delhi High Courts, H.S. Phoolka. Er setzte sich 34 Jahre lang für die Opfer und Hinterbliebenen vor Ort in Indien ein und gab nie auf. In einem Interview mit ThePrint sagte der Anwalt:

"This case has been very close to me."
"This judgement is a historic document. It takes note of how for 34 years, the wheels of justice were impeded at each and every stage. These powerful people didn't allow the Law to move on, the judical system to move on."
(Quelle: ThePrint, Sikh24.com)

Phoolka war 28 Jahre alt, als das Sikh Massaker 1984 stattfand. Er fuhr seine schwangere Frau auf dem Motorrad nach Hause. Der Mob machte das Haus von Phoolka ausfindig. Sein Vermieter, ein Hindu, sagte dem Mob, daß die Phoolkas Delhi verlassen hätten und dort nicht mehr wohnen würden. Danach zog der Mob wieder ab. Der Vermieter versteckte die beiden 2 Tage lang bei sich im Vorratsraum. Von da aus flohen sie nach Chandigarh.
Im "Farsh Relief Camp" wurden die Waisenkinder, Witwen und Verwundeten untergebracht, hier halfen die Phoolkas den Opfern von 1984.
Harvinder Singh Phoolka veröffentlichte 2001 die erste Webseite zu dem Thema "www.Carnage84.com". Als Anwalt hat er die Betroffenen von 1984 kostenfrei juristisch vertreten. Er ist gemeinsam mit Manoj Mitta Autor von dem Buch "When a tree shook Delhi - The 1984 Carnage and its Aftermath". Nach dem Urteil des Höchsten Gerichts im Dezember 2018 besuchte der Senior Advocate den Sri Harmandir Sahib.